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Antonio Vivaldi
Sechs Konzerte für Flauto Dolce, Streicher und Basso continuo, Flöten-Sonate in a-moll

Dorothee Oberlinger (diverse Blockflöten), Ornamente 99.

Aufnahme: Digital. Von 7. bis 10. Mai 2001 in der Evangelischen Kirche Honrath, Deutschland
Tonmeister: nicht genannt
Produzentin und Editing: Barbara Valentin

Marc Aurel Edition/Extraplatte LC 00572

Blockflöte. Wer denkt da nicht an kleine Kinder, die recht und nett kleine Melodien pusten. Doch die Flöte, der die Italiener das Kosewort "dolce", also "süß" verliehen, kann sich unter den kundigen Fingern und dem wendigen Atem eines Könners in ein hoch-virtuoses Instrument verwandeln.
Und die junge deutsche Blockflötistin ist eine Könnerin. Keine Frage. Mit welcher Schnelligkeit und doch Sinnlichkeit sie zu diesen Höhenflügen ansetzt, wie sie dazu ihre fünf Edel-Flöten in Szene setzt, das sucht schon seinesgleichen.
Als Konkurrenz fallen mir gerade zwei Stars der "Dolce"-Szene ein: die dänische Referenz-Flötistin Michala Petri und Giovanni Antonini, der faunhafte Leiter des italienischen Giardino Armonico.
Oberlinger ist die neue Herausforderin. Sie bewegt sich im Barock wie in der zeitgenössischen Musik gleichermaßen leichtfüßig und wartet mit einer (erwartet) spitzenmäßig sauberen Intonation auf.

Luftige, ultra-saubere Abbildung
Dass man ihr Atemholen gerade wahrnimmt, aber dadurch nicht von der Musik abgelenkt wird, ist auch ein Verdienst, dieser blitzblank polierten Aufnahme, welche die Musiker geschickt vom Raumhall der Kirche umgeben lässt, ohne jedoch irgend ein Detail verschwimmen zu lassen. Die Solistin ist ein wenig prominent behandelt, so als stünde sie etwa einen Meter vor ihren Kollegen, aber bei Tutti-Stellen, wo alle zusammen forte ausholen, verschmilzt der Flötenklang gut mit den alten oder nachgebauten Original-Instrumenten - natürlich in der barocken Tief-Lage (a = 415 Hz).
Dorothees Begleiter, durchwegs Kapazunder der barocken Aufführungspraxis, sind ebenfalls akustisch gut und klanglich ultra-sauber ausgeleuchtet, wobei man sogar die Abstände zwischen den Instrumenten - sozusagen die Luftpolster - wahrnehmen kann. Das allein zeigt hohes Können des leider ungenannten WDR-Tontechnikers und die Güte des (wahrscheinlich) verwendeten HighBit-Equipments.
Wunderschön, eine derartige Bandbreite von Stimmungen zu erleben, wie sie etwa die kleine Sopranino-Flöte sich gratwandernd in höchste Tongipfel versteigt und schallend pfeift, als rufe ein Hirt seine Schafe zusammen, oder die Wärme der Alt-Flöten, welche wie ein warmer Sommerwind die glänzenden Geigenstriche umschmeichelt.
Ludwig Flich

Bei Fragen steht Ihnen gerne Ihr Audio-Doktor Ludwig Flich persönlich zur Verfügung. Email: ludwig.flich@chello.at

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