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Nr. 18

BASIC:
DER ANALOGE PLATTENSPIELER

Steht eine Renaissance von Vinyl ins Haus?

Ins Haus wahrscheinlich nicht, ins House vielleicht. Ein analoger Plattenspieler ist für viele Leute unter 20 so kurios wie ein Tonbandgerät oder eine Schellack-Jodeldose. Dennoch haben sich in der angewandten DJ-Szene Vinylplatten über die Jahre erhalten, ja melden die Schallplattenfirmen wieder Zunahmen des LP-Verkaufs.
Freilich in Grenzen. Zu einer Renaissance oder gar Umkehr des Digital-Trends wird es nicht reichen, da die CD vor allem eines bietet: "Convenience" - Bequemlichkeit.
Da kann die gute, alte Platte gerade mit mehr Emotionalität aufwarten, die sich schon bei manchen Techno- oder Rap-Grooves wohlgefällig äußert, aber erst bei Natur-Instrumenten, wie bei Jazz und Klassik - auf ihre Echtheit überprüft werden kann.
Doch hier ist der Zug längst abgefahren. Selbst strenggläubige Analogiker wollen nur selten Hunderte Schilling für eine nachgepresste Jazz-LP auf den Ladentisch legen, und bei Klassik verhält es sich ebenso. In beiden Bereichen kommen ja auch die neuen Superdiscs ins Spiel, die HiFi ohne jegliches Knistern freisetzen.

Aktivieren Sie Ihre Vinyl-Schätze

Dennoch lagern in manchen Familien wahre Vinyl-Schätze aus den 50er- bis 70er-Jahren, die einst von Plattenhobeln gemartert wurden, oder wo vielleicht ein sehr guter Plattenspieler dem innovativen CD-Player weichen musste.
Hier wäre es schade, nicht erneut reinzuhören. Denn der sanfte Sound von LPs besitzt etwas Verführerisches - vor allem wenn die Platte in gutem Zustand und das Abspielgerät perfekt justiert ist.
Aktuelle LP-Spieler erreichten in ihrem Marktsegment eine Qualität, die ältere, gleich teure Spieler blass aussehen lässt. Wer nicht in die "Superduper-Highclass" vorstoßen will, bekommt schon ab etwa 200 € (um 2500 Schilling) einen Einsteiger-Plattenspieler, der klanglich Emotion pur verströmt.
Am beliebtesten bei Newcomern sind fix zusammengestellte Spieler greifen: Diese enthalten Laufwerk mit Plattenteller und Motor, Tonarm und Tonabnehmer (mit Diamantnadel).
Analog-Plattenspieler benötigen einen Phono-Vorverstärker. Früher allgemein üblich, ist dieser aus vielen Verstärkern verschwunden; wo er nicht vorhanden ist, gibt es ihn heute als kleines Kästchen zum Nachkaufen.

Kleine Tricks für besseren LP-Klang

Gute Aufstellung bringt auch bei LP-Spielern besseren Klang: Ein wackelfreies, vibrationsarmes Rack, exakt waagrecht ausgerichtet, bildet die Basis; dann heißt es die Transportsicherungen zu lösen und den Tonarm exakt mit dem Gegengewicht auszubalancieren. Schwebt er, wird die geforderte Auflagekraft und das passende Antiskating eingestellt - beides einfache Dinge.
Damit ist schon die Grundarbeit geleistet.
Gute Stromqualität durch Steckerleisten hilft auch hier, und alle Stecker und Kontakte sollten zweimal im Jahr von Korrosion befreit werden.
Abdeckhauben werden während des Spiels nicht benötigt, da die Theorie besagt, dass der Diamant eines guten Tonabnehmersystems während des Spielens auch den Staub aus der Rille fegt. Wer will, kann die oft mitgelieferte Haube im Ruhezustand über den Spieler stülpen, damit die Auflagefläche staubarm bleibt.
Dennoch stellt gerade das Knacksen und Bröseln alter Vinyls für CD-verwöhnte Audiophile einen Mangel dar. Wenn die Platte gar "nass gefahren" wurde (einst ein verbreiteter Sport), dann wird man erst mit einer Plattenwaschmaschine die verklebten Rückstände aus der Rille lösen müssen.
Auf jeden Fall sind gute Vinyls immer nur in ihren beiden Hüllen aufzubewahren - am besten exakt stehend, nicht in Wärme-Nähe und interessanter Weise auch besser rauchfrei. Der Diamant benötigt von Zeit zu Zeit eine Reinigung (dafür gibt es Flüssigkeiten und/oder Bürstchen), die Lebensdauer kann man bei täglichem Spielen mit ein paar Jahren veranschlagen.
Eine Inspektion unterm Mikroskop des LP-bewussten Fachhändlers alle sechs bis zwölf Monate vermeidet etwaige ungewollte Frässpuren in der Rille.


In der nächsten Praxis lesen Sie: Macht Surround bei Musik Sinn?