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Video-Event

Diana Krall - Live in Paris

Diana Krall (p), John Clayton (b), Jeff Hamilton (dr), John Pisano und Anthony Wilson (git), Paulinho da Costa (perc); European Symphony Orchestra, Paris Swing Band; Alan Broadbent (Dir.)

Aufnahme: Digital. Am 1. Dezember 2001 im Olympia, Paris, Frankreich
Regie: David Barnard
Audio Produzent: Al Schmitt

Bildformat: 16:9/PAL/PS2-kompatibel
Tonformate: dts 5.1, Dolby Digital 5.1 und 2.0

Eagle Vision/edel EREDV250

Die attraktive Kanadierin, die seit ihrem ersten Überraschungs-Erfolg "Love Scenes" (1997) auf dem bekannten Impulse!-Label weltweit Beachtung fand, hat sich in den vergangenen Jahren zum Mega-Seller entwickelt.
Mittlerweile vom nicht minder berühmten Verve-Konzern abgeworben, besitzt die 36jährige Pianistin und Sängerin, die seit ihrem vierten Lebensjahr Klavier spielt und als Jugendliche als Restaurant-Pianistin tingelte, eine große Fan-Gemeinde auch in Europa. Nahezu jährlich tritt sie in u.a. Paris auf, und manche Reiseveranstalter koppeln ihre Frankreich-Angebote bereits mit einem Konzertbesuch bei der Jazzerin.
Man hat Diana Krall den Vorwurf nicht erspart, dass sie sich zu sehr mit den Traditionals abgäbe und zu wenig Zeitgeistiges herausbrächte; der gleiche Vorwurf könnte an viele Cover-Agenten der Szene, bis zum jetzt so begehrten Robbie Williams gerichtet werden. Mit ihrer seltenen Doppelbegabung ragt sie allerdings aus dem Umfeld - ähnlich wie ihr New-Orleans-Kollege Harry Connick jr.
Dass sich die edelblonde Diana auf all ihren Covers von Starfotografen mit hohem Sexappeal ablichten ließ, schadete der angeblich eher schüchternen Entertainerin bei der Vermarktung ihrer CDs auch nicht.
Wenn ihr meiner Meinung auch das pointierte Kammerspiel mit starken Partnern besser liegt als die orchestral umsponnene Zuckerwatte, so bringt sie auch auf ihren süßesten Nummern eine extrem starke Präsenz mit.
Dieser Mitschnitt einer Konzert-Serie im legendären Theatre Olympia in Paris ist dafür der beste Beweis. Diana Krall spielt in zwei Besetzungen: einmal mit einem erweiterten Quartett, und dann mit großem Orchester; die Abfolge wurde auf dieser DVD gut gemischt, und der Spannungsbogen gut gespannt.
Die Orchester-Besetzung kommt nicht von ungefähr: Krall präsentiert den von ihr geschätzten, ja geliebten Komponisten und Arrangeur Claus Ogerman, der seit seinen legendären Arbeiten mit Frank Sinatra im Business ist.

Tanz der Finger
"I Love Being Here With You", die erste der insgesamt 17 Nummern zeigt sofort, über welche Technik Diana Krall als Pianistin verfügt, wie elastisch vital ihre Finger über die Tasten des Steinway tanzen; und sie zeigt, was für glänzende Sidemen sie an diesen vier Abenden (von denen eben der 1. Dezember als Hauptaktions-Tag aufgezeichnet wurde) besaß.
Vor allem Drummer Jeff Hamilton und Bassist John Clayton sind souveräne Meister in ihrer Disziplin, die das Timing, also die Mikrosekunden genaue Swing-Dauer, im Blut haben.
Wie auch Diana, die - ohne im eigentlichen Sinn schön zu sein - das Publikum im Saal wie nun jetzt wohl auch vor dem Bildschirm durch ihre schöne Ausstrahlung fesselt. Die exzellente Bildqualität macht dem Medium alle Ehre. Jedes Detail ist klar und livehaftig sichtbar und auch bei schnell bewegten Passagen (Tasten etwa) oder dunklen Stellen auf der Bühne überraschen die Bilder durch keinerlei Nachzieh-Effekte oder flackernde Farben.
Leuchtkraft und Schärfe der Bühnen-Action stehen im bewussten Gegensatz zu den mitunter eingestreuten Paris-Videos, die wirken, als wäre "Nouvelle Vague"-nahes Film-Material aus den Sixties - grieslig und mitunter wackelnd - eingepasst worden. Ein Gag.

In Surround erweitert sich der Raum
Der Ton ist in allen drei Formaten exemplarisch: selbst auf einem zwar guten aber nicht sündteuren Fernsehgerät kam der Steinway kernig und bass-gewaltig aus den Stereo-Boxen, gut abgemischt mit Bass, Gitarre und Drums. In Surround erweitert sich der Raum in die Tiefe, und wenn Sie sich so mit der Front-Rear-Balance Ihrer Anlage gespielt haben, bis die Musik wirklich nur von vorne kommt, dann scheint der Saal hinten elastisch mitzuschwingen; die Tontechnik verwendet beim Applaus durchaus auch echte Signale von hinten, und fächert nicht nur Stereosignale auf Rundum-Ambience auf.
Ob dts oder Dolby ist keine Frage: dts bringt mehr Luftigkeit und Transparenz, wobei auch DD bei vielen Nummern so gut klingt, dass man es ohne Ohrenschmerzen anhören mag. Denn vielfache akustische Verdeckungs-Effekte täuschen das Ohr über den Datenmangel - Vergleich zu 24/96-PCM oder DSD - hinweg. Allein beim letzten Track 17 "A Case Of You", wo Diana Krall ohne Mitspieler allein am Klavier vor sich hinträumt, zeigt in den kritischen Solopassagen am Beginn eine gewisse Rauheit, die man auf audiophilen Aufnahmen nicht findet.
Aber das ist ein geringfügiger Makel auf einer DVD, die sonst - sowohl bild- wie tonmäßig demoreif - zu den faszinierendsten Jazz-Dokumenten der letzten Jahre zählt.

Ludwig Flich

PS: Die Bonus-Tracks in Stereo/Dolby Surround umfassen zwei Clips; die "exklusiven" Probenmitschnitte sind nur alternative Filmchen im Alltags-Outfit zum späteren Abendprogramm (ohne wirklich lohnende Aussagen der Künstlerin).