Archiv

Rebecca Pidgeon
"The Raven"

Rebecca Pidgeon (voc, g), Joel Diamond (p), David Finck (b), Gary Burke (perc), Anthony Coote und George Naha (g), Mitch Margold (synth), u.v.a.

Aufnahme: Digital. Am 12., 14. uns 14. Februar 1994 in den MasterSound Studios, New York, USA
Tonmeister: Bob Katz; David Merrill
Masterung: Miguel Kertsman


Chesky/Musica SACD 205 (Super Audio CD; Hybrid: auch als CD abspielbar)*

Dieser "Rabe" besaß in seiner CD-Urfassung wie auf Vinyl bald einen besonderen Ruf. Das lag sowohl am keltischen Flair und Rebeccas Stimmqualität und natürlich der direkten Aufnahme-Philosophie von Bob Katz.
Die meisten Nummern stammen von Rebecca Pidgeon, die nicht nur die Texte schrieb, sondern auch die Musik, die sich oft durch unerwartete Taktwechsel und seltsame Melodiefolgen interessant macht. Das Muster der meisten Nummern ist bald erkannt, beginnen doch ein oder zwei Instrumente (meist Gitarren rechts und links vorne), dann lässt Rebecca ihre Stimme erschallen, und ab Strophe 2 kommen immer neue Instrumente ins Spiel. Einfach, aber effektvoll.

Gelungene Raum-Choreographie

Rebecca Pidgeons Stimme kommt weich und ganz dezent hallend aus der Mitte; wenn das Timbre, sprich: die Klangfarben der HiFi-/Surround-Anlage stimmen, so steht sie auch täuschend echt hinter dem imgainären Mikrofon.
Die Raum-Choreographie ihrer Band ist gelungen: Neben und ein bisschen vor Rebecca sitzen - rechts und links - die beiden Gitarristen Anthony und George; Joel Diamonds Klavier (ein Yamaha-Flügel, der hier sehr milde klingt, und bei dem jedes Pedaltreten eingefangen wurde) steht hinter Rebecca; Gary Burke, der Percussionist, durfte sich im entfernteren Teil des Studios aufhalten, um nicht die Melodiker nieder zu klappern. Bisweilen gurren auch Streicher und ein Synthie bei der Raben-Party.
Rebecca wuchs in Schottland auf, und diese Atmosphäre hat sie in den meisten Songs verinnerlicht. Die Themen mögen zeitgemäß sein, die Musik bleibt immer der Folklore auf der Spur, verrent sich nicht in austauschbare Worldmusiken und erhebt sich manchmal ein bisschen zum Rock, bleibt aber immer melodiös.
Die Nummer, die beinahe jedes Stimmritzchen Pidgeons ausleuchtet, ist die wohl berühmteste des ganzen Albums, Rebeccas Cover-Version von "Spanish Harlem" auf Track 12, Hier finden sich zur ungeschönten Stimme und einem Kontrabass - ein sehr guter Test für Raum-Resonanzen - immer mehr Instrumente ein (Gitarren, Klavier, Perkussion, auch ein Streichquartett). Auch hier dürfen menschliche und daher lebensechte Nebengeräusche der Musiker auffallen.

Ludwig Flich

PS: Schnitt-Meister können einen Mini-Lapsus in Track 9 ("Seven Hours") entdecken. Rebecca bleibt - nach kurzen Gitarren-Sounds - im ersten Wort "It" buchstäblich die Luft weg. Hier wurden offenbar zwei Takes (Aufnahmen) im Wort zusammengefügt, aber auf das Ausschwingen der Gitarre vergessen. Auf guten Anlagen zu hören.

*SACDs werden in der Startphase noch nicht in allen Läden aktiv beworben. Deshalb geben wir die Bestellnummer und den Vertrieb genau an, damit Sie die SACDs bei Ihrem Händler ggf. bestellen können.