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Multimedia Tipps
Nr. 16

BASIC:
DIGITALE AUFNAHMEGERÄTE (2): MINIDISC-RECORDER

Die Tricks der munteren Festplatte



Die Erfinder der MiniDisc beschritten erstmals einen revolutionären Weg - anders als alle bisherigen Aufnahmesysteme: Anstatt einer fortlaufenden (sequentiellen) Aufnahme, wie sie bei Tonband, Cassette, CD-R und sogar DVD-R üblich ist, setzt MiniDisc/MD auf Computertechnik.
Im Prinzip handelt es sich bei MD um eine kleine, allseits hüllengeschützte Festplatte, über die ein Schreibkopf düst und leere Stellen mit Daten auffüllt. Bei der Wiedergabe passiert dasselbe umgekehrt: Der Laser sucht die Daten auch aus entfernten Sektoren zusammen und füllt sie in einen Puffer-Speicher, wo sie dank einer Zeitverzögerung ohne hörbare Pausen aneinander gereiht werden. Schreibvorgänge können tausende Male ausgeführt werden, wofür MD eigentlich der aktuelle Zusatz "RW" (ReWritable) gebührt.
Daher entfallen auch alle Sorgen, die man mit einfach bespielbaren R-Medien hat. Korrigiert werden kann immer!

Der Puffer-Speicher ist auch dann hilfreich, wenn der Laser - etwa durch Stöße oder starke Vibrationen - stolpert.
Damit beherrscht MD Tricks, von denen die anderen digitalen Aufnahme-Medien bis hin zu MP3 nur träumen können. Sprache ist sekundengenau aus moderierten Musik-Sendungen zu entfernen, sodass keine Lücken zwischen den Musikstücken bleiben, sondern die Musik zusammen rückt, und der freie Platz wieder durchgehend für neue Aufnahmen zur Verfügung steht. Keine Sekunde an Spielzeit bleibt ungenützt. Einzelne Titel können immer wieder umgereiht, gelöscht, zusammengefügt, getrennt, überspielt und mit Namen versehen werden. MD führte bei hochwertigen Standgeräten als erstes Aufnahme-Medium regelbare Digital-Eingänge und Ton-höhen-Korrektur ein. Auch hier gibt es Modelle mit ange-schlossenem CD-Player, welche das Kopieren noch einfacher machen - und das sogar mit mehrfacher Geschwindigkeit.
Ursprünglich war MiniDisc auch als portable CD-Ergänzung gedacht, und wenn sie auch das sie einst konkurrenzierende DCC-Bandsystem besiegte, so etablierten sich vorbespielte MDs in den Plattenshops nicht. MDs kauft man "blank", also unbespielt.
MiniDisc entwickelte sich zum wahrscheinlich besten aller aktuellen Kopiermedien, und in manchen Ländern, wie etwa Japan, ist es auch das beliebteste. Daher gibt es von nahezu jeder Firma MD-Recorder, wobei die meisten als Portables und einige auch für Car-HiFi angeboten werden.

Verfeinerte Datenreduktion

Die digitale Taktrate von 44,1 kHz, also wie CD, gilt auch hier; Digitalüberspielungen von anderen Formaten, wie DVD-Video, ADR/Astra DigitalRadio oder DAB/DigitalRadio, werden durch Datenratenwandler auf 44,1 kHz umgemodelt.
Wegen der Kleinheit der MD musste ein Datenreduktions-Verfahren (Atrac) entwickelt werden, das nach Jahren der Verfeinerung akustisch an CD-Klang heran reicht. Unterschiede sind nur im direkten Vergleich wahrzunehmen.
Aufnahmeseitig besitzen MD-Top-Recorder im Analogweg bis zu 24-Bit-A/D-Wandler (digital genügen für CD natürlich 16 Bit), und wer die bereits letzte Woche erwähnten Überspiel-Tricks beherzigt, wird von der MD-Klangqualität überrascht sein.
Stabilität des digitalen Takts ist eine der Hauptursachen für den sogenannten "digitalen" Klang. Fehlt der "Jitter", das klangmindernde Taktzittern, oder bleibt er gering, so blüht auch die Wiedergabe auf.
Hilfreich dafür sind gute Überspielkabel - auch digitale. Koaxiale sind optischen zumeist überlegen, auch wegen möglicher Vibrations-Eigenschaften. Wenn es nur eine optische Buchse (meist Toslink) gibt, dann ein hochwertiges Kabel anstatt der dünnen Beipack-Digital-Strippe verwenden. Es gibt auch spezielle Interfaces, welche Jitter zuverlässig bremsen - etwa den "Jisco" (Jitter Scrambling Decorrelator) von Altmann aus Deutschland.

Musik aus dem Internet

Wie bei CD-R gilt auch das Reinheits-Gebot der Software für MiniDisc: Markenware klingt im Dauerbetrieb besser als No-Names, und die Preise sind allgemein erfreulichst gefallen.
Mit der Zukunft hat sich MD ebenfalls auseinander gesetzt. Es gibt eine Möglichkeit, Musik aus dem Internet - in Echtzeit - herunter zu kopieren. Das funktioniert über ein spezielles USB-Kabel, das dem Computer ein Lautsprechersystem vorgaukelt. Damit kann man zwar nicht Datenfiles herunterladen, sondern nur die gespielte Musik; dafür gibt es aber derzeit noch die Möglichkeit, Musik, die an und für sich nur fürs Hören (nicht fürs Kopieren) gedacht ist - DownStreaming - zu archivieren. Und natürlich nach allen Regeln der MD-Kunst zu editieren.
Um auch zeitmäßig auf Musik-ohne-Ende aufzuspringen, entwickelten die MD-Firmen "MDLP", das Aufnahmen bis zu 320 Minuten auf einer 80-Minuten-MD erlaubt. Freilich mit einem Klang, der schon an MP3 erinnert. MP3 hat klanglich gegen die "normale" MD nichts zu bestellen, weil jene feinen Zwischenwerte fehlen, welche für die Emotion in der Musik sorgen.
Last not least: MD ist erschütterungsfest. Wenn auch die Discs robust sind, so bleiben die Player und da vor allem die Portis elektronische Geräte. Sand und Wasser im Gehäuse sind daher nicht angeraten.

In der nächsten Woche: Wie gut sind die Festspeicher-Musikanten MP3, AAC und Atrac3?