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Gioachino Rossini
Ouvertüren zu
Il Viaggio a Reims, La Scala di Seta, L'Italiana in Algeri, Il Turco in Italia,
La Gazza Ladra
Daniel Auber
Fra Diavolo-Ouvertüre
Hector Berlioz
Le Carnaval Romain (Konzert-Ouvertüre)
George Szell, Cleveland Orchestra
Aufnahme: Analog. Am 2. November 1957 und am 15. März
1958; am 14. Jänner 1967, am 5. und 12. Mai 1967 - in der Severance Hall,
Cleveland, Ohio, USA
Produzent: Paul Myers
Tonmeister: ungenannt
DSD-Überspielung: Dixon Van Winkle
Sony SS 89411 (pure Super Audio
CD; nicht als CD abspielbar)
Diese brillanten Aufnahmen gelten als verehrungswürdige
Legenden, seit sie in den 60er-Jahren auf dem Epic-Label erschienen. Immerhin
hatte der gebürtige Budapester Dirigent George Szell auch mit diesen Orchester-Feuerwerken
bewiesen, welche Weltklasse-Töne dem einstigen Provinzorchester zu entlocken
waren.
Szell war ein Wunderkind, das Klavier (sogar "zweiter Mozart" genannt)
spielte und dazu komponierte, dann in Wien studierte und früh in Berlin
als Assistent von Richard Strauss dirigierte. Ab Hitlers Machtergreifung musste
er - wie auch seine Kollegen Fritz Reiner, Otto Klemperer und Bruno Walter -
seine Heimat verlassen. Szell emigrierte zuerst nach Australien, dann nach Amerika,
wo er in Cleveland ab 1946 ein neues Betätigungsfeld fand.
Szells Dirigierstil (1897-1970) hob sich wohltuend vom pathetischen Faserschmeicheln
seiner Zeit ab: Er präsentierte die großen klassisch-romantischen
Werke fließend, bewegt und ziemlich partitur-getreu. Auch bei diesen Ouvertüren
kocht Szell nicht sofort auf voller Flamme, sondern steigert die Würze
seiner Virtuosität eher listig.
Das erhöht die Spannung und den Schmunzel-Faktor dieser fünf Rossini-Ouvertüren
(erfreulicherweise mit zwei eher selten gespielten Stücken). Es gibt so
viele Details in den Solistenstimmen - etwa die witzigen, extrem kurz muhenden
Hörner in Track 5 - und einen so geölt-nahtlosen Drive bei manchen
Übergängen, dass man nur nostalgisch an diese Ära zurückdenken
kann, in der eine Schallplattenfirmen ihren Künstlern noch Aufnahmezeit
schenkte. Für ein oder zwei kurze Stücke eine tagelange Aufnahme-Sitzung
einzuplanen, wäre heute unmöglich.
Virtuose Brillanz schnittgenau optimiert
Der Klang ist sehr gut, vor allem was die Staffelung der Musiker in der Akustik
des Severance-Saals und die Plastizität der Instrumente anlangt. Die Brillanz
in den virtuosen Geigen war Markenzeichen der Plattenfirma und war schon auf
LP zu hören. Angeblich legte Szell nicht nur auf Disziplin im Orchester
Wert, sondern überwachte genau jeden Tonbandschnitt. Insofern war er ein
ideeller Vorläufer eines anderen Technik-Begeisterten: Herbert von Karajan.
Das leichte Bandrauschen wäre vielleicht durch ein Computerprogramm zu
eliminieren gewesen, aber die Vorgabe von Sony lag wohl darin, den erhaltenen
Originalklang ohne Verlust und Verfälschung auf DSD zu packen. Dafür
überrascht der geringe Unterschied zwischen der ältesten Aufnahme
- dem Römischen Karneval" - und den späteren Rossini-Ouvertüren,
die immerhin zehn Jahre später entstanden. Das spricht für die Sorgfalt
und das Können der damaligen Tontechniker, die offenbar immer wussten,
wohin sie ihre Mikrofone platzieren mussten. Eine tolle Disc.
Ludwig Flich