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The
Rare Delight of You
John Pizzarelli with The George Shearing Quintet
John Pizzarelli (g, voc), George Shearing (p), Ted Piltzecker
(vib), Reg Schwager (g), Neil Swainson (b), Dennis Mackrel (dr).
Aufnahme: Digital/DSD. Von 16. bis 18. Oktober 2001 im Avatar Recording Studio
"C", New York, USA
Tonmeister: John Renner, Robert Friedrich (auch Editor)
Telarc/Musica SACD-63546* (Super Audio CD - Stereo
und MultiChannel**; Hybrid: auch als CD abspielbar***)
Je länger die MultiChannel- oder Surround-Wellenberge
aus fünf Kanälen branden, desto interessanter werden die Streiche
der Tonmeister. Während in der klassischen Abteilung vor allem der Nachhall
des Konzertsaals dominiert, lassen sich manche Jazz- und Pop-Produzenten einiges
an von hinten kommenden Effekten einfallen.
Und das geht bereits weiter über die meiner Meinung nach lächerlichen
Experimente eines Alan Parsons hinaus, wo einst aus jeder Box ein anderes Instrument
düdelte. Der Trend orientiert sich eindeutig auf den "virtuellen Raumklang",
in dem Schall-Ereignisse sehr plastisch wahrgenommen werden.
Da muss man bei jeder Besprechung höllisch aufpassen, um nicht einem Trugbild
aufzusitzen. Ist nun Stereo die autorisierte und beste Fassung oder die Rundum-Variante?
Unlängst spielten bei Oscar Petersons die Streicher von Michel Legrand
in der MultiChannel-Fassung hinter dem Hörer, was ich ganz lustig fand
(s. Archiv). Dennoch war es letztlich musikalisch - bis auf die bislang beste
Sound-Abmischung - nicht besser.
Ganz anders hier: Diese zweite Telarc-SACD mit John Pizzarelli wirkt in ihrer
MultiChannel-Version noch um vieles realistischer und amüsanter als selbst
der erwähnte Peterson (ebenfalls Telarc), oder die DVD-Audio/SACD von Pizzarelli-Vater
Bucky (Chesky) oder die Klassik-DVD-As von Tacet, wo die Musiker rund um einen
Bach spielen.
In Stereo gibt Pizzarelli - bei SACD wie CD - keine extremen Rätsel auf:
John ist zumeist in der Mitte zu orten, der Flügel von George Shearing
links, das Vibraphon rechts, wie auch die Begleit-Gitarre und den Bass und das
Schlagzeug in der Mitte hinter John.
Schaltet man auf MultiChannel um, so weitet sich nicht nur der Raum, sondern
auch die Stimme Pizzarellis lässt mehr vom Hall hören und wirkt fokussierter;
das Klavier tritt aus seiner linken Position massiv und dreidimensional in den
Raum bis fast zur Zimmermitte, und rechts stehen plötzlich Vibraphon und
Gitarre, letztere beinahe auf Hörer-Höhe. Und es darf überrascht
werden. Plötzlich, in Track 8, tönen die Drums von rechts, und bei
Track 10 darf die Gitarre an die Position von Shearing wechseln und deutlich
von links ins Zimmer swingen.
Entspannter Doppel-Swing
Die Musik kommt relaxt, und John Pizzarelli bleibt einfach ein Könner des
sogenannten "Amerikanischen Schlager-Buchs", das alle Crooner - von
Nat King Cole bis Robbie Williams - beherrschen mussten und müssen, um
in den Sänger-Himmel aufgenommen zu werden.
Um John Pizzarelli braucht man sich da keine Sorgen zu machen: Er bringt einfach
den sicheren Swing mit, der ihn - ohne eine speziell schmeichelweiche Stimme
a la Dino Martino oder gar Frankieboy zu besitzen - durch all diese Standard
trägt. Und das in einem fast umgangssprachigen Mezzopiano.
Was viel mehr erstaunt, ist erneut die Vitalität eines dieser unverwüstlichen
Jazz-Veteranen. George Shearing, vor 82(!) Jahren blind in England auf die Welt
gekommen, verfügt nach wie vor über eine erstaunliche Pranke und hat
vor allem den Swing im kleinen Finger. Hier könnte man so manche Wette
um das Alter des Pianisten gewinnen. Shearings weit jüngere Begleiter pflegen
diesen griffigen Bar-Sound perfekt, und man kann eigentlich alle Vorbehalte
vergessen: Das ist Schönwetter-Musik mit leicht ironischen Anklängen.
Kurzum: eine Scheibe, die so entspannend wie klangschön wirkt und die man
- sofern es irgendwie geht - gerade auch in dieser tollen Surround-Abmischung
hören sollte. Ludwig Flich
PS: Die alte SACD-Weisheit teilt sich erneut beim Vergleich von SACD- und CD-Version mit. Die SACD bindet Musikverläufe besser und dynamisiert menschlicher.
* SACDs sind ein audiophiles Spezial-Produkt. Deshalb
geben wir Bestellnummer und Vertrieb an, damit Sie die SACDs rasch über
Ihren Händler erhalten können.
** SACDs bieten zunehmend auch Surroundsound/MultiChannel. Die Daten-Information
für 5.1 (wahlweise auch 6.0 oder 4.0) werden zusätzlich zur Stereo-Version
auf die Disc gepresst.
*** Bei Hybrid-Discs ermöglicht eine zweite
Datenschicht die Wiedergabe in allen herkömmlichen CD-Playern. Die Musik
tönt dann nur in Stereo.
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