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Será Una Noche

Pedro Aznar (voc), Marcelo Moguilevsky (diverse klar & fl), Gabriel Kirschenbaum (g), Garbiel Rivano (bandoneon), Martin Iannaccone (vc), Santiago Vazquez (perc, tablas)

Aufnahme: Digital. Im Juni 1998 im Kloster von Gandara, Argentinien
Tonmeister und Masterung: Todd Garfinkle

M*A Recordings/styria hifi M052A

Argentinischer Tango ist in den letzten Jahren bis zum Abwinken vermarktet worden. Ob für Fiamminghische Kammerorchester, mit oder ohne den seligen Astor, ob von Daniel Barenboim aus Buenos Aires geklimpert oder von Gidon, dem Kremer aus Riga, gegeigt - man hört sich ein. Und auch einmal satt.
Diese argentinische Band dagegen ist etwas Anderes. Sogar etwas Besonderes. Sie greift manchmal auch in den Fundus der Weltmusik und entlässt nach brodelnder Spannungs-Lava die Musikflammen in Richtung Argentinien.
So etwa gleich beim Beginn dieser 13 Tracks, wo die Instrumente quasi zur Einstimmung zusammen finden und ihre Tonskalen mit dem Händeklatschen von Pedro Aznar erproben. Auch das zweite Stück "Soledad" (Einsamkeit), wiederum