Archiv

The Trio
So many Colors

Makoto Ozone (p), James Genus (b), Clarence Penn (dr, perc)
Aufnahme: Analog. Von 6. bis 8. Mai 2001 in den Avatar Studios, New York, USA
Tonmeister: Joe Ferla

Verve/Universal 016 599-2

Pianisten gibt es viele, aber wirkliche Persönlichkeiten sind unter den (relativ) Jungen eher selten geworden: Makoto Ozone (41) ist einer davon. Das Wunderkind aus dem japanischen Kobe mit dem klingenden Namen Makoto Makoto ertastete sich bereits mit zwei(!) Jahren die Orgel seines Vaters und war mit 15 bereits Mitglied einer Band.
Ein Konzert mit Oscar Peterson gab ihm den entscheidenden Impuls, so zu spielen wie das kanadische Schwergewicht. Er studierte in den USA am angesehenen Berklee College, wo auch Gary Burton, der Vibraphonist, unterrichtete und das Talent von Makoto erkannte.
Bald swingte er - wie einst Friedrich Gulda - Mozart-Konzerte und Jazz mit Chick Corea, und blieb doch seiner Verehrung für Peterson treu, dem er sogar ein Album widmete.
Aus diesen beiden Größen der Klavier-Szene scheint sich nun auch der typische Ozone-Stil geformt zu haben. Zwei seiner CDs wurden "Platte des Jahres" in Japan, und auch seine neueste Schöpfung, eben diese "Viel-Farben"-CD zeigt von Beginn weg eine kreative Mischung aus Stilen, die Klassik, Jazz, Rock und Exotik zusammen bindet.
Und Makoto Ozone verfügt auch über die seltene Gabe, sich ein bisschen lustig zu machen, ein paar Tönchen ironisch umzudichten, und damit den Hörer zu überraschen.
Sehr gut eingestimmt sind auch seine Sidemen, und was Bassist Genus aus seinem Kontra holt ist ebenso beachtlich wie das Farbenspiel an Becken, Drums und Percussion, die Clarence Penn dazwischen streut.

Neues vom New Yorker Analog-Paten
An dem guten Eindruck hat zweifellos die saftige, pralle Aufnahme von Joe Ferla hohen Anteil. Ferla, der Italo-amerikanische Pate der Analog-Aufnahme, schwört auf die Perfektionierung der traditionellen Technik, und im Avatar-Studio in der 52. Straße stellen sich die Jazz-Stars und Produzenten an, um von ihm aufgenommen zu werden. Zu seinen Kunden zählen u.a. die Gitarristen Bill Frisell, John Scofield, James Blood Ulmer und Pat Metheny, dann die Hammond-Zauberin Barbara Dennerlein und die Sängerin Claudia Acuna. Selbst der Klang-verwöhnte Stefan Winter (Winter & Winter) ließ in New York Mr. Ferla anstatt seines verehrten Adria van Ripka an die Regler.
Ferla konnte sich dem Trend der Zeit nicht verschließen, und so schloss er langsam auch die DSD-Technik ins Herz und produzierte vor kurzem auch erste Aufnahmen für die SACD. Das Masterband von Makoto dürfte aber aus der analogen Ecke stammen.
Die Instrumente stehen nahe beisammen, das Klavier etwas rechts, der Bass vorne in der Mitte und die Drums hinten.
Die Qualität zeigt sich an zwei Dingen: Zum einen schnalzt und knarzt der Bass so realistisch aus den Boxen, dass man sich den dazu brummenden James Genus als Gast im Zimmer leicht vorstellen kann, und dann kommen die Becken so durchsichtig und doch mit einem metallischen Edel-Touch von hinten, dass man ihren (sonst so seltenen) "Klang" und nicht bloß das Geräusch wahrnimmt.
Eine wirklich empfehlenswerte CD, die in ihren ruhigen, balladenartigen Teilen angenehme Stimmung verbreitet und in den rhythmischen, schnellen fasziniert. Was durchwegs auch für die Aufnahme gilt. Ludwig Flich

Bei Fragen steht Ihnen gerne Ihr Audio-Doktor Ludwig Flich persönlich zur Verfügung. Email: ludwig.flich@chello.at

Hier können Sie eine(n) audiophile(n) Freund(in) auf diesen Artikel aufmerksam machen:

Ihre email:
Empfänger email: