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Ludwig van Beethoven
Klavierkonzerte Nr. 1 und 3

Jean-Claude Pennetier (Klavier); Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo, Serge Baudo

Aufnahme: Digital/DSD. Am 23. bis 27. Juni 1998 im Salle Garnier der Oper von Monte-Carlo, Monaco. Tonmeister: René Gambini Editing/Mastering: Florence Gambini

Lyrinx/Harmonia Mundi LYR 2186 (Super Audio CD; Hybrid: auch als CD abspielbar)*

Er war immer schon ein Tüftler, dieser Monsieur Gambini, der sich nie mit üblicher Aufnahmetechnik abgeben wollte. Mit hauseigener Elektronik und nur zwei Mikrofonen bewaffnet, betrat er ausschließlich Aufnahme-Orte, die ihm akustisch geeignet schienen. Fülle des Tons und vibrierende Harmonien waren ihm ein Anliegen, und sein kleines Label Lyrinx besaß bald nicht nur in Marseille sondern bei Audiophilen in aller Welt einen guten Ruf.
Nun zählt Lyrinx zu jenen Firmen, die von Anfang die DSD-Aufnahmetechnik schätzten und damit mehrere Discs produzierten. So auch diese, die interessanter Weise in zwei Techniken aufgenommen wurde: "klassisch" mit PCM zu 96 kHz und 24 Bit und eben in DSD. Die Klangausbeute der CD-Schicht (wie der parallel erhältlichen CD) wurde von der DSD-Aufnahme übernommen.
Renè Gambini leistete sich noch eine Spezialität: Er verwendete erstmals die VM1-Röhrenmikrofone der deutschen Firma Dirk Brauner. Und, wie es sich anhört, wiederum nur zwei davon.
Diese Aufnahme ist kritisch. Sie bildet den Steinway-Flügel mit Brillanz und sonorer Qualität bis zu den tiefen Tönen ab, aber infolge der Saal-Akustik, die wenig Nachhall aufweist, hört man auch unglaubliche Details, die weit entfernt stattfanden und bei der Aufnahme wohl unbemerkt blieben (oder bemerkt und wegen des guten Musikflusses nicht wiederholt wurden).
Da scheppert es etwa ganz leise im Hintergrund im ersten Satz (Track 1) bei 9:40 oder wird der Verkehr vor der Oper zwischen den Kadenz-Tönen als minimales aber sehr realistisches Rumpeln wahrgenommen. Und so geht es weiter, und Feinspitze werden immer wieder kleine menschliche und instrumentale Bewegungen feststellen, die einen gewissen Live-Charakter beisteuern.

Der Steinway ist das akustische Ereignis
Jean-Claude Pennetier ist ein junger französischer Pianist mit internationalen Auszeichnungen, der Beethoven durchaus angemessen und vor allem in allen Kadenzen sehr überzeugend und virtuos darbietet. Sein vollmundiger und gar nicht aggressiver Steinway ist wohl das akustische Ereignis dieser SACD/CD, und es gibt insgesamt wenig Aufnahmen, die einen so natürlichen Klavierklang bieten.
Die Philharmoniker von Monte-Carlo spielen nun nicht gerade sprühend-überbordend, und Serge Baudo hat die Tempi auf der traditionellen, sicheren Seite angesiedelt. Die Aufnahme vermittelt eine Perspektive, die man etwa in den vordersten Reihen eines Konzerts erlebt: Das Klavier steht gewaltig im Zentrum, dahinter sitzt das Orchester eher dicht gedrängt, wobei man die einzelnen Streichergruppen eher in ihrer Fülle bemerkt, und nur die Solisten, wie etwa die Holzbläser und Pauken, genauer auf sich aufmerksam machen. Die weite Dynamik lotet alle DSD-Möglichkeiten bis zum Anschlag aus - etwa vor Kadenzen.
Noch ein Satz zu den Mikrofonen: Der Frequenzgang reicht bis in 22-kHz-Region, was soviel besagt, dass DSD hier nicht Fledermaus-Oberwellen einfangen muss, wie oft fälschlich vermittelt wird, sondern zur vielfach verfeinerten Abbildung des Hörspektrums herangezogen wird.

Ludwig Flich

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