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Gustav Mahler
Symphonie Nr. 5

Benjamin Zander, Philharmonia Orchestra

Aufnahme: Digital/DSD. Am 7. bis 10. August 2000 im Watford Colosseum, Watford, England Tonmeister: Jack Renner
Editoren: Thomas C. Moore (Stereo), Matthijs Ruijter (Surround)
Masterung: Michael Bishop und Robert Friedrich

Telarc/Musica 2SACD-60569 (Super Audio CD; Hybrid: auch als CD abspielbar)*
SACD sowohl in Stereo als auch in MultiChannel abspielbar**
Mit Bonus-CD: Benjamin Zander erklärt mit Musik-Beispielen Mahlers "Fünfte"


Mahlers "Fünfte" ist nicht irgendeine Symphonie. Zuerst enthält sie ein Thema gleich am Beginn, das eine ähnliche Signalwirkung hat wie Ludwig van Beethovens Gleichzahlige; sodann wurde das "Adagietto", der vierte Satz und Mahlers Liebes-Erklärung an seine Alma, seit Viscontis Kultfilm "Tod in Venedig" zur Schmeichelkulisse vieler "Kuschel-Romantik"-Sampler.
An der Fünften ist vieles ungewöhnlich: etwa, dass sie in drei Teile mit insgesamt fünf Sätzen besitzt, dass sie einen Trauermarsch am Beginn und den wilden Satz an zweiter Stelle hat, dass sie brutal hämmern und zugleich zärtlich singen kann.
Kurzum: ein Werk der extremen Kontraste, das Dirigenten immer wieder heraus gefordert hat. Und es forderte auch die Tontechniker, weil diese Dynamiksprünge kaum in einer Schallplattenrille verzerrungsfrei unterzubringen waren.
Erst die Digital-Technik emanzipierte Mahlers Visionen. Es gibt einige Standard-Versionen, ohne die jede Mahler-Sammlung arm ist. So sorgte Denon mit ihrer (bloß mit zwei Mikrofonen erstellten!) Aufnahme mit Eliahu Inbal und dem Frankfurter RSO für Furore, dann folgte u.a. der immer sehr persönliche Leonard Bernstein mit den Wiener Philharmonikern (DG) und letztlich Riccardo Chailly mit dem Concertgebouw (Decca).
Sucht man eine gelungene, analoge Stereo-Version, so ist man wohl mit Sir Georg Soltis Einspielung aus Chicago aus den 60er-Jahren am sichersten aufgehoben.

An Englishman in Boston
Der in die Vereinigten Staaten ausgewanderte Engländer Benjamin Zander wurde durch seine Konzertserie mit dem Philharmonia Orchestra im Jahre 1995 bekannt, wo er mehrere Mahler-Symphonien dirigierte.
Telarc kontaktierte den bis dahin vor allem in Boston/USA bekannten Außenseiters, der neben seinen Konzerten mit den Bostoner Philharmonikern (nicht zu verwechseln mit den bekannteren Symphonie-Orchester) sonst mit Jugendorchestern tourt und seine Konzerte mit Einführungs-Vorträgen zu beginnen pflegt. So entstanden in den letzten Jahren drei Mahler- und zwei Beethoven-Symphonien.
Zander setzte sich offenbar mit Mahler lange auseinander, und liefert deshalb eine fundierte Lesart, die sich vor weit bekannteren nicht verstecken muss.
Im Gegenteil. Die Proportionen, die Tempi und die Steigerungen sind durchdacht gewählt, und der Klang des Orchesters - sei es das Blech oder einfach der sichere Streicherklang - verkörpert eben beste europäische Tradition, in der Mahler seit mehr als 60 Jahren einen Fixplatz im Konzert-Repertoire einnimmt.
Die Aufnahme in dem oft für seine gute Akustik gelobten Watford-Colosseum zeichnet extrem fein und lässt Feinheiten hören, die gute Mahler-Aufnahmen eben so spannend machen. Das Zusammentreffen von verschiedenen Farben, Dynamik-Abstufungen und plastischer Instrumenten-Abbildung macht diese SACD zur perfekten Werbung für MultiChannel wie für Stereo. Und selbst der CD-Downmix muss sich auf guten Playern nicht verstecken, weil er den Geigern den Glanz und der Aufnahme weitgehend jene Räumlichkeit bewahrt, welche sie im SACD-Format ausspielen.

Ludwig Flich

 

* SACDs werden in der Startphase noch nicht in allen Läden beworben und verkauft. Deshalb geben wir die Bestellnummer und den Vertrieb an, damit Sie nicht vorrätige SACDs bei Ihrem Händler bestellen können.

** Das SACD-Format bietet auch eine Erweiterungs-Möglichkeit in Richtung Surroundsound. Die Daten-Information für 5.1 oder wahlweise 6.0 wird zusätzlich zur Stereo-Version auf die SACD gepresst. Im CD-Abspielmodus ist nur die Stereo-Version vorhanden.

Telarc bietet als eines der ersten Unternehmen auch SACD-Multichannel an. Die SACD-Norm setzt - anders als etwa DVD-A - auf eine einheitliche Abspielnorm, nämlich auf die von Filmen vertraute 5.1-Anordnung: vorne drei Lautsprecher (L-Front, Center, R-Front), hinten zwei (L-Rear und R-Rear), und dazu, falls notwendig, ein Subwoofer. Alle stehen gleich weit vom Hörer entfernt. Mit einer derartigen Aufstellung wurden auch die Surround-Musikstücke dieser SACD aufgenommen und im Studio abgehört.

Telarc ist der Überzeugung, dass Film-Surround und Musik-Surround zwei total verschiedene Dinge sind: Vor allem der Subwoofer sollte als musikalische Erweiterung verstanden werden; LFE, das in vielen Surround-Receivern einstellbare Subwoofer-Management, sollte bei Telarc-SACDs de-aktiviert werden.