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Multimedia Tipps Nr. 19

BASIC:
SURROUND SOUND

Wer braucht Rundum-Klang bei Musik?

Als in den 70er-Jahren noch die "Quadrophonie" - das Hören mit vier Lautsprechern - aktiv war, da hörte man mitunter Verständnislose: "Was brauche ich vier Boxen; ich hab' ja nur zwei Ohren."
Dass Raumklang wenig mit der Anzahl der Ohren (außer in der Bewertungstabelle eines deutschen HiFi-Magazins oder wenn man bloß eines hat) zu tun hat, sprach sich mittlerweile herum.
Hören mit mehr als zwei Boxen sollte auch den Konzertsaal, in dem die Musik bei der Aufnahme spielte, ins Wohnzimmer verfrachten. Der Vorteil lag auf der Hand: Es konnten damit auch wertvolle Nachhall-Eigenschaften, die sonst daheim bei schlechter Akustik unter die Hörschwelle fallen, aufgepäppelt werden. Die Akustik des Wiedergabe-Raums wurde damit etwas weniger wichtig, und es ließen sich anstatt zwei eben vier Boxen plus passender Elektronik (in den Systemen SQ, QS und CD-4) verkaufen.
Auf der Minus-Seite standen neben den Kosten auch die Unterbringungs-Möglichkeiten der hinteren Boxen und die Verkabelung, wobei die damalige HiFi-Lehre auch kleine Effekt-Boxen akzeptierte. Leider gibt es wirklich nicht viele effektvolle Werke, wo sich schon die Komponisten ein Rundum-Spektakel einfallen ließen: ein bisschen die frühbarocken Gabrielis aus Venedig, dann Hector Berlioz und Gustav Mahler - that's it. Allerdings brachte der zusätzliche Konzertsaal- oder Kirchen-Nachhall lebendige Klangfarben und eine saftigere, plastischere Abbildung der Musiker ins Spiel. Leider blieben Live-Aufnahme selten, wo doch gerade der Applaus und die Publikums-Reaktionen für Atmosphäre sorgen.
Quadrophonie scheiterte schließlich am Konkurrenz-Kampf der drei Systeme und wurde vergessen.

Aus vier mach fünf

Nun kommt Raumklang über die Film-DVD erneut ins Haus - und sogar mit fünf anstatt vier Lautsprechern. Dolby Digital setzte den Kino-Maßstab, und nun sollen die neuen Audio-Superdiscs SACD/SuperAudioCD und DVD-Audio ebenfalls durch "MultiChannel" (Vielkanal) punkten.
Der wichtigste Punkt bei allen Überlegungen lautet: Eine Film-Surround-Anlage klingt ganz anders als eine Audio-Surround-Anlage. Sie muss, falls es dieselben Boxen sind, daher anders eingestellt werden. Selbst neueste Mehrkanal-Discs geben keinen Aufschluss über die Kanal-Balance vorne und hinten. Da heißt es, fein zu pegeln, bis die Musiker wirklich vor einem sitzen und einem nicht plötzlich über die Schulter springen.
Wer für derartige Spielereien keinen Sinn hat, bleibt besser bei Stereo.
Denn gutes Stereo liefert einen dreidimensionalen Hörblick in einen Saal, der sich ab/hinter den Boxen nach hinten weitet. Man sitzt quasi am Eingang des Saals oder auf der Bühne. Das kann schon sehr befriedigend wirken, und die Ortung aller Instrumente/Vokalisten bleibt hervorragend.
Stereo bloß auf Surround - etwa mit dem neuen Dolby II oder ProLogic - aufgefettet, zerstört im Augenblick die Ortung. Alles wird diffus, und oft sitzt man plötzlich ungewollt zwischen den Musikern.

Weniger ist mehr

Musik gehört so abgestimmt, dass die hinteren Boxen fast nicht wahrgenommen werden. Weniger ist mehr.
Zudem muss man sich entscheiden, ob der Center-Speaker in der Mitte bei Musik wirklich notwendig ist. Sollte gerade eine gute Stereo-Aufnahme tönen, so zieht dieser Mono-Center die Musik klanglich in die Mitte, ohne mehr Details zu liefern. Besser, man nimmt auch seinen Pegel wie den des Subwoofers etwas zurück. Bis es einmal ausreichend MultiChannel-Aufnahmen gibt, bleibt uns nur die akustische Expansion von Stereo-Material.
Eine audiophile Lösung für alle, die Musik mit zusätzlichen Surround-Effekten hören und dazu ihre Film-Surround-Anlage nützen wollen, sieht in etwa so aus: Grundsätzlich einen Verstärkerzweig in Stereo samt den Hauptboxen ins Zentrum stellen; dann mit dem zusätzlichen Surround-Verstärker und den vier bis fünf Boxen ein "Klangfeld" schaffen, das den Stereoklang um Raumanteile vor allem hinten erweitert. Geschickt dosiert, kann das bei CDs und Musik-DVDs zu einer realistischen Saal-Illusion führen.

In der nächsten Praxis lesen Sie: Ungewöhnliche Surround-Systeme

PS: Wenn Sie kein Cinéast sind oder jemals einer werden wollen, dann können Sie mehr Räumlichkeit mit dem uralten "Hafler"-Trick zaubern. Sie benötigen dazu einen zweiten Verstärker, der vom Hauptverstärker die Musik zapft, und kleine Boxen hinten. Vertauschen Sie auf einem Kanal hinten die Phase der Boxenkabel, also einmal rot auf schwarz und umgekehrt, und erleben Sie eine deutlichere Räumlichkeit aller Stereo-Aufnahmen.