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Swingle Singers
Getting Romantic
(Les Romantiques)
Werke von Beethoven, Schubert, C, Mussorgsky, u.a.
Ward Swingle (Arr. & Tenor & Dirigent); Christiane Legrand, Jeanette Baucomont (sopran); Alice Herald, Claudine Meunier (alt); Claude Germain (tenor); Jose Germain, Jean Cussac (bass); Guy Pedersen (b), Daniel Humair (dr)
Aufnahme: Analog. 1967, Paris, Frankreich
Tonmeister: Pierre Fatosme
Philips/Universal 586 736-2
Wie der Strauß-Walzer nannte sich die Ur-Fassung dieses Albums in Frankreich "Die Romantiker". Wer bisher nur das Dabadaba ihrer Bach- und Mozart-Arrangements im Ohr hatte, konnte mit dieser Erweiterung dazu lernen.
1967 hatten sich die vier französischen Damen und Herren unter ihrem US-Chef allmählich vom Barock-Beat in Richtung Klassik bewegt. Nun kam noch die Herausforderung dazu, ein Album ausschließlich mit romantischer (oder was man eben dazu erklären konnte) Weltliteratur aufzunehmen.
Der Klang bliebt zwar der sehr merkbaren Aufteilung in rechten und linken Stereo-Kanal treu, das Equipment von Pierre Fatosme muss aber einige Verbesserungen erfahren haben, so wohltönend, rausch- und klirrarm kommt diese Aufnahme nun daher. Und frei von Vor- oder Nachechos (die französische Philips dürfte die Master-Bänder gut gelagert haben).
Nun gut, ist sie auch 20-Bit-genau gemastert, so erklärt da nicht ganz die Geschmeidigkeit und Plastizität der Stimmen. "Geschmeidig" passt als bester Über-Begriff, und selbst gute Geiger und Pianisten müssen sich anstrengen, um die beiden Sonaten-Sätze von Beethoven - gleich Track 1 und 2 - so entspannt und doch rhythmisch präzis aufzublättern.
Pulsierende Dynamik
Das Kennzeichen der Swingles war ihre kunstvoll pulsierende Dynamik, die ihre Schönheit gerade in den leisen Piano-Teilen entfaltet. Stimmig, swingend und schnell - das waren Vorgaben, die keine andere Vokalgruppe auch nur annähernd so gekonnt ins Mikrofon hauchen konnte (später gab es nur in der Slowakei die Linha-Singers, die mit größerem Folklore-Hintergrund und mehr Begleit-Instrumenten den Swingles nahe kamen).
Das Schöne an den Interpretationen bleibt die unpathetische, daher moderne Auffassung, und nur bei Chopin scheint Ward Swingle seine Kollegen so richtig in den romantischen Zuckertopf greifen zu lassen; vielleicht waren die gedehnten Teile im Walzer (op. 64/2; Track 5) schon wieder als Parodie auf den Kitsch der Zeit gedacht....
Die Stücke sind gut ausgewählt und bringen durchwegs akustische Vergnüglichkeiten; wollen Sie jemanden für diese heute selten gewordene Vokal-Kunst begeistern, dann spielen Sie am besten die schnell-federnden Werke von Beethoven und Mussorgsky. So hat noch niemand den "Marktplatz von Limoges" aus den Bildern einer Ausstellung (Track 9) gehört.
Pierre Fatosme war zu seiner Zeit bereits eine Berühmtheit, weil er eine schräge Platte "Delirium in HiFi" durch allerlei Tricks - etwa genial bandtechnisch verkehrt abgespielte und wieder eingepasste Instrumenten-Soli - zum Kultobjekt gemacht hatte, und den typischen "Sound" der Swingle Singers erschaffen hatte. Er war mitunter "Mädchen für alles" und spielte neben dem Aufnahmeleiter und Tonmeister auch den Fotografen der Gruppe; zudem war er der Mann von Sopranistin Christian Legrand, deren Soli er sich mit besonderer Liebe annahm.
Pure Hochtöne und satte Bässe
Der Klang der Stimmen wirkt auf guten Anlagen realistisch genug, um sich zwei Musikergruppen links und rechts vorne vorstellen zu können. Wenn die Sopranistinnen und Altistinnen die Reinheit des puren Tons gepachtet zu haben scheinen, dann liefert diese Aufnahme wie kaum eine andere ein Fundament, das den Bässen geradezu slawische Tiefe verleiht.
Der unterstützende Kontrabass wirkt saftig und beim Schlagzeug merkt man nun genau den Einsatz jener legendären "Mozart"-Becken, mit denen Drummer Daniel Humair auch bei leisem Anschlag sehr klingend seinen Beat (oder besser: den Offbeat) angeben konnte.
Zwei Dinge schienen mir besonders seltsam: das Outfit der Damen auf dem Cover (stammten diese Kleider schon von Yves St.-Laurent oder Pierre Balmain?) und die historische Spielzeit von weniger als 30 Minuten.
So historisch getreu müsste es die Universal nicht nehmen, obwohl mir die Philosophie schon einleuchtet: Für Nostalgie, gerade wenn sie so gut erhalten ist, zahlen Fans immer gern und mehr. Ludwig Flich
Bei Fragen steht Ihnen gerne Ihr Audio-Doktor Ludwig Flich persönlich zur Verfügung. Email: ludwig.flich@chello.at
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