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TNT - Trombone and Tenor
Steve Turre (pos); James Carter, Dewey Redman und David
Sanchez (t-sax), Mulgrew Miller und Stephen (p), Victor Lewis und Lewis Nash
(dr), Buster Williams und Peter Washington (b); Giovanni Hidalgo (perc)
Aufnahme: Analog to DSD. Am 9. und 10. November 2000 in den Avatar-Studios B
und C, New York, USA
Tonmeister und Editor: Robert Friedrich
Telarc/Musica CD-83529
Wie auf seiner Telarc-Debüt-CD "In The Spur Of The Moment"
setzt der mexikanisch-amerikanische Posaunist Steve Turre auf einen Dreiklang.
Hatte sich damals der auf Covers stets breit lächelnde Endvierziger, dessen
langer, schwarzer Kinnbart und Zopf in Gigs um die Posaune wehen, virtuos in
drei Stilen bewegt, so arbeitet er diesmal mit drei Tenor-Saxophonisten in drei
wechselnden Ensembles.
Jeweils einer seiner alten Freunde - James Carter, Dewey Redman und David Sanchez
- tritt zu Turre in den Ring. Tenor-Saxophon und Posaune - das stellt auch eine
gute Mischung für die Klangfarben-Treue jeder Anlage dar.
Die Nummern sind gut ausgewählt, und wenn auch die Hälfte der acht Nummern von
Mr. Turre stammen, so hat er versucht, seine Partner mit ihren typischen Stärken
einzusetzen.
Das vertraute "Stompin' at the Savoy" von Benny Goodman ist dafür
ein gutes Beispiel. Hier lässt der 70jährige Dewey Redman, der geradezu klassisch
mit starkem Ton phrasiert, und der derselben Jazz-Philosophie wie der legendäre
Dexter Gordon huldigt, lässt die Freizügigkeit der modalen Ära anklingen.
Der weit jüngere Carter dagegen, der Turre einst bei Lester Bowie kennen lernte,
ist da melodisch unbelasteter, aber er kann auch, wie etwa in "The Nearness
of You" verinnerlicht und mit weitem Vibrato bluesen. Sanchez letztlich,
darf sein Können im afro-kubanischen Teil, bei "(Tito) Puente of Soul"
zeigen.
Turre gilt als legitimer Nachfolger des unlängst verstorbenen Posaunen-Boppers
J.J. Johnson, mit dem er in den letzten Jahren auch befreundet war. Und dazu
als Erfinder schräger Klänge, die sich aus speziell abgestimmten Muscheln und
Handtrommeln zusammen setzen.
Analoges Band wird zu DSD
Turre, der auch als Produzent für den Erfolg dieser Disc verantwortlich zeichnet,
setzte auf eine klassische Analogband-Aufnahme mit 38 cm/sek. auf einer Studer-Maschine.
Davon wurde dann der DSD-Master für die SACD gezogen; die CD-Umwandlung erfolgte
von DSD mit einem eigenentwickelten DSD-PCM-Umwandlungsverfahren (also nicht
Sonys dafür vorgesehenes "SBM Direct").
Eine derartige Mischtechnik ist in manchen Jazz-Bereichen üblich geworden. Manche
Solisten fühlen sich in der analogen Klangwelt immer noch besser aufgehoben,
und einige ihrer Lieblings-Studios besitzen eben noch kein digitales Equipment
der letzten Generation. So verbindet sich analoge Wärme mit bestmöglicher und
genauester Digitalisierung - bei geringstem Rauschen (das Bandrauschen wurde
mit Dolby SR noch vor der Studer gezähmt).
Der Klang von Turres Yamaha-Posaune (links von der Mitte) ist vollmundig eingefangen
und wird auch in hohen Registern niemals lästig, die Saxofone (rechts von Turre)
entfalten ihr rauchige Qualität und das Klavier perlt, wie man überhaupt diese
saubere Aufnahme laut - und ich meine: wirklich laut - hören sollte, um auch
die Feinheit der Beckenschläge hinten oder der Bassläufe ausloten zu können.
Ludwig Flich