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Schumann's Bar Music

Fumio Yasuda (Klavier)

Aufnahme: Digital. Im Februar und Dezember 2001 (vielleicht in Schumann's American Bar, München), Deutschland.
Tonmeister: Adrian von Ripka

Winter & Winter/edel 910 081-2

Seit seinen ersten Venedig-Impressionen schickt Produzent Stefan Winter immer wieder tönende Postkarten aus aller Welt: einmal aus Buenos Aires, dann aus New York; geht es in einem Pariser Bordell lustvoll zu, so begleiten wir dann einen der Orient-Express-Züge um die Jahrhundertwende bis zu seiner Ankunft in Konstantinopel.
Musik und Geräusche werden mitgeliefert, und bei all der geschickt beigemischten Umwelt erstaunt doch die Klangqualität seiner Instrumente. Neuester Winter-Streich ist diese Barmusik-Platte, welche die Illusion bietet, dass man in einer Bar einem Klavierspieler lauscht.
Ob Schumann's American Bar in der Maximilianstraße 36 in München wirklich den Aufnahme-Ort des Klaviers abgab, möchte ich bezweifeln: Wahrscheinlich stammt nur das realistische, gottseidank unverständliche Gemurmel der Münchner Schickeria aus dem stadtbekannten Szene-Treff. Denn das Klavier besitzt einen Glanz und trotz der vermeintlichen Beiläufigkeit eine Durchzeichnung der Register, den man bequemer in einem Studio erzielen kann.
Wenn sich aber Schumann's so einen Flügel leistet, dann kann man den guten Umsatz auch akustisch nachvollziehen.
Die Kunst bei Winters Szenen aus dem Alltag bestand schon bisher darin, dass die Künstlichkeit natürlich wirkt, und zum Beispiel nicht irgend ein aufdringliches Geräusch das mehrfache Hören stört (etwa: "bei Track 25 hustet jemand in den schönsten Klavierakkord". Und das bei jedem Hören). Winter führt auch in den Kulissen Regie, und so ertönt hier bestenfalls an und ab ein leises Lachen.

Play it again, Fumio
Winters bereits mehrfach beschäftigter Genre-Pianist und Komponist Fumio Yasuda fügt sich perfekt in den Rahmen der unaufdringlichen Untermalung ein. Er spielt eine Stunde lang 18 erstklassige Evergreens aus Film und Jazz - etwa "Vom Winde verweht" bis zu "Moon River" du von Someday my Prince will come" bis zum "Weißen Rössel am Wolfgangsee". Eigentlich alle Hits - bis auf den erwarteten und bestimmt als Gag verweigerten "Casablanca"-Song. Play it again, Fumio. Vielleicht beim nächsten Mal, diesmal wirklich aus einer Bar in Casablanca....
Yasuda spielt mit souveränem Understatement, das vielleicht der alte Ragtime-Pianist Teddy Wilson aufgebracht hätte, wenn man ihm nur Mineralwasser serviert hätte. Das heißt, dass er an seine nächste Eigen-Kompositionen zu denken scheint, während er sanft swingende und hochglanz-polierte Tonperlen vor die Schickis und Mickis der Szene streut.
Die schönen MünchnerInnen an der Bar waren, so zumindest in dieser CD-Choreographie, entweder gut vorinformiert oder nur applaus-faul. Man genießt. Und schweigt nicht.
Wenn Sie sich also auch daheim der Illusion hingeben wollen, allein oder mit ihrem/r Liebsten einen Abend in einer berühmten Bar zu verbringen, so können sie das nun relativ preiswert tun. Für den Preis von zwei Daiquiris erhalten Sie diese ungewöhnliche Disc inklusive mehrerer "Blue Hour Cocktail"-Rezepte von Charles Schumann persönlich. Durch die bewährt edle Karton-Hülle auch ein passendes Geschenk für Freunde stressmindernder Happy Hours.
Ludwig Flich