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Charles Mingus
Ah Um
John Handy (a-sax, cl),
Shafi Hadi (a-sax, t-sax),
Booker Ervin (t-sax),
Willie Dennis, Jimmy Knepper (pos), Horace Parlan (p),
Dannie Richmond (dr),
Charles Mingus (b)
Aufnahme: Analog. Am 5. und 12. Mai 1959 im 30th Street
Studio,
New York, USA
Tonmeister: Ray Moore, Fred Plaut
Produzent: Teo Macero
Sony CS 65512 (Single Layer
Disc: nur in SACD-Playern abspielbar)
Unglaublich, was diese mehr als 40 Jahre alten Bänder
noch an Impulsen und Klang-Feinheiten draufhaben. Für die Überspielung
der Masterbänder wurde gar eine "Three-Track Presto" eine historische
Röhrentonband-Maschine entmottet, welche die originalen Dreispur-Aufnahmen
an den DSD-Wandler weiter leitete.
Wie die besten Sounds dieser Zeit besitzt auch "Ah Um" eine Unmittelbarkeit
mit diesen direkt vor einem stehenden (laut Foto eigentlich auf Barhockern sitzenden)
Bläsern, die ihre Schallkegel auf die direkt vor ihnen befindlichen Mikrofon-Galgen
richteten.
Da passt, leichtes Rauschen hin oder her, das Timbre der Alt-Saxophone und der
Posaune, und auch die Beckenschläge der etwas entfernter aufgestellten
Drums zischen einfach richtig; wenn der Mingus-Kontrabass von manchen seiner
Fans als zu leise empfunden wurde (witzig sein Einsteig ab 1:00 in Tr.9 / "Jelly
Roll"), so bilden gerade seine Figuren, gemeinsam mit Klavier und Drums,
einen immer elastisch swingenden Untergrund.
Es ist erstaunlich, dass es die meisten dieser12 Tracks nur in editierter, also
bearbeiteter Form gab - wahrscheinlich, um LP-Zeit zu sparen. Hier nun sind
alle Stücke ungekürzt, mit all ihren Improvisationen und in verbesserter
Abmischung, zu hören. Auch die Spielzeit macht Freude: Anstatt audiophiler
LP-Länge gibt es satte 73 Minuten Musik.
.
Meilenstein
des Jazz
"Ah Um" gilt nicht umsonst als Meilenstein des Jazz, der in keiner
Sammlung fehlen sollte. Der so geniale wie unberechenbare Charles Mingus (1922-1979)
rüst-ete seine Kollegen mit seinen eigenen Kompo-sitionen aus, und ihr
Zusammenspiel reflekt-iert jenes starke Selbst-bewusstsein, den der US-Jazz
Ende der 50er-
Jahre ausstrahlte. Das ist relaxte und auch witzige Musik, die zwar auf einem
formalen Konzept beruht und doch immer spontan wirkt. Das heißt: "Modern
Jazz" ist King, und doch müssen sich die Gehörnerven noch nicht
an "Free" reiben.
Mingus, der vergnüglich auch in die Vergangenheit des Jazz abdriften konnte,
baute hier mehrere Erinnerungen ein: so an den Pianisten-Komponisten Jelly Roll
Morton, den Saxophonisten Lester Young im wunderbar strahlenden und weich singenden
"Goodbye Pork Pie Hat" und an sein großes Idol Duke Ellington
im "Open Letter to Duke".
Diese Musik atmet und pulsiert, und dank der wirklich gelungenen Überspielung
- Röhren-Atmosphäre ist da sicherlich dabei - fühlt man sich
bald in das berühmte New Yorker Studio in der 30. Straße versetzt,
wo den Zuhörer der leicht angehallte Instrumenten-Schall auch bei höchsten
Alt-Saxophon-Töne sinnlich einhüllt. Ein wertvolles Album, dazu mit
guten Liner-Notes (nur englisch) und Fotos von den Aufnahme-Sitzungen
.
Ludwig Flich