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Hector Berlioz

Symphonie Fantastique
Romeo et Juliette: Liebes-Szene

Paavo Järvi,
Cincinnati Symphony Orchestra

Arr. Rimsky-Korsakow:
Eine Nacht auf dem kahlen Berge

Aufnahme: Digital/DSD. Von 8. bis 10. Oktober 2000 in der Music Hall, Cincinnati, USA.
Tonmeister: Jack Renner; James Yates, Andrew Mendelson, David Ripp
Editing; Thomas C. Moore, Mark Robertson-Tessi
Surround Masterung: Michael Bishop

Telarc/Musica CD-60578 (Super Audio CD; Hybrid: auch als CD abspielbar)*
SACD sowohl in Stereo als auch in Multichannel abspielbar**

Die "Fantastische Symphonie" von Berlioz (1803-1869) ist wirklich kein auf CD unter repräsentiertes Werk. An die 50 Aufnahmen wird man im Katalog finden, und doch bietet dieses, in seiner Entstehungszeit (1830) und lang danach umstürzlerische Werk genug Möglichkeiten, um als Dirigent zu siegen oder zu scheitern.
Diese SACD zählt - überraschender Weise - zu den Gewinnern. Denn die Symphoniker aus Cincinnati galten bisher zwar als technisch integres Orchester; doch begeisterten ihre Aufnahmen vor allem durch den Telarc-Klang und weniger durch wirklich sensationelle Interpretationen.
Hier verhält es sich anders. Der neue Orchester-Chef stammt aus Estland und ist einer der Söhne des bekannten Dirigenten Neeme Järvi (ein DG-Künstler, der viele seiner CDs im schwedischen Göteborg aufnahm).
Der 37jährige Paavo, der u.a. bei Leonard Bernstein studierte und sich bisher vor allem durch die Vermittlung zeitgenössischer Musik - etwa seines Landsmanns Arvo Pärt - einen Namen machte, hat das Zeug, ein Großer zu werden. Das Orchester spielt jedenfalls wie verwandelt, und was die Geiger an Schmelz hinlegen, die Holzbläser nuanciert erwidern, und das massive Blech in Grund und Boden bläst, das besitzt Klasse und Rasse.

Absoluter Luxusklang
Daran hat die Technik hohen Anteil, welche die Streicher bereits in der CD-Schicht himmlisch glänzen und das Blech atemberaubend präsent vortreten lässt. Immerhin saß Meister Jack Renner, einer der beiden Telarc-Väter, wie in den besten Zeiten selbst am Mischpult, und schaffte einen absoluten Luxusklang.
Das unterscheidet sich zwar grundlegend von den wenigen Aufnahmen, die Instrumente verwenden, wie sie in der Frühromantik üblich waren (etwa Gardiner oder Norrington) und mehr Herbheit und Charakter ins Spiel bringen. Dagegen setzt Järvi seine Genauigkeit, die ihn auch im modernen Orchester-Satt-Klang viele Nuancen aufdecken lässt. Gerade diese feine Modellierung gewinnt mit der SACD-Schicht und der Surround-Abmischung noch an Lebendigkeit.
Järvi ist kein Feuerwerker, der einen mit Heiss-Kalt-Effekten schockt; für ihn steht diese Symphonie im Bann der Liebe, die unerwidert, zu einem bösen Traum unerwiderter Zuneigung und letztlich Hass führt. Traum ist eben nicht Wirklichkeit.
Das bedeutet auch sehr genau nach der Partitur gemessene Tempi mit lobenswerter Wiederholung im ersten Satz, der Verwendung von seltenen Kornetts (eine Trompeten-Art) beim "Ball" im zweiten Satz und eine sehr gelungene "Szene auf dem Land" mit stimmungsvollen Englischhorn-Rufen.
Überhaupt muss Järvi extrem viel geprobt haben, so genau hört man manche dynamischen Feinheiten heraus. Der "Marsch zu Schafott" besitzt die passende Unruhe vor dem Fallbeil, und der Hexensabbat schließlich vereint alle erwarteten Effekte inklusive der unheimlichen Totenglocken um Mitternacht und das Flattern der Fledermäuse.
Die Liebesszene zeigt dieselbe Liebe zum Detail und lässt das Orchester eine gute Viertelstunde in süßen Melodien schwelgen. So versteht man, warum Julia ihren Romeo erhörte.
Insgesamt eine Aufnahme, die musikalisch zur Topgruppe der in den letzten Jahren erschienenen Versionen aufschließt und klanglich nur wenige Konkurrenten kennt.


Ludwig Flich

* SACDs werden noch nicht in allen Läden aktiv beworben. Deshalb geben wir die Bestellnummer und den Vertrieb genau an, damit Sie die SACDs bei Ihrem Händler bestellen können.

** Das SACD-Format bietet auch eine Erweiterungs-Möglichkeit auf Surroundsound oder "Multichannel". Die Daten-Information für 5.1 oder wahlweise 6.0 wird dabei zusätzlich zur Stereo-Version auf die SACD gepresst. Im CD-Abspielmodus ist nur die Stereo-Version vorhanden.

Telarc bietet als eine der weltweit ersten Firmen auch dieses SACD-Multichannel an. Die SACD-Norm setzt - anders als etwa DVD-A - auf eine einheitliche Abspielnorm, nämlich die von Filmen vertraute 5.1-Anordnung: vorne drei Lautsprecher (L-Front, Center, R-Front), hinten zwei (L-Rear und R-Rear), und dazu, falls notwendig, ein Subwoofer, der allerdings sein Signal aus der Gesamtmusik bezieht und nicht aus der Subwoofer-Buchse.
Alle Lautsprecher stehen gleich weit vom Hörer entfernt - siehe Abbildung. Mit einer derartigen Aufstellung werden auch Surround-Musikstücke aufgenommen und im Studio abgehört.

Telarc-SACDs sind auch mit einer Höhen-Information versehen. Dabei wird das Signal des ungenutzten Subwoofer-Ausgangs für zwei Monoboxen seitlich an der Wand genützt - siehe Abbildung. Wird ein Subwoofer verwendet, so übernimmt man das Tiefbass-Signal nicht aus der Disc, sondern aus den vorderen Hauptkanälen L und R. Die entsprechende Einstellung erfolgt am Surround-Verstärker (Einstellung: "Bass Management LFE").