Archiv
John Pizzarelli
kisses in the rain
John Pizzarelli (g, voc), Martin Pizzarelli (b), Ray Kennedy (p)
Aufnahme: Digital/DSD. Von 15. bis 17. Juni 1999 im Avatar Recording Studio "C", New York, USA
Tonmeister: Robert Friedrich
Telarc/Musica CD-83491-SA (Super Audio CD; Hybrid: auch als CD abspielbar)*
Diese Disc hat sich zum absoluten Insidertipp entwickelt. Seit einem Jahr dreht sie sich in den SACD-Playern dieser Welt, weil sie mehrere Qualitäten vermittelt: Emotion, Virtuosität und hautnahen Klang.
Angeblich wurden die beiden Pizzarelli-Brüder und ihr Klavier-Kumpan von Telarcs Altmeister Robert Woods gezwungen, im Studio möglichst dicht aneinander zu rücken, um ein extrem homogenes, dichtes Klangbild zu schaffen. Das ist zwar fürs erste gewöhnungsbedürftig, aber in kurzer Zeit merkt man, dass hier jede Künstlichkeit - falscher Hall etwa - fehlt.
Wer eine gute Akustik daheim besitzt und Volumen entwickeln kann, sollte sich diese Musik in realistischer Lautstärke anhören. Dann wirkt es so, als säßen die drei Musiker vor einem im Zimmer. Das richtige Maß gibt Johns Stimme und das Volumen seiner Gitarre vor.
Auf den Spuren von Frankieboy und Dino
John Pizzarelli gilt als "Crooner", also als melodiöser Herzensbrecher, wie es einst Frank Sinatra, Nat King Cole und Dean Martin waren.. Unter den (verhältnismäßig) Jungen bleibt das Angebot an ausdrucksstarken Sängern mit Ausstrahlung spärlich - sieht man vielleicht vom klavierspielenden Harry Connick Jr. ab.
Und eben vom Italo-Amerikaner John Pizzarelli, der sich mit seinen 41 Jahren ein gewisses bubenhaftes Äußeres durchaus gefällig bewahrt hat. In den USA und Kanada längst ein Begriff, haben einige große Tourneen und vor allem die CDs den Sohn des bekannten Gitarristen Buck Pizzarelli auch international bekannt gemacht.
Interessanter Weise ist John schon seit 20 Jahren im Jazz-Business, kennt also alle Biz-Tricks und begleitete bereits Sängerinnen wie Rosemary Clooney, Maureen McGovern und Dawn Upshaw.
Allmählich verlegte er sich auf seine eigene Karriere als Sänger. Dabei greift der begnadete Instrumentalist immer wieder zu seiner maßgeschneiderten, siebensaitigen Gitarre, dessen erschwingliches Modell die Herstellerfirma Moll bereits verkaufsträchtig nach ihm benannt hat.
Vor Jahren auch bei den highfidelen New Yorker Platten-Brüdern Chesky tätig, unterschrieb Pizzarelli nun beim audiophilen Telarc-Label.
John Pizzarelli ist nicht nur ein Crooner, sondern auch ein Scat-Virtuose: Als bester Einstieg in diese Platte gilt Track 5. Gershwins "I Got Rhythm", in dem John parallel zu seinen fingerrauchenden Gitarren-Improvisationen auch vokal hinreißend swingt. Gerade bei einer so ehrlichen Aufnahme hört man natürlich jede Feinheit in der Stimme, wobei die SACD-Version noch mehr Geschmeidigkeit in die Stimme und Entspanntheit in die Gitarrenharmonien bringt.
Eine faszinierende und zugleich extrem entspannende Disc.
Ludwig Flich
| * SACDs werden in der Startphase noch nicht in allen Läden aktiv beworben. Deshalb geben wir die Bestellnummer und den Vertrieb genau an, damit Sie die SACDs bei Ihrem Händler ggf. bestellen können. |