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Satch Plays Fats

Louis Armstrong (tr, voc), Trummy Young (tromb), Barney Bigard (p), Barrett Deems (dr), Arvell Shaw (b); Velma Middleton (voc).

Aufnahme: Analog. Von 25. bis 27. April und am 3. Mai 1955 in New York, USA; als Bonus-Tracks dazu Metall-Transfers von 1929, 1930 und 1932, aufgenommen in Chicago und New York
Tonmeister: unbekannt
Produzenten: George Avakian (1955) und Tommy Rockwell (1920-32)
Re-Masterung: Mark Wilder in den Sony Music Studios, New York
Metall-Transfers: John R.T. Davies SACD-Ingenieur: Mark Wilder

Columbia/Sony Music CS 64927 (Super Audio CD; Single Layer)*

Nein, ich bin nicht verrückt geworden, knisternde Bröseltöne aus der Schellack-Ära als Superklang des 21. Jahrhunderts zu verkaufen. Abgesehen davon, dass Sony Music für den Verkauf zuständig ist, ist auch ein Lob dieser puren SACD mehr als angebracht.
Ich kenne kaum eine Aufnahme aus den 50er-Jahren die trotz Mono-Sounds Instrumente so gekonnt abbildet und das harmonische Spektrum eines Kontrabasses oder eines Klaviers, ja, und natürlich der schmetternden Trompete von Satchmo so realistisch entwickelt wie diese (und selbst Sonys bisherige antike "Legends"-SACDs mit Billie Holiday oder Satchmo wirken vergleichsweise schrill).
Doch meine Überraschung, die rasch auch die Ihre werden kann, steigerte sich noch bei den 70 (!) Jahre alten Aufnahmen, die sich von den 46jährigen so grundlegend nicht unterscheiden. Haben die Sony-Techniker da mit Filtern und Entrauschern gewütet, bis kein Rauschfähnchen mehr zu orten war? Ich glaube das gar nicht, aber die Basis ihrer Übertragungen waren eben nicht abgenudelte Schellacks, sondern die Metall-Platten, die vor der Pressung angefertigt wurden. Nahezu unzerstörbar, haben manche davon die Jahrzehnte überlebt und bieten ein erstaunlich klangreifes und vollmundiges Abbild.

Der 120-Kilo-Jazzer, der Bach liebte
Fats Waller (1904-1943) war ein genialer Pianist und Jazz-Organist mit der ewigen Zigarette zwischen den Lippen, der sich zum Frühstück schon heftig Schweinsrippchen und Gin einflößte. "Fats" machte seinem Namen alle Ehre und schleppte in seinen besten Zeiten ein Kampfgewicht von 120 Kilogramm mit sich herum.
Der zu Späßen jederzeit Aufgelegte, der Klassik liebte und Bach für den Größten hielt, schenkte der Jazz-Welt nicht nur einen swingenden Klavierstil mit einer dynamischen Linken, das "Stride Piano", sondern komponierte auch etliche Hits, wie "Ain't Misbehavin'", "Honeysuckle Rose" oder "I'm Crazy 'Bout My Baby", über die immer wieder gern improvisiert wurde.
So auch von Louis Armstrong, der schon um 1930 die Hits von Fats aufnahm.
Es spricht für den Columbia-Produzenten Avakian, dass er bei dieser SACD-Veröffentlichung als Kontrast auch diese frühen Arrangements suchen ließ und sie den 25 Jahre späteren Aufnahmen gegenüber stellte.
Die Aufnahmen vom Mai 1955, wie etwa "Squeeze Me" (Track 4) oder "Keepin' Out Of Mischief Now" stellen noch ein wenig mehr Raumhall zur Verfügung, was den Klang etwa die Stimmen von Velma und Louis wie auch des schön fetten Basses oder des Klaviers noch einschmeichelnder macht. Auch die Arbeit an den Drums und HiHats wird metall-klar. Dazu noch die nahezu rauschfreien "Alternate Takes" und dann erst die Metals: eine der erstaunlichsten Veröffentlichungen des Jahres, mit der man Freunde und Bekannte leicht verblüffen kann.

Ludwig Flich

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