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Peter I. Tschaikowsky Variationen über ein Rokoko-Thema Andante Cantabile

Camille Saint-Saens
Cellokonzert Nr. 1

Max Bruch
Kol Nidrei op. 47

Pieter Wispelwey (Cello); Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Daniel Sepec

Aufnahme: Digital/DSD. Im Juni 2000 in der Gutsscheune Stuhr-Varrel Stuhr, Bremen, Deutschland.
Tonmeister: C. Jared Sacks (Channel) und Hein Decker (SACD)
Masterung: Carl Schuurbiers bei Polyhymnia Int., Baarn, Holland

Channel Classics/Lotus Records CCS SA 16501 (Super Audio CD; Hybrid: auch als CD abspielbar)* SACD sowohl in Stereo als auch in Multichannel abspielbar**

Es gibt Aufnahmen, die einen sofort durch ihre Brillanz gefangen nehmen. Es kracht, es zischt, doch am Ende drängt sich der Vergleich mit einem überwürzten Essen auf. Mit der Wirklichkeit hatte das alles herzlich wenig zu tun.
Und dann gibt es Aufnahmen, die eigentlich unspektakulär anlaufen. Fast ist der Audiophile im ersten Moment enttäuscht, doch dann wird er immer mehr in die Musik hinein gezogen und letztlich an ein Live-Erlebnis erinnert.
Zu dieser Kategorie gehört die vorliegende Aufnahme. Ich hatte schon früher die holländischen Channel-CDs wegen ihrer Klang-Feinheiten weiter empfohlen - so etwa die Mozart-Klavierkonzerte mit Jos van Immerseel oder die Haydn-Cellokonzerte mit Hollands Parade-Virtuosen Wispelwey.
Channel besaß immer schon einen Vorsprung, weil sein Chef und Meister-Techniker Jared Sacks die neuesten A/D-Highbit-Wandler der englischen Firma dcs verwendete. Und weil Sacks auf alte Kirchenräume und Natur-Akustik schwor.
Im ersten Moment beeindruckte mich diese erste SACD des Hauses kaum. Das Cello Pieter Wispelweys verströmte vor mir zwar seine Kantilenen, aber das Orchester fegte nicht Atem raubend über die Bühne. Dafür begannen andere Qualitäten zu wirken.

Präsent wie Living Stereos

So gibt es nur wenige Aufnahmen, die das Harzige eines Cello-Tons so treffend wiedergeben, die das ganze Zimmer in das Atmen des Instruments und des Künstlers einbeziehen, wie diese; und auch die Wiedergabe der Scheunen-Akustik mit ihrem sehr direkten, an Nachhall bescheidenen Klang lässt die einzelnen Orchestergruppen sehr differenziert ins Hörbild kommen.
Bald erinnerten mich die Streicher oder die Bläser an alte "Living Stereo"-Aufnahmen, weil sie trotz aller Hall-Verweigerung einen seltenen Glanz an Obertönen aufweisen und dazu durchaus plastisch wirken. Natürlich ist das einer der Verdienste der Direct-Stream-Digital-Technik, die auch kleinsten Akustiksignalen ihre Aufmerksamkeit schenkt, aber es zeigt auch einen Wagemut der Produzenten - Sacks und Wispelwey - von der heute verbreiteten Hallbad-Philosophie abzurücken.
Ja, so könnte es in einer alten Scheune klingen, wenn ein nicht zu großes Orchester spielt. Wer die Augen schließt, wird bald die Atemgeräusche des Solisten, aber auch viele realistische Konzertgeräusche, wie Umblättern von Seiten und Zupfen von Saiten wahrnehmen. Und dass sich nach einen gefühlsintensiven Solo von Wispelwey in den Rokoko-Variationen auch von fern Vögel zu Wort melden, wirkt wie eine übergeordnete Botschaft von Naturnähe.

Engagierte Begleiter

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ist ein junges und engagiert spielendes Ensemble, das vor allem durch den jungen englischen Dirigenten Daniel Harding in die internationalen Schlagzeilen geriet: Ihre Beethoven-Ouvertüren (Virgin/EMI) besaßen ein Feuer und eine Spielfreude, um das sie viele Star-Orchester beneiden würden.
Daniel Sepec ist kein genialer Harding, aber der Konzertmeister der Bremer Musikanten kann sich seine Rolle bei diesen Werken gut mit dem Solisten teilen, da die Begleitung nur selten nach einem Orchester-Dompteur verlangt, und seine Kollegen ohnehin gewohnt sind, aufeinander kammermusikalisch einzugehen.
Alle vier Werke zählen zum romantischen Repertoire jedes großen Cellisten, und Wispelwey zeigt sich im Saint-Saens besonders virtuos, im Tschaikowsky-Andante und im Bruch extrem gefühlvoll. Ein Vorzeigestück par excellence sind die Rokoko-Variationen, in denen Pieter Wispelwey sein Repertoire an Zwischentönen vor uns ausbreitet. Fantastisch.

Ludwig Flich

* SACDs werden in der Startphase noch nicht in allen Läden aktiv beworben. Deshalb geben wir die Bestellnummer und den Vertrieb genau an, damit Sie die SACDs bei Ihrem Händler ggf. bestellen können.
** Das SACD-Format bietet auch eine Erweiterungs-Möglichkeit in Richtung Surroundsound. Die Daten-Information für 5.1 oder wahlweise 6.0 wird zusätzlich zur Stereo-Version auf die SACD gepresst. Im CD-Abspielmodus ist nur die Stereo-Version vorhanden.

Channel Classics bietet als eines der ersten Unternehmen auch SACD-Multichannel an. Die SACD-Norm setzt - anders als etwa DVD-A - auf eine einheitliche Abspielnorm, nämlich auf die von Filmen vertraute 5.1-Anordnung: vorne drei Lautsprecher (L-Front, Center, R-Front), hinten zwei (L-Rear und R-Rear), und dazu, falls notwendig, ein Subwoofer. Alle stehen gleich weit vom Hörer entfernt - siehe Abbildung im "Praxis-Archiv" unter: Tschaikowsky "1812" von Telarc. Mit einer derartigen Aufstellung werden auch Surround-Musikstücke aufgenommen und im Studio abgehört.