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Oscar Peterson
Trail of Dreams
Oscar Peterson (p), Ulf Wakenius (g), Niels Henning-Orsted Pedersen (b), Martin Drew (dr); Michel Legrand (Arrangeur & Dirigent), The Michel Legrand Strings.

Aufnahme: Digital/DSD. Von 12. bis 13. April 2000 in den Manta Eastern Studios, Studio A, Toronto, Kanada.
Tonmeister: Jack Renner (Stereo-Version), Michael Bishop (MultiChannel)
SACD-Masterung: Robert Friedrich, Michael Bishop

Telarc/Musica SACD-63500 (Super Audio CD; Hybrid: auch als CD abspielbar)*
SACD sowohl in Stereo als auch in Multichannel abspielbar**

Mit dem Streicher-Swing ist es so eine Sache. 20 Grappellis gibt es in keiner Streicher-Formation (im vielen Fall oft nur einen halben), und so bleibt das Bemühen, sich lässig vorwärts zu swingen, oft ein ebensolches. Mantovani und seine 100 goldenen Streicher lassen dann grüßen.
Was hat Oscar Peterson damit zu tun? Nun, das kanadische Urgestein des Jazz-Pianos wollte seiner Heimat zum Millennium ein besonderes Geschenk machen; er komponierte einen Zyklus von 12 Kompositionen - nicht ganz ins Blitzblaue, sondern nach abgesicherten Auftrag von "MusicCanadaMusique". Das einigende Band sind "traumhafte" Impressionen aus Kanada, die von einem Morgen an der Ostküste Neufundlands bis zum Okanagan-Tal in British Columbia reichen.
1964 hatte Peterson bereits eine "Canadiana"-Suite komponiert, aus der "Wheatland" and "Hogtown Blues" immer zu meinen Favorits zählten, weil ich sie nach der CD mehrmals am Klavier nachspielen wollte (davon gibt es gottseidank keine Aufnahme).
Petersons aktueller "Traumpfad" ist weniger virtuos, was man dem Star-Pianisten nicht verdenken kann: Immerhin wird auch ein Peterson nicht jünger, und dazu hat sich sein bulliger, tausendstel-sekundenschneller Anschlag durch seinen Schlaganfall vor ein paar Jahren auch verändert, ist ökonomischer und "rechts(hand)lastig" geworden.
Was immer noch soviel heißt, dass seine geniale Selbstverständlichkeit zu den tröstlichen Erfahrungen dieser noch lebenden Star-Generation gehört.
Die witzigsten Stücke des insgesamt schön harmonisierten und gut swingenden und zudem von den drei Kollegen mit Groove betreuten Zyklus - sowohl Pedersen wie Drew schieben ganz schön an - sind für mich "Dancetron", eine keltisch angehauchte Tanznummer (Track 4), wie auch "The French Fiddler", der in dieselbe Crossover-Kerbe schlägt wie die Stücke des neuen Fiddler-Kings Edgar Meyer (Track 9).

Plötzlich kommen die Geigen - von hinten
Die Aufnahme, zu der sich für die Stereo-Version sogar Telarc-Gründer Jack Renner hinter die Regler setzte, entspricht den besten DSD-Erfahrungen: Oscar Petersons Klavier steht voluminös und fett im Raum und lässt doch den typisch japanischen Yamaha-Glitzer in den Höhen erkennen, dazu plonkt rechts die E-Gitarre von Ulf Wakenius und hinten der markige Pedersen-Bass; die Streicher scheinen dahinter in den Raum gesetzt und verfügen über das bekannt seidige Profil, das SACDs so zum kulinarischen Genussmittel macht. Was hier freilich auch dem weit hinten platzierten Schlagzeug den metallisch-aggressiven Touch nimmt.
Schaltet man den SACD-Player auf MultiChannel, dann bekommt die beigelegte Skizze von der Mikrofon-Aufstellung im Studio eine völlig neue Bedeutung: Plötzlich kommen die Geigen - von hinten.
Das klingt dennoch nicht nach Verlegenheits-Lösung, um dem Vorwurf zu entgehen, es enthielten die meisten MultiChannel-Aufnahmen - wie auch die Surround-Abmischungen von DVDs - ohnehin nur Raum-Nachhall. Hier dagegen nimmt man die gesteigerte Plastizität des Quartetts besonders gut wahr und empfindet auch die ohnehin diskret auftretenden Streicher von Meister Legrand als gar nicht störend, sondern als interessanten Klangreiz.
Und das erlebte ich sogar in der klanglich auf Gegensatz der Klanggruppen ausgelegten MultiChannel-Version stärker als im zusammengefügten Stereo-Format (was natürlich auch für die CD-Abmischung gilt).
Somit entstand hier eine altersweise und zugleich fröhliche Begegnung mit dem Komponisten Peterson, der als Pianist in vielen Details immer noch jenen Drive mitbringt, für den ihn Generationen von Jazz-Fans liebten. Und der sich auch, wie nur wenige, noch Zeit für schöne und berührende Harmonien nehmen kann, wie in der schlussendlichen Hymne auf ein Neues Land (Track 12).
Eine ganz tolle Vorführ-Platte, gerade im MultiChannel-Format, dessen bewusste Surround-Wirkung sich jedem Zuhörer sofort erschließt.
Ludwig Flich

* SACDs sind ein audiophiles Spezial-Produkt. Deshalb geben wir immer Bestellnummer und Vertrieb an, damit Sie die SACDs bei Ihrem Händler bestellen können.

** SACDs bieten zunehmend auch Surroundsound/MultiChannel. Die Daten-Information für 5.1 (wahlweise auch 6.0 oder 4.0) werden zusätzlich zur Stereo-Version auf die Disc gepresst. Bei Hybrid-Discs klingt im CD-Abspielmodus die Musik nur in Stereo.

Telarc setzt auf die seit 1994 von der Internationalen Telekommunikations-Union empfohlene Lautsprecher-Aufstellung: Der Hörer wird im Idealfall von fünf gleich großen Boxen (klassische Direkt-Strahler und keine Heimkino-Dipole, wie etwa bei THX) im immer selben Abstand eingekreist. Die Frontboxen zu beiden Seiten des Centers stehen jeweils 30 Grad von der Hörposition auseinander, die Surroundboxen jeweils 110 Grad (Telarc sorgt für eine Skizze im Booklet).
Zusätzlich soll man zur Illusions-Verstärkung auch kleine Höhenlautsprecher einsetzen.
Unerwünscht sind bei Telarcs Musik-Discs alle DSP-Tricks von Surround-Verstärkern (wie etwa Hallen-Effekte, Stadion,...) und auch diffus abstrahlende Dipol-Boxen. Beides ist nur für Filme sinnvoll, heißt es.

 

 

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