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Tango
La elegia de quienes ya no so
Joan José Mosalini (bandoneon), Osvaldo Cato (p), Leonardo Sanchez und Fulvio
Paredes (g), Otto Derolez (v), György Schweigert (b), Laura Fernandez Lahera
(voc);
I Fiamminghi, Rudolf Werthen
Aufnahme: Digital/DSD. Am 25. und 26. Oktober 1998
in den Galaxy Studios, Mol, Belgien
Tonmeister: Jack Renner, assistiert von Tony Faulkner
Telarc CD-80526-SA
(Super Audio CD; Double Layer, auch in CD-Playern spielbar)*
Tango, jener melancholisch-erotische Berührungstanz, entstand
vor mehr als hundert Jahren als Musik der anrüchigsten Hafengegenden von Buenos
Aires. Die Texte waren deftig und handelten von untreuen Frauen und zerbrochenen
Träumen, von Ehre und Tod.
Astor Piazzolla (1921-1992) machte den Tango konzertfähig und verpasste ihm
seinen unverwechselbaren kantigen Kunst-Touch. Anstatt Schmalz und Schnulz entstand
eine Form von zeitgenössischer Musik, denn immerhin hatte Piazzolla in Paris
bei Nadia Boulanger studiert, die viele amerikanische Komponisten unterrichtet
hatte.
Piazzollas Musik fordert daher immer wieder Interpreten von Klassik zu Auseinandersetzungen
heraus - wie etwa den Stargeiger Gidon Kremer oder eben hier das bekannte belgische
Kammerorchester "I Fiamminghi" unter ihrem Dirigenten und Gründer
Rudolf Werthen.
Die Flamen aus Gent füllen den akustischen Rahmen für ein argentinisches Ensemble,
bei dem natürlich Bandoneon-Spieler Mosalini im Rampenlicht sitzt. Das Bandoneon
(in Österreich auch als "Knopferlharmonika" bekannt) wurde von Heinrich
Band, einem Deutschen, um 1840 nach Argentinien mitgebracht. Aus Bands Instrument
wurde bald das "Band-oneon", ähnlich dem Saxophon, das ein Monsieur
Sax erfunden hatte.
Eindrucksvolle Klangfarben
Die Aufnahme, in der neben Telarc-Gründer Renner auch der englische Digital-Spezialist
Faulkner an den Reglern saß, platziert das Tango-Quintett an die Rampe und lässt
das Orchester gut gestaffelt dahinter Platz nehmen. Die Besetzung wechselt,
doch immer sitzt Mosalini mit seinem Bandoneon im Zentrum, rechts davon etwas
dahinter das Klavier von Cato und in der Mitte Schweigerts Bass. Geige, wenn
vorgesehen, tönt von links, und die Gitarre kommt - etwa auf Track [8] Tango"
sehr schön von rechts vorne.
Zwei weitere Dinge sind bemerkenswert: Auf Track [2] "Four for Tango"
hört man die geballte Sinnlichkeit von I Fiamminghi. Die Klangfarben der tiefen
Celli und Bässe sind ebenso eindrucksvoll satt eingefangen wie die pfeifenden
Glissandi der Geigen in höchster Lage ohne Härte.
Und wer in Raumeindruck schwelgen will, legt etwa "A Homero" (Track
[7]) auf, wo zur einsamen Gitarre von Fulvio Paredes die sanfte Stimme von Laura
Fernandez Lahera so ertönt, dass man sich leicht vorstellen kann, vor ihr in
einem halbdunklen Saal zu sitzen.
Eine Disc mit Atmosphäre und ein Muss für Piazzolla-Fans ohnehin.
Ludwig Flich
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