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Multimedia Tipps
Nr. 22

BASICS:
VERSTÄRKER

Die Kraftzentralen jeder Anlage kommen in verschiedenen Designs und Größen auf den Markt. Was hinter Vor- und Endstufen, integrierten Verstärkern und Röhren steckt

Der Verstärker hat heute irgendwie ein undankbares Leben: Jeder schaut auf die Boxen, egal, ob sie meterhoch oder winzigklein sind; der neue DVD-Player wird vielleicht noch bestaunt, aber beim Verstärker erwartet man vor allem, dass er seine Pflicht tut.
Natürlich gibt es die "absolut schönen" Verstärker, die einen sofort durch ihr Design in Bann schlagen (wie etwa Sharps großer Digital-Amp SM-SX100), aber im Regelfall sieht man einen mehr oder weniger ästhetischen Quader, der über einen großen Regler und mehrere Tasten verfügt.
Zuerst einige wichtige Begriffe: Amp bedeutet "Amplifier" und somit dasselbe wie Verstärker. Integriert meint, dass alle Verstärkerstufen in einem Gehäuse untergebracht sind, Vor- und Endstufe oder Vor- und Endverstärker, dass es zumindest zwei Gehäuse gibt; das lässt sich noch weiter treiben. Es gibt auch Vorverstärker, die mehrere Mono-Endstufen betreiben können - etwa, weil es der nachfolgende Lautsprecher so braucht.
Für Integrierung wie für Aufteilung gibt es Argumente. Alles-in-einem sorgt für extrem kurze Signalwege, was in jedem Fall von Vorteil ist.
Das kommt dem klassischen Verstärker-Ideal eines "Kabels mit Gewinn" ("Straight Wire with Gain"), das die minimalen Spannungen der einzelnen Geräte ohne Änderung verstärkt, durchaus nahe. Bisher war oft der Nachteil, dass die Endstufen-Abteilung, die sonst für gehörige Wärme sorgt, im selben Gehäuse nicht unbedingt von Vorteil ist (einzelne Spezial-Class-A-Designs ausgenommen).
Dazu senden die Trafos in den Endstufen meist Vibrationen aus, die man gehörig unterdrücken muss, um etwa heikle Bauteile im Vorverstärker-Teil nicht zu beeinflussen. Die Digital-Technik hat da einiges an Neuem zu bieten, da die Hitze-Entwicklung relativ gering bleibt.

Aus eins mach' zwei
Für die Aufteilung in Vor- und Endstufe spricht das Hitze-Schwingungs-Argument, wobei hier Endstufen bis zu kompromisslosen Watt-Zahlen designt werden können. Die "Schwachstelle" ist hier das Kabel zwischen beiden Elementen, das sich keinen Fehler erlauben darf, damit man alle Signale innerhalb des Verstärker-Verbunds optimal hält.
Ob die Endstufe nun in Stereo ist oder wiederum in zwei Mono-Blöckchen ausgeteilt ist, spielt heute keine große Rolle mehr, da nahezu alle Firmen von audiophilem Rang ihre Stereo-Endstufen wie zwei Monos - nur eben unter einem Dach - ausrüsten.

Röhren oder Transistor
Immer noch weckt ein Thema Emotionen: Röhre oder Transistor. In den letzten zehn Jahren haben sich nach einer langen Nachtschatten-Periode die Röhren wieder in den Vordergrund gespielt. Nicht nur, weil ihre Lampen so toll glimmen, sondern weil sie gerade in der Frühzeit der Digital-Technik die manchmal coole CD-Stimmung menschlich machten.
Mittlerweile ist aber - bis auf manche China-Modelle - jeder Softsound total out. Moderne Röhren-Verstärker sind schnell wie nie zuvor, zudem präzis und dynamisch; die besten Geräte (oft in reiner "Trioden"-Schaltung) besitzen jene Eigenschaften, die man üblicherweise als "Aura" bezeichnet: Sie stellen Musik und Musiker scheinbar noch dreidimensionaler, greifbarer als andere Techniken dar.
Umgekehrt haben Transistor-Designs ebenfalls dazu gelernt. Die besten Geräte besitzen heute einen Schmelz und eine Flüssigkeit, die man früher eben nur Röhren zugebilligt hätte. Kurzum: Viele Wege führen in den Hör-Olymp und "nix is' fix". Was dafür die Freude am Hören vor dem Kauf eines Verstärkers erhöht.
Eines muss dem Käufer von Röhren-Verstärkern klar sein: Röhren altern (Transistoren übrigens auch - nur langsamer), aber wenn man sie - sagen wir, nach zehn Jahren - tauscht, dann ist der gesamte Verstärker wieder verjüngt. Diese Kosten muss man allerdings beim Erstkauf einplanen.
Und: Nur wenige Röhren-Amps sind wirklich kinder- und tierfreundlich. Sie bedürfen dann einer geschützten Aufstellung: Zum Selbstschutz, damit die empfindlichen Glaskolben nicht beschädigt werden und zum Rundum-Schutz, damit neugierige Kinderhände und Tierpfoten nicht heiß werden.


Der SM-SX100 Digitalverstärker in 1 Bit -Technologie von SHARP


In der nächsten Praxis lesen Sie: Wie viele Anschlüsse braucht der Verstärker, wie hält er es mit den Watt-Angaben, der Klangregelung und der Loudness?