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Multimedia Tipp: Die Ausstattung für den high-fidelen Harry Potter
Zauberkunststücke, Scharlatanerie und wirklich hilfreiche Esoterica (1): Das Erklärbare

Die Szene hochwertiger HiFi-Geräte ist voll von Zusatzgeräten und Mittelchen, welche die Wiedergabe angeblich entscheidend verbessern. Bald stellt sich für jeden Konsumenten die Grundfrage: Wie hoch ist der Prozentsatz der hörbaren Verbesserung und was kostet mich das im Vergleich zu einer gleich besseren Anlage?
Die so genannten "Tweaks" oder mit esoterischen Ausdrücken verbrämten Zubehörteile sind nun nicht etwa Kabel oder Reinigungsmittel: Es handelt sich um speziell Entwicklungen, deren Erklärungen manchmal in den Sätzen gipfeln, dass man gewisse Phänomene eben noch nicht erklären kann.
Damit stehen nun auch findigen Scharlatanen die Herzen der HiFi-Gläubigen offen. Denn wer will schon auf eine livehaftige Wiedergabe verzichten?
Dieser Bericht will ein bisschen Ordnung in die wirre Szene bringen und die Spreu vom Weizen trennen (dafür hat Ihr Audio-Doktor auch in den letzten beiden Wochen den Markt nach Novitäten erforscht).

Punkt 1: Der Strom.
Leicht erklärbar.
Dabei finden nur noch Unwissende etwas Mystisches. Die Digitaltechnik hat uns gelehrt, das eine superpräzise Stromversorgung in den Geräten und um sie das Beste ist, um den Klang zu erhalten. Es gibt indes verschiedene Arten. Computer-USVs sind nur einen Test wert; zumeist ist der Klirrfaktor des von ihnen erzeugten Stroms zu hoch, dass man sich zwar Plastizität aber auch Unsauberkeit einhandelt.
Es gibt spezielle, für HiFi entwickelte Stromversorgungen und Stabilisatoren (etwa von Accuphase), die den Strom quasi neu aufbauen.
Ein ganz spezielles Produkt kommt von Quantum aus den USA. Dieses einfach an eine Steckerleiste der Anlage anzusteckendes Minikästchen sorgt für merkbare Verbesserung des feindynamischen Mikrokosmos. Akzente werden leichter ortbar, Phrasen sinnvoller erahnt, und ohne Klangfarben-Veränderungen scheinen nun auch komplizierte Werke leicht durchhörbar.

Punkt 2: Die Vibrationen.
(Fast) leicht erklärbar.
Auch hier hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass gerade CD-Player auf Vibrationen unwirsch reagieren, was sich auf den Klang schlägt. Wer hier noch um exakt waagrechte, Vibrationsableitende Unterlagen diskutiert, ist nicht auf dem neuesten Stand.
Auch CD-Stabilisatoren zeigen Wirkung, wenn der Player nicht ohnehin schon Maßnahmen gegen zu schwingende CDs eingebaut hat.
Das Ergebnis äußert sich durchwegs in besserer Durchsichtigkeit der Aufnahme.
Manche Entwickler gehen sogar so weit, dass sie bewusst Resonanzen zum Klang-Tuning einsetzen, wie z.B. bei den Ebenholz-Mpingo-Scheiben von Shun Mook, welche u.a auf Playern liegen und durch leichtes Verändern der Markierungs-Richtung auch die Klang-Qualitäten des Geräts darunter beeinflussen.
Berühmtester Österreicher ist der Tiroler Geigenbauer und Geräte-Entwickler Dieter Ennemoser, dessen C37-Lack eine gewisse Berühmtheit erlangte. Ennemoser ist überzeugt, dass sein Lack auf einer Theorie der Urschwingung basiert, und alle damit behandelten Gegenstände musikalisch-natürlicher klängen.
Seine Theorien fanden indes nicht nur Anhänger: Vor allem Lautsprecher-Entwickler verurteilten das Verändern von Kalotten an Lautsprecherchassis, weil dadurch schnelle Bewegungen gebremst würden. In Geräten und auf CDs erfreut sich der C37-Lack vieler Freunde, und eine deutsche CD-Player-Feintuning-Werkstätte verwendet angeblich erfolgreich C37-Lack und Geigenteile, um SACD- und CD-Playern mehr Menschlichkeit ein zu lackieren.
Wie mir unlängst Dieter Ennemoser berichtete, wird indes sein C37-Lack auch von Lautsprecherherstellern international und mit Erfolg verwendet. (Sie www.ennemoser.com/user.html) Es seien, meinte er, auch sehr renommierte Hersteller dabei, die aber nicht wollen, dass dieses "Geheimrezept" bekannt gemacht wird - so etwa ein amerikanischer wie ein bekannter deutscher Hersteller, der eine special edition mit C37 Lack herausbrachte.
Es gäbe Hersteller, die dieses Produkt der Konkurrenz und seine Philosophie nicht unterstützen wollten. Wenn man etwa eine dicke Lackschicht auf einen Hochtöner aufbringt und die entsprechende Trocknungszeit nicht abwartet, dann führt das zum "gewünschte negativen Ergebnis".
Ennemoser, der bekanntlich auch Geigen baut, meinte, dass sich ein Lack, der wie eine Bremse für hohe Töne wirkte, katastrophal auch für Geigen auswirkte.  Tatsächlich wirkt die Wiedergabe
 der hohen Obertöne mit C37-Lack nicht nur beim Lautsprecher, sondern auch bei der Geige, die flüssiger, schneller und besser aufgelöst klingt. Voraussetzung ist natürlich, dass man dünne Schichten (bei der Geige 12 - 20 Schichten!) aufträgt und diese genügend lang trocknen lässt.

