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Johann Strauß/Schönberg-Berg-Webern

Vier Walzer-Arrangements:
Kaiser Walzer
Rosen aus dem Süden
Wein, Weib und Gesang
Schatz-Walzer

Igor Strawinsky

Oktett für Blas-Instrumente
Pastorale für Violine und Bläserquintett
Ragtime für elf Instrumente
Concertino für zwölf Instrumente

Boston Symphony Chamber Players (Konzertmeister: Joseph Silverstein)

Aufnahme: Analog. Im Dezember 1974 (Strawinsky) und April 1977 (Strauß) in der Boston Symphony Hall, Boston, USA
Tonmeister: Hans-Peter Schweigmann (Strawinsky), Klaus Hiemann (Strauß)

DG/Universal 463 667-2

Dass hochwertige Analog-Aufnahmen auf CD besonders eindrucksvoll leuchten, ist eine alte, audiophile Erkenntnis. Die vorliegende Wiederveröffentlichung macht da keine Ausnahme. Im Gegenteil: Sie lässt nahezu alle ihrer digitalen Konkurrenten blass aussehen.
Erstens galten schon die Original-Aufnahmen zu ihrer Zeit als Referenzen, und zweitens zeichnen sich die meisten CDs der DG-Serie "The Originals" (mit ihrer LP-Imitation auf der Disc-Rückseite) durch eine hervorragende 24-Bit-Übertragung der Originalbänder aus.
Die Fachausdrücke findet man im Prospekt, wobei "Image Bit-Processing" eine digitale Korrektur der Laufzeitunterschiede bei Multi-Mikrofonie-Aufnahmen darstellt, und "Authentic Bit Imaging" ein "Noise-Shaping-Requantisierungsverfahren" (was für ein Wort!) ist, das die 24-Bit-Digitaldaten trickreich auf das 16-Bit-CD-Format überträgt.
Wenn auch alle großen Klangmeister heute mit ähnlichen Systemen arbeiten, so dürften in den Emil-Berliner-Studios, welche diese Übertragungsarbeiten durchführen, zahlreiche Musikkenner hinter den Reglern sitzen.
Ungleich den Bach-Konzerten, die ich vor kurzem vorstellte (siehe Archiv), wurden diese vier Strauß-Walzer aus den 1920er-Jahren nicht fürs Kaffeehaus geschrieben. Der Zwölftöner Schönberg war auch ein profunder Kenner von Alter Musik und arrangierte leidenschaftlich gerne Werke von Bach und anderen Komponisten.

Ein Harmonium tanzt mit
Zwei der obigen Walzer - "Wein, Weib und Gesang" und der "Schatz-Walzer" - stammen von Schönbergs Schülern Alban Berg und Anton von Webern. Die schrägen Bearbeitungen für Harmonium, Klavier, Flöte, Klarinette und Streichquartett sollten Geld für weitere Konzerte des avantgardistischen "Vereins für musikalische Privataufführungen" bringen.
Dessen Publikum erwartete von den Neutönern natürlich mehr als brave Bearbeitungen, und es ist anzunehmen, dass es für die drei Komponisten auch eine spaßige Herausforderung darstellte, gerade so bekannte Tanzwalzer pikant aber ohne Zwölfton-Experimente zu arrangieren.
Ganz anders als bei normalen Arrangements setzten die drei Komponisten mehr auf Verdeutlichung des Innenlebens der Musik als auf eine gemütliche Oberflächen-Gestaltung. Details machen diese Walzer so spannend. Umso mehr, als die Bostoner Musiker den Dreiviertel-Takt ganz erstaunlich wienerisch tanzen können.
Die Instrumente leuchten so realistisch, die Geigen lassen in ihrem Saitenklang auch das so wichtige (und so selten verwirklichte) Holz hören dass man sich ganz leicht in den Saal während der Aufnahme hinein versetzen kann oder sogar die Illusion gewinnt, die Musiker spielten direkt vor einem.
Kein Bandrauschen stört das Hör-Vergnügen. Dasselbe gilt für die drei Jahre früher entstandenen, natürlich cooleren Strawinsky-Stücke, die mit ein wenig mehr Hall daher kommen, ebenfalls spektakulär die Instrumente in der Tiefe des Aufnahmeraums verteilt und dazu - etwa im "Ragtime" - durch eine atemberaubend tiefe Perkussion (Pauke) den Boden erzittern lassen.
Eine tolle Disc, um seine Anlage in "Echt-Farben" leuchten zu lassen, und eine, die gleich zwei legendäre LPs vereint. Übrigens zu einem konkurrenzlos günstigen Preis. Ludwig Flich