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Luigi Boccherini
Stabat Mater
Emanuele d'Astorga
Stabat Mater


Susan Gritton und Sarah Fox (Sopran), Susan Bickley (Mezzosopran), Paul Agnew (Tenor), Peter Harvey (Bass) ; The King's Consort and Choir ; Robert King

Aufnahme: Digital/DSD. Von 22. bis 24. Februar 1999 in der Kirche St. Jude-on-the-Hill; Hampstead Garden, London, UK.
Tonmeister: Philip Hobbs

Hyperion/Koch SACD A67108 (Super Audio CD; Hybrid: auch als CD abspielbar)*

In diesen Tagen tut man sich nicht leicht, etwa Lustiges oder Unbeschwertes in den Player zu legen, und Filme mit Katastrophen-Inhalt bleiben hoffentlich für lange Zeit am Ende aller Charts liegen. Dennoch kann passende Musik, wie keine andere Kunst, die Seele trösten.
Beide Klassik-Werke, die ich in dieser Woche aus gegebenem Anlass vorstelle, wollen Leid - hier vermittelt durch Passions-Szenen unter dem Kreuz Christi ("Sieben Schmerzen Mariens") - durch Mitgefühl lindern.
Luigi Boccherini (1740-1804), einer der frühen "freien" Komponisten, schuf diese für ihn ungewöhnliche Vokal-Komposition. Der Instrumentalist, der sonst vor allem durch Streichquintette und Konzerte in Erinnerung blieb, schuf hier ein ideenreiches und harmonisch wohl tuendes Werk, das in seiner Schlichtheit selbst neben der berühmtesten Vertonung von Pergolesi (etwa 170 Jahre früher) bestehen kann.
Der Newcomer ist hier der mysteriöse Spanier Emanuele d'Astorga (1680-1757), der nach einem abenteuerlichen Leben in Rom, Barcelona und Sizilien in Lissabon oder in London oder in Böhmen landete....Seine melodiösen Kammerkantaten waren weithin bekannt, und gerade sein "Stabat Mater" wurde in Verbindung mit seinem romantischen Leben sogar noch im 19. Jahrhundert aufgeführt. Das genaue Entstehungsdatum ist unbekannt, doch scheint es vor dem Werk Pergolesis komponiert worden zu sein.
Auch d'Astorga liebt die südländisch-sanfte Melancholie der Klage, die Lieblichkeit, die selbst dem Tod noch etwas Einschmeichelndes verleiht.

Sorgsame Trostspender
Beide Werke malen keine bombastischen Schreckens-Szenen mit Pauken und Trompeten, sondern versuchen eher ganz sorgsam - ein paar Streicher und Orgel untermalen die Sänger - Trost zu spenden.
Wie bei der englischen Firma Hyperion üblich, die seit Jahren ausgefallene Meisterwerke für CD wieder entdeckt, ist die künstlerische Ausführung durch Robert King, sein Consort und seinen Chor, untadelig und stilvoll.
Und auch die echte DSD-Aufnahme fängt genau die richtige Kirchenstimmung ein, so als säße man direkt vor dem Altar. Die drei Solisten bei Boccherini, die zwei bei d'Astorga, dazu die Streicher und Orgel, klingen eher unmittelbar, nahe, präsent, während der zusätzliche Chor bei d'Astorga weiter von hinten ertönt.

Das spezielle SACD-Feeling stellt sich einerseits beim vibrierenden Klang der alten Geigen ein, andererseits bei den Schallwellen, die rund um den Chor auch von der Seite zu fluten scheinen. So eine knisternde Sinnlichkeit und Räumlichkeit schaffen nur wenige CDs.
Das ist Musik, die beruhigt und besänftigt, und daher durchaus auch zur Seelen-Beruhigung empfohlen werden kann.


Ludwig Flich

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