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Wolfgang Amadé Mozart
Sinfonia Concertante für Violine, Viola und Orchester in Es-Dur, KV 364
Konzert für Violine, Klavier und Orchester in D-Dur (arr. Wilby; KV Anh.
56)
Midori (Violine), Nobuko Imai (Viola), Christoph Eschenbach
(Klavier und Dirigent), NDR- Symphonieorchester
Aufnahme: Digital/DSD. Am 28. September und 2. Oktober 2000 im NDR Studio 10,
Rolf Liebermann Haus, Hamburg, Deutschland.
Tonmeister: Richard King, Johannes Kutzner/NDR und Leendert van Zanten (DSD)
DSD-Editing: Robert Wolf
Sony SS 89488 (Super Audio CD; Single Layer; jedoch auch MultiChannel/Surround)* SACD sowohl in Stereo als auch in Multichannel abspielbar** Programm-idente CD: Sony SK 89488
Sony Music zeichnete sich immer schon durch einen etwas anderen
Zugang zur SACD aus. Wo alle Firmen auf Neuaufnahmen setzten, holten die Japaner
zuerst ihre historischen Schätze aus den Archiv. Wo alle anderen auf Hybrid-Channel
setzten, gab es hier nur reine SACDs ohne CD-Kompatibilität.
Bei dieser Aufnahmen verhält es sich wenigstens ein bisschen anders: Erstens
ist es eine ganz neue Einspielung vom letzten Jahr, und zweitens ist sie sowohl
in Stereo als auch MultiChannel anhörbar. CD-kompatibel ist sie - im Gegensatz
etwa zu Telarc - nicht.
Während die Sinfonia Concertante zum ständigen Konzert-Repertoire
gehört, ist das Doppelkonzert eine Nachdichtung von Philip Wilby. Dieser
ging davon aus, dass eine Violinsonate in D-Dur eigentlich ein geplantes Doppelkonzert
war. So vervollständigte er die 120 Takte des erhaltenen Konzert-Fragments
und orchestrierte den zweiten und dritten Satz der Violinsonate. Ein neues Konzert
war entstanden.
Ob die Kriminalarbeit Wilbys den Tatsachen entspricht, werden wir mangels Anwesenheit
von Mozart nicht klären können. Aus heutiger Sicht scheinen die nachorchestrierten
Sonatensätze mit dem ergänzten Konzert durchaus zu harmonieren, aber
vielleicht würde Amadé selbst auch protestieren.
Mehr Klangfülle durch Nachhall
Gerade diese brandneue SACD eignet sich perfekt als Lernhilfe für gutes
Hören. Zunächst haben die Techniker etwas gemacht, was heute ganz
und gäbe wurde: nämlich das Orchester in Nachhall gebadet. Das erhöht
zwar Klangschönheit und Fülle, vermindert aber die Präsenz der
Musiker; dazu passt diese Diskretion auch zum Musikstil selbst nur bedingt,
da die Konzertsäle im Rokoko viel kleiner waren, und Musik trockener und
direkter klang als jetzt im NDR-Studio in Hamburg.
Interessanter Weise sind das aber genau die Punkte, wo die Stärkern der
SACD gegenüber der CD hörbar werden. Während uns die wohlklingende
CD-Version nette Musik eher aus der Ferne liefert, vermittelt uns die SACD etwa
bei den Holzbläsern trotzdem das Gefühl besserer Greifbarkeit und
Unmittelbarkeit.
Die beiden Solistinnen befinden sich - ungeachtet ihrer fernöstlichen Herkunft
- seit Jahren mit der westlichen Musiktradition im schönsten Einklang,
und wenn das einstige Wunderkind Midori in die Saiten ihrer Guarneri-del-Gesu-Geige
greift, dann klingt das ebenso berückend wie die sonore Tiefe der Andrea-Guarneri-Bratsche
von Nabuko Imai. Mozart mag romantischer klingen (2. Satz, Concertante) als
von Originalklang-Künstlern üblich, aber das Feeling und der satte
Sound können sich hören lassen.
Die Solisten stehen quasi an der Rampe des Konzert-Podiums (auf Lautsprecher-Nähe),
während sich die Orchestermusiker weit in den Hintergrund verteilen. Eschenbachs
Steinway wirkt wohltönend und sauber, was noch einmal bedauern lässt,
dass das Orchester nur zum Klanghintergrund abkommandiert wurde.
Da die MultiChannel-Version mit fünf Boxen noch mehr Plastizität vermittelt,
steigt auch der Wert dieser SACD stark an. Der noch kleine Katalog von MultiChannel-Discs
wird mit diesem Doppel-Mozart respektabel erweitert.
Ludwig Flich
| * SACDs werden in der Startphase noch nicht in allen Läden aktiv
beworben. Deshalb geben wir die Bestellnummer und den Vertrieb genau an,
damit Sie die SACDs bei Ihrem Händler ggf. bestellen können. ** Das SACD-Format bietet auch eine Erweiterung in Richtung Surroundsound. Die Daten-Information für 5.1 wird zusätzlich zur Stereo-Version auf die SACD gepresst. Sony Music bietet nun auch SACD-Multichannel an. Die SACD-Norm setzt - anders als etwa DVD-A - auf eine einheitliche Abspielnorm, nämlich auf die von Filmen vertraute 5.1-Anordnung: vorne drei Lautsprecher (L-Front, Center, R-Front), hinten zwei (L-Rear und R-Rear), und dazu, falls notwendig, ein Subwoofer. Alle stehen gleich weit vom Hörer entfernt - siehe Abbildung im "Praxis-Archiv" unter: Tschaikowsky "1812" von Telarc. Mit einer derartigen Aufstellung werden auch Surround-Musikstücke aufgenommen und im Studio abgehört. |