 

Punkt 3: Das Streulicht.
Leicht erklärbar.
Jede CD-Außenkante reflektiert Laserlicht. In manchen Fällen kann das die Abtastung erheblich stören. Früher verwendeten Fans (so auch ich) gerne den grünen Stift, der die Reflexionen minderte. Mittlerweile hat sich für Freaks die Gläss-CD-Kantenfräse-Maschine durchgesetzt. Sie entfernt durch ein schneidiges Messerchen CD-Kantenteile, bis ein gewisser streuarmer Winkel erreicht ist.
Die Klangwirkung äußert sich in größerer Plastizität und Genauigkeit der Musiker-Abbildung. Schärfe weicht zugunsten von mehr Musikalität.
Es gab natürlich auch Versuche, die Punkte 2) und 3) in einer Scheibe zu vereinen. CD Blacklight ist eine solche weiche Plastikdisc, welche man vorher in Licht "baden" und dann auf die CD legen soll. Einerseits wird diese stabilisiert, andererseits verschluckt die grünlich schimmernde Auflage im Player-Inneren das Streulicht - oder minimiert es zumindest.
So erfreulich sich das anhört, so zeitaufwändig ist die Manipulation. Lichtbad, auf CD legen, hoffen, dass der Schlitten gut einfährt und das Blacklight nicht aus der Mitte rutscht.... denn genau das wäre ja wiederum dem guten Klang abträglich.
Manche Player-Modelle verweigern derartige Discs sofort.

Punkt 4: Die besser lesbare Pit-Struktur
Erklärbar.
Jede Disc hat auf der glänzenden Seite über der Datenschicht eine durchsichtige Polycarbonat-Schicht. Manche Mittel versprechen nun, den "optischen Widerstand" dieser Schicht verschwinden zu lassen und dem Laser bestmöglichen Zugriff auf die Daten zu ermöglichen, so als sähe dieser direkt auf die Datenspur. Gewisse Glanzmittel oder Öle versprechen dadurch ein noch genaueres, musikalischeres Klang-Ergebnis, und auch ich kann bestätigen, dass derartige Mittel etwas bewirken.
Andererseits haben nicht alle Flüssigkeiten dieselbe Wirkung, was zum Beispiel die Hersteller von SACDs, welche ja viel feinere Pits besitzen als CDs, bewogen, eine besondere Warnung vor derartigen Flüssigkeiten an ihren Verpackungen anzubringen.

Jetzt kommt die ersten Gegenprobe: Wie viele Tricks vor dem Spielen muss man anwenden, um in den totalen Hör-Genuss zu kommen? Es hat sich heraus gestellt, dass man obige Mittel durchaus kombinieren kann: also etwa zuerst fräsen, dann lackieren, und dann noch Oberfläche behandeln.
Doch da halten nur noch die Fanatiker mit. Tatsache ist auch, dass manche der Mittel in sehr guten Geräten kaum mehr Wirkung zeigen, da etwa ein CD-Player-Entwickler bereits an die Verringerung von Streulicht und unerwünschten Vibrationen dachte.

Mystische Mittel sind umso populärer, je weniger Arbeit sie einem aufbürden.
Gerade hier beginnt aber der Teil des Unerklärlichen oder - in der Diktion der Entwickler - des noch Unerklärlichen. Zumeist handelt es sich um Erklärungen, die von "Energiefeldern" sprechen. Es liegt auch in der Natur des Menschen, Veränderungen zu hören, wenn man eines dieser Geräte in Arbeit gesehen hat. Hier muss man also wirklich so unbefangen wie möglich mehrfach testen um weder einem Zauberlehrling oder einem Placebo-Effekt zu erliegen. Ludwig Flich

Davon bereits am nächsten Montag mehr....

Eine der Disc-Auflagen mit doppelter Wirkung - CD Blacklight (hier die fluoreszierende Schicht), das Streulicht verhindern und Vibrationen dämpfen soll. Foto: Flich