ARCHIV
Jacintha
lush life
Jacintha (voc); Bill Cunliffe (p, streicher-arr.), Darek Oles (b), Joe LaBarbera (dr), Dmitri Matheny (flugelhorn), Anthony Wilson (g), Frankie Marocco (accord); Peter Kent, Norm Hughes, John Wittenberg, Gina Kronstadt, Eddie Stein, Susan Chatman (v), Virginia Frazier, Marium Mayer, Reneta Koven (va), Rudi Stein, Peggy Baldwin (vc), Amy Shulman (harfe).
Aufnahme: Digital/DSD. Vom 24. bis 25. August 2001
im OceanWay Recording, Hollywood, USA.
Tonmeister: Michael C. Ross; Darrell Thorp
SACD-Masterung: David Glasser
Groove Note/styria-hifi-top-edition GRV 1011-3*
(Super Audio CD in Stereo und MultiChannel**; Hybrid-SACD: auch in CD-Playern in Stereo abspielbar***)
Jacintha besitzt bereits das Image, eine Königin audiophiler
Schlafzimmer geworden zu sein. Ihre sanfte und zugleich klare Stimme sorgt für
jene hintergründig-einschmeichelnde Barmusik, bei der Männer und Frauen
schwach werden, und doch versetzt diese zierliche Dame aus Singapur keine erotischen
Adrealin-Stöße, welche Geschlechtsgenossinen eifersüchtig machen
könnten.
Daher wirkten alle ihre bisherigen LPs und CDs wie Brisen, die auch in der leidenschaftlichsten
Hitze für sanfte Kühlung sorgen. Durchwegs unbestritten war der Klang-Aspekt,
der ihre CDs zum begehrten Kult- und Demo-Objekt vieler HiFi-Shows machte.
Das gilt gerade auch für diese SACD, die wohl zum Kulinarischsten gehört,
das aus meinem Player säuselte. Erstens hat sich Jacintha diesmal bewährten
Standards verschrieben, wie etwa Summertime, Manha de Carnaval, The Shadow of
Your Smile oder September Song, und zweitens zeichnet Blues-Veteran Joe Harley
für die Produktion verantwortlich.
Das merkt man. Harley, einst Chef-Dramaturg bei audioquest und Entdecker vieler
weltbekannter Blues-Größen, dann in derselben Funktion bei Telarc,
wurde nun von Groove Note-Boss Ying Tan für viele neue Projekte eingesetzt.
Der Analog-Fanatiker akzeptierte nur DSD
Wie bei vielen Groove Notes setzte der unerbittliche Analog-Fanatiker Tan auch
auf die analoge Speicherung: Bei "lush life" liefen demzufolge ein
analoges Tonband mit 38cm/sek und das DSD-Equipment parallel. Das DSD-Masterband,
so fanden dann Tan und Harley übereinstimmend, war klanglich der Analogversion
so ähnlich, dass sie die Masterung von der Digital-Quelle durchführten.
Der Supersound kommt der eigenwilligen Interpretation Jacinthas mehr als entgegen.
Manchmal liebt sie es geradezu, diese Songs, die längst zum American Songbook
gehören - und etwa von Ella bis k.d. lang in allen erdenklichen (und unübertrefflichen)
Versionen abgehandelt wurden -, wie ein Gummiband zu dehnen.
"Laaaangsaam" heißt mitunter die Devise, und doch schwingen
Jacinthas Vokale so geschickt aus, hält sie die Spannung aufrecht, dass
sich kein ungebührliches Schlafbedürfnis einstellt. Und dann kommen
die Begleiter ins Spiel: Darunter immerhin der geniale Anthony Wilson, der unlängst
Diana Krall in Paris (siehe Archiv) seine Gitarrenhand reichte, oder das "echte"
und nicht synthetische Streicher-Ensemble, das seine milden Gaben hintergründig
über die gesamte Soundstage verteilt.
Das Beste für mich ist aber das Trio mit Bill Cunliffe am Klavier, Darek
Oles am Bass und Joe LaBarbera an den Drums. Sowohl musikalisch, weil sie mit
einem seltenen Fingerspitzen-Gefühl die Töne und Pausen mit Leben
erfüllen, und weil der Technik hier eine Präsenz gelang, die selbst
auf guten Jazz-CDs selten ist.
Das Klavier etwa klingt nicht bloß brillant-jazzig oder milde-klassisch,
sondern besitzt genau diese groovende Kernigkeit, die beide Qualitäten
vereint; desgleichen das Schlagzeug, das seine Beckenschläge wie Sternennebel
über die Szene streut.
Das ist für mich Jacinthas bisher bestes Album. Wer sie schon kennt, wird
sich über den musikalischen Gewinn freuen, wer sie jetzt erst entdeckt
hat, sollte den Versuch wagen. Allein wegen des audiophilen Klangbads ist diese
Scheibe ihren Preis wert (wobei die Feinheiten in der SACD-Version einfach noch
weiträumiger und entspannter aus den Lautsprechern schweben). Ludwig Flich
* SACDs sind ein audiophiles Spezial-Produkt. Deshalb geben
wir Bestellnummer und Vertrieb an, damit Sie die SACDs bei
Ihrem Händler bestellen können.
** SACDs bieten zunehmend auch Surroundsound. Die
Daten-Information für 5.1 (wahlweise auch 6.0 oder 4.0)
werden zusätzlich zur Stereo-Version auf die Disc gepresst.
*** Bei Hybrid-Discs ermöglicht eine zweite
Datenschicht die Wiedergabe in allen herkömmlichen CD-Playern. Die Musik
tönt
dann nur in Stereo.