.

Logo
   Mit Ludwig Flich im Konzert und Studio:
 DSD-Aufnahmen in 5.0
  Holland führte tonal mit 5:0 

Konzerthaus Wien:
Polyhymnia mit DSD-Equipment in nativem Surround-Sound

Jede Aufnahme bleibt ein Abenteuer. Der Dirigent kann schlecht disponiert sein, die Musiker missmutig, das Equipment schlecht gelaunt, und das Aufnahmeteam überlastet. Doch diesmal war im Konzerthaus die Welt in Ordnung.

  Der 1959 in Leningrad/St.Petersburg geborene Dirigent Jakov Kreizberg und die Wiener Sympboniker hatten sich typisch österreichische Klassik, wie Bruckners Siebente und Walzer von Johann Strauß vorgenommen. Kreizberg, der lange in denuSA und in Deutschland lebte, erwies sich als nicht nur umsichtiger Dirigent, sondern zudem als einer, der auch etwas Sinnvolles vermitteln konnte. Und einer, der sogar das schwierige Idiom eines Wiener Walzers aufgesogen hatte und nun tänzerisch umsetzte.

Die Symphoniker, typischerweise ja kein leicht zu begeisterndes Orchester, stimmten Kreizberg willig zu und liefen zu großer Form auf. Es war bemerkenswert, wie selbst schwierige Passagen am Ende der Probenstunden plötzlich gelangen, und Kreizberg auch die Abschnitte der Korrekturen wissend wählte.

Das Equipment wiederum war durch kein Gewitter aus der Ruhe zu bringen, und die drei holländischen Tongurus der niederländischen Firma Polyhymnia, die im Studio im zweiten Stock Platz genommen hatten, waren mit der Saalakustik wie mit der künstlerischen Leistung durchaus zufrieden. Polyhymnia, eine Gründung ehemaliger Philips-Tonmeister, nimmt nun eigenständig für mehrere Firmen auf, vor allem aber für das ihnen nahe stehende Label Pentatone, einem Vorreiter für DSD-Aufnahmen.

DSD ist die Basis-Technologie für SA-CD, und während der Großteil der Firmen noch mit PCM-Technik aufnimmt und dann für die SA-CD wandelt, sind die Polyhmynier stolz darauf, dass sie im DSD-Medium auch "schneiden" können. Schneiden hat mit dem klassischen Cutten nichts mehr zu tun: Die Edits oder Takes der Musik werden auf einer 11-GB-Festplatte gespeichert und dann daheim in Holland vom Produzenten mit dem Editor ausgewählt und zu einem neuen Kunstwerk verbunden. 

 Job Maarse, der Produzent, flankiert von seinen beiden Tonmeistern Erdo Groot (Balance Ingenieur) und Roger de Schot (Ton Ingenieur), hatten ihr mobiles Equipment aus der Zentrale ankarren lassen - siehe rechte Spalte). Dann ging es an die Aufstellung der Mikrofone m Saal und der Erprobung der bestmöglichen Akustik für die Aufnahme.

Erschwerend kam dazu, dass sämtliche Mikrofone wegen eines anderen Konzerts abgebaut werden mussten, und dazu eine Verschmelzung des Klangs bei vollem und leeren Saal erzielt werden musste, da Bruckners "Siebente" als "Livekonzert-Mitschnitt" fungiert. Und daher nur häppchenweise aus den Proben ergänzt werden sollte.

Während der Proben und Detail-Aufnahmen sind alle drei Polyhymnier in ihre Partituren vertieft. Vor allem Job Maarse macht sich bei jedem kleinsten Fehler Notizen, während der ebenfalls eifrig mitschreibende Roger de Schot zusätzlich zur DSD-Speicherung noch  Kontroll-CDRs mitlaufen lässt. Die Aufnahme wird über eine genau platzierte 5.0-Anlage kontrolliert, wobei sich der Stereo-Mix ganz anders präsentiert als der allein mit dem Raumhall des Großen Konzerthaus-Saals angereicherte Multichannel-Mix: Wirkt Stereo schön tiefengestaffelt und auch detailgetreu, was die einzelnen Solisten-Positionen anlangt, so weitet sich bei Surround nicht nur das Panorama. Groot platziert nach einer bestimmten Basisaufstellung seine fünf Hauptmikrofone, die sparsam durch Stützmikrofone bei manchen Musikergruppen konturiert werden. 

Die Musik gewinnt in Surround an Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, ohne an innerer Feinzeichnung zu verlieren. Es fehlt der gewisse Vorzeige-harakter, den Stereo immer zu enthalten scheint: "Hier spielt die Oboe, hier die Trompete". Multichannel/Surround wirkt einfach "natürlicher". So weit das die Kunstwelt einer Disc eben vermitteln kann. Und auch so will (man denke nur an die bewussten Surroundeffekte mancher Aufnahmen).

Erdo vor seinen Reglern und immer mit Partitur. Er habe viel mit allerneuesten Techniken experimentiert, erzählt Mijnheer Groot, aber DSD läge vor allem bei der Präzision der Impulse vor 96/24-PCM. Das merke man gerade bei großen Orchesteraufnahmen. Um Fledermaus-Frequenzgänge ginge es nicht, umso mehr, als ja viele DSD-Player Filter eingebaut hätten, die ab 50kHz einsetzten, um den hochfrequenten DSD-törnebel oberhalb des Hörbereichs nicht an Lautsprecher weiterzuleiten und so deren Hochtöner in Weißglut zu versetzen.

Auch der Centerkanal sei extrem wichtig, weil er extreme Kanalwechsel eines Solisten verhindere. In einer Pause spielt er auch andere Polyhymnia-Aufnahmen an. So macht Musik auch im Studio Spaß. Kein Stressklang, keine schärfelnden Höhen, kein Klirr bei exponierten Sängern - so vollendet müsste man das auch daheim in den Griff bekommen.

Was auffällt, ist die Lust der Techniker, immer noch Neues zu erproben, die Van-den-Hul-Kabel etwa oder die Mikrofon-Wandler. Und auch der Stromversorgung sah man ihre Nähe zum Labor noch an. Die DSD-Wandler und die   Stromversorgung im unermüdlichen Großeinsatz, vor allem, wenn irgendwo im Konzerthaus noch Arbeiter ans Werk gingen.
 

Fotos und Text: Ludwig Flich


Wen die Geschichte und die Hintergründe von Polyhymnia interessiert, der findet etliche Information auf www.polyhymnia.com

Details zu Pentatone, die seit Anfang alle ihre SA-CDs immer mit zusätzlicher CD-Schicht versahen, und zudem Philips-Aufnahmen aus den 70er-Jahren erstmals in ihrer 4.0-Quadro-Version veröffentlichen, lesen Sie auf www.pentatonemusic.com

Die SA-CDs mit Walzern von Johann Strauß wie auch die Bruckner-Symphonie sind in Österreich über Gramola, Wien, erhältlich.

 

Linie

www.disc.at

 

 

 

 

 


Das Aufnahme-Equipment 

Polyhymnias Tonmeister
Erdo Groot berichtet über technische Feinheiten (zum Großteil in Englisch):

Unserere Mikrofone stammen von Neumann - km 130 and km 143 capsule, DPA 4006 und 4011 capsule, weiters Schoeps MK41 capsule, alle mit dem von Polyhymnia speziell designten Mikrofon-Vorverstärker.

"Again Jeroen Olde-Dubbelink spent a great deal of time perfecting his design. The microphone electronics needed to work on standard 48V phantom, be interference-proof, and be easily modified to work with many different microphone models.


Polyhymnia microphone Buffer amplifier

Again Jeroen came up with a completely balanced circuit, including even a "dummy capsule" to balance the microphone capsule. Again the design is very high bandwidth, from well beneath 1 Hz to well over 200 kHz (both high- and low-frequency cut-off is determined by the capsule itself). The electronics work with extremely high impedance (20 gigaohm) for the capsule load, and an extremely low output impedence of 8 ohms (ideal for driving long cables). The electronics are made with the thick-film ceramic techniques generally used to build satellite electronics. Models have been built for Danish Pro Audio microphones (4006 omni and 4011 cardiod), Neumann 100 series, and Schoeps Colette series.

The audible results achieved have been remarkable; we can finally hear the true sound of the microphone capsules! Particularly impressive are the results achieved with the Neumann microphones; before modification these were good microphones, but not microphones we would have used for the main systems. After modification with our new electronics they have become some of our favorite microphones. We have now modified approximately 125 of our microphones, and use these modified microphones for all of our recordings.

The microphone signal goes through A van Hul cables directly into our own built microphone pre-amps. The line output of the 5 main microphones goes directly to the DCS DSD converters. The other signals our mixed in the modified Polygram mixer to three channels and also fed to the DCS DSD converters. We record the 8 track direct stream digital signals onto hard disk with Pyramix workstation and for back up onto tape as well.

We listen through our multi channel pre-amp switcher via modified Haffler amps and 2 B&W 803N and 3 B&W 805N speakers. We take great care in setting up the monitors to achieve the best playback conditions possible on site in order to be able to best judge the results. The 'optimal' microphone positions are chosen, starting with a lot of experience and judging the acoustics beforehand. Then modifying according to what we hear. "