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Uri Caine
Rio
Uri Caine (p, fender-rhodes-p), Paulo Braga (perc), Jorge Helder (b, e-b), Lula Galvao (va), Jair Oliviera (v, voice), Humberto Cazes (perc), u.a.
Aufnahme: Digital. Von 8. bis 11. Juni 2001 an verschiedenen Plätzen in Rio de Janeiro, und von 12. bis 13. Juni 2001 in den Mega Estudios, ebenfalls in Rio, Brasilien
Tonmeister: Adrian von Ripka
Masterung: Bauer Studios, Ludwigsburg, Deutschland
Winter & Winter/edel 910 079-2
Wer die Geschichte von Winter & Winter verfolgt hat, der wird immer wieder "Klangbildern" und musikalischen Ansichtskarten aus aller Welt begegnen: den Musikern in den Caffehäusern und auf dem Markusplatz in Venedig, der Tango-Atmosphäre in Buenos Aires, der Barmusik im Münchner "Schumann's" oder den historischen Porträt eines "Orient-Express" um die Jahrhundertwende oder den "Roaring Twenties" in New York.
Musik und Umwelt-Geräusche gehen eine seltsame Harmonie ein, wobei auch die wildeste Mischung den Rang eines künstlerischen Arrangements bewahrt.
Nicht zuletzt liegt das an der ausgefeilten Aufnahmetechnik des Haus-Tonmeisters Adrian von Ripka, für welche W&W-Discs ebenso berühmt wurden wie für die schönen Sammler-Karton-Hüllen (aus denen allerdings die CDs nach wie vor nur mit Vorsicht heraus zu ziehen sind!).
Uri Caine, der große Multi-Stilist, der Mahler, Wagner und Bach gleichermaßen parodierte, ist einer der Stars des Labels, der von Produzent Stefan Winter offenbar immer grünes Licht für seine Eskapaden bekommt. Diesmal betätigt sich Caine als Rio-Besucher, der zwischen Meeresrauschen und Partys, zwischen Regengüssen und dem Rumpeln und Klingeln der Santa-Teresa-Straßenbahn - erinnern Sie sich an "Orfeu Negro"? - mit Mitgliedern verschiedener Sambaschulen und Percussionistas und mit Sängern und Poeten neue musikalische Freundschaften schließt. Caine untermalt mit Klavier und Fender-Keyboards die pulsierende Stimmung: als Gag in einem "Winter"-lichen Rio im Juni, das nicht die hitzige Atmosphäre des bekanntesten Carnavals der Erde durchlebt.
Prall wie tropische Vegetation
Die Aufnahme fängt die Musiker so prall und satt ein wie Bilder von tropischer Vegetation. Und dennoch bleibt den Tonfall entspannt, als schaute der gute alten Jobim seinem jungen Kollegen aus den Staaten über die Schulter. Die Bass-Verläufe marschieren so kräftig und schwarz wie starker Cafe do Brasil, das Fender-"Klavier" gluckst fröhlich vor sich hin (etwa Track 2 und 6), und Glöckchen und andere Perkussions-Instrumente glitzern so klar wie eine Sternennacht über dem Amazonas.
Poetisch, nicht wahr? Lassen Sie sich, falls Sie nicht gerade das nötige Kleingeld für einen Flug nach Rio haben, von Caines audiophil eingefangenen Impressionen der Stadt unter dem Zuckerhut verzaubern.
Eine wieder etwas ganz andere Platte, die auch in die Füße fährt. Ludwig Flich
Bei Fragen steht Ihnen gerne Ihr Audio-Doktor Ludwig Flich persönlich zur Verfügung. Email: ludwig.flich@chello.at
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