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SuperBass 2
Ray Brown, John Clayton und Christian McBride (b); George Fludas und Larry Fuller (perc)
Aufnahme: Digital/DSD.
Am 15.-17. Dezember 2000
im Blue Note, New York, USA
Tonmeister: Michael Bishop
Telarc/Musica CD-83483
Ja, in dieser Woche haben die Art-Direktoren ganze Arbeit
geleistet: Auch dieses Cover sprüht nicht vor Einfallsreichtum.
Das bleibt mein größter Kritikpunkt an einer CD, die sonst zu den ungewöhnlichsten
des Jazz-Angebots zählt.
Vor Jahren gab es bereits eine "SuperBass"-CD aus einem Club in Boston,
auf der Kontrabass-König Ray seine jungen Prinzen John und Christian zu einem
zupfkräftigen Trio vergatterte. Die Fortsetzung entstand an drei Dezember-Abenden
des vergangenen Jahres im legendären "Blue Note".
Und wieder verblüfft die Wirkung von drei ausgewachsenen Kontrabässen: Da tönt
ein sonorer Power-Sound, der einen im wahrsten Sinn des Wortes nahe geht. Mitunter
klatscht das Publikum mit, Percussion darf in zwei Nummern auflockern - aber
die Essenz kommt von Brown & Co.
Ein Kontrabass zeigt sich in vielen Anlagen als extrem heikles Instrument, weil
die Tief-Frequenzen alle mitschwingenden Gegenstände in einem Zimmer entlarven.
Drei Kontrabässe potenzieren daher die Fehler-Möglichkeiten. Wenn Fensterscheiben
klirren oder Töne im Raum nachdröhnen, dann wird es höchste Zeit, sich auf die
Suche nach Bass-Überhöhungen zu machen und Bass-Fallen aufzustellen.
Idealer Weise hören Sie hier pro Bass einen großen, aber erkennbar konturierten
Korpus und die gespannten Saiten, die durchaus über Obertöne verfügen - und
nicht nur, wenn sie gegen das Griffbrett schnalzen. Und dazu kommt die Dynamik,
die vom singenden Pianissimo bis zum grunzendsten Fortissimo innerhalb von Sekunden
explodieren kann.
Drei in einem Club
Das alles und viel mehr bietet diese DSD-Aufnahme selbst
in ihrer CD-Version. Das "viel mehr" bezieht sich auf die musikalische
Qualität, die dem Hörer immer wieder neue Erlebnisse bietet, die das an und für
sich gleichförmig-brummelnde Klangbild mit Innenleben zu erfüllen.
Michael Bishop - übrigens auch Ton-"Meister" bei Tschaikowskys "1812"-Ouvertüre
- schaffte es, die Balance innerhalb der drei Künstler so einzustellen, dass wir
in der Mitte der "Blue Note"-Bühne Alt-Meister Brown, und in glaubhaftem,
gar nicht weitem Abstand von ihm links John Clayton und rechts Christian McBride
erleben.
Jeder der drei fällt durch seine spezielle Vorlieben auf: So bleibt Clayton der
ausdrucksstarke Sänger, der mit seinem Bogen zu großen Kantilenen ansetzen und
verhauchen darf, McBride wieder der hyperaktive Stürmer, der mit virtuosen Griffen
die Atmosphäre zum Glühen bringt, und Brown der souveräne Guru, der mit seinen
Zupftönen im Swing spazieren geht.
Die intime Nähe der Kontrabassisten wird auch vom Publikum aufgefangen, dessen
Geräusche - zum Wohl der Atmosphäre - nicht weggefiltert wurden. Die "Blue
Note"-Gäste dürfen sich lautstark und mit rhythmisch durchaus gekonntem Klatschen
in Szene setzen (wir wissen allerdings nicht, wie lange diese Tracks vorher geprobt
wurden).
Diese CD ist zum Vorbeihören zu schade: Sie verlangt Aufmerksamkeit, weil in den
Tiefen dieser beinahe urweltlichen Klänge viele subtile Schwingungen enthalten
sind, die nicht nur die Qualität der Aufnahmetechnik zeigen, sondern auch die
Ihrer Anlage.
Ludwig Flich