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Junior Wells
Come On In This House
Junior Wells (voc, harmonica);
Corey Harris, Alvin "Youngblood" Hart,
Sonny Landreth, Bob Margolin, John Mooney, Derek Trucks (slide git); Herman Ernest III (dr), Bob Sunda (e-/ac-b), Jon Cleary (p),
Tab Benoit (git)
Aufnahme: Digital (für diese SACD up-sampled auf DSD). Von 16. bis 22. April und 29. Mai 1996 im Dockside Studio, Maurice, Louisiana, und am 31. Mai 1996 in den Soundtrack Studios, New York, USA.
Tonmeister: Michael Bishop; Tony Daigle und Jay Burton (New York Track: Jay Newland)
SACD-Masterung: Michael Bishop; Todd Brown und Mark Robertson-Tessi
Telarc / Musica SACD-63395 (Super Audio CD; Hybrid: auch als CD abspielbar)*
SACD sowohl in Stereo als auch in Multichannel abspielbar**
Faszinierend, wie gerade der erdigste und urtümlichste Jazz zu audiophilen Ehren gelangt. Blues-Platten, von denen man annehmen könnte, dass sie in einer verrauchten Tavernen-Atmosphäre, zwischen Gläserklingen und Brandy-Schwaden am echtesten sprießen, kommen bei vielen Studio-Aufnahmen mit einer Realitätsnähe aus den Anlagen, dass es eine helle Freude ist.
Das liegt einerseits an der meist kleinen Besetzung, die elektronisch leicht in Zaum zu halten ist, andererseits an einigen US-Produzenten, die sich gerade an dieser ur-amerikanischen Musikform nicht genug satt hören können. Und natürlich am Feeling, das hier aus jeder Note quillt....
Junior Wells (1934-1998) war einer der ganz Großen dieser Szene: Sänger, Komponist, Produzent und dazu begnadeter Harmonica- und Harfen-Spieler. Aus der Blues-Hochburg Memphis stammend, spielte er schon in seinen Zwanzigern in der Muddy Waters Band, und 1966 katapultierte ihn sein eigenes Album "Hoodoo Man Blues" in die erste Reihe der Chicago-Blues-Interpreten.
Er wusste um seine Publikums-Präsenz und tourte mit eigenen Bands und spielte u.a. mit Van Morrison und Tracy Chapman. Zuletzt konnte man ihn im Film "Blues Brothers 2000" (knapp vor seinem Tod gedreht) sehen.
Gerade mit dem aktuellen, legendären Telarc-Album, das bereits 1996 eingespielt wurde, griff Wells auf seine frühen, puristischen Jahre zurück, und wurde sowohl für einen Grammy wie einen C.W.Handy-Award in der Kategorie "Bestes traditionelles Blues-Album" nominiert (und erhielt den Handy Award). Die Leser des "Living Blues Magazines" wählten "Come On In This House" zur besten Blues-Neuaufnahme des Jahres 1996.
Telarc brachte die Aufnahme bereits als CD und dann auch als 5.1-dts-Abmischung in den Handel. Nun überarbeitete Tonmeister Michael Bishop die Bänder nach neuesten Rezepturen: Die PCM-Digitaldaten wurden durch einen EMM Labs DSD-Converter (spezial-getuned durch den Digital-Zauberer Ed Meitner) up-gesampled.
Aus 16 Bit wird DSD
Es ist zwar eine fürs erste schwer verständliche Theorie, wie eine 16-Bit-Aufnahme nach einer Vervielfachung der digitalen Taktrate auf etwa 96kHz oder gar auf DSD besser klingen soll, aber akustisch habe ich das bei ähnlichen DSD-Upsamplern (etwa von dcs) und den dazu passenden Wandlern immer wieder nachvollziehen können. Die Musik fließt entspannter, Töne verbinden sich besser zu Melodien, und Hall wie Raumakustik kommen weiträumiger und luftiger daher.
Was beweist, dass auch betagte Digital-Technik heute zu verbessern ist. Und gerade diese Entspanntheit und dennoch plastische Klarheit kommt aus den Nummern dieser weiter entwickelten SACD. Junior Wells steht oder sitzt leibhaftig vor uns, bläst und haucht in seine Harmonica, dass sie wie eine andere Stimme dazu singt. Dazu klingt auch das Klavier sehr echt, der Bass marschiert und die diversen Gitarristen sliden über ihre Saiten, dass die harmonischen Obertöne nur so aus den Boxen schwirren.
Die weite Dynamik-Skala dieses typischen Blues-Instruments kommt etwa in Track 6 besonders gut ins Hörbild, wo Well in "Ships On The Ocean", einem ganz klassisch einfachen Stück, bloß mit seiner Harmonica plaudert und nur von Corey Harris an der National Steel-Gitarre begleitet wird.
Insgesamt überrascht die Sensibilität aller Mitwirkenden, die genau spüren, was Timing bedeutet und diese Musik einfach ehrlich spielen - ohne aufgemotztes Brimborium.
Und so besitzen letztlich alle 14 Stücke - ob sie nun zügig dahin "driven" oder aufreizend langsam swingen - einen starken Puls, eine wunderbare Linie, die alle Freunde des Blues und jene, die sich mit ihm noch wenig auseinander gesetzt haben, süchtig machen kann.
Ludwig Flich
* SACDs sind ein audiophiles Spezial-Produkt. Deshalb geben wir immer Bestellnummer und Vertrieb an, damit Sie die SACDs bei Ihrem Händler bestellen können.
** SACDs bieten zunehmend auch Surroundsound. Die Daten-Information für 5.1 (wahlweise auch 6.0 oder 4.0) werden zusätzlich zur Stereo-Version auf die Disc gepresst. Bei Hybrid-Discs klingt im CD-Abspielmodus die Musik nur in Stereo.
Telarc setzt auf die seit 1994 von der Internationalen Telekommunikations-Union empfohlene Lautsprecher-Aufstellung: Der Hörer wird im Idealfall von fünf gleich großen Boxen im immer selben Abstand eingekreist. Die Frontboxen zu beiden Seiten des Centers stehen jeweils 30 Grad von der Hörposition auseinander, die Surroundboxen jeweils 110 Grad (Telarc sorgt für eine Skizze im Booklet).
Zusätzlich soll man zur Illusions-Verstärkung auch kleine Höhenlautsprecher einsetzen.
Unerwünscht sind bei Telarcs Musik-Discs alle DSP-Tricks von Surround-Verstärkern (wie etwa Hallen-Effekte, Stadion,...) und auch diffus abstrahlende Dipol-Boxen. Beides sei nur für Filme sinnvoll, heißt es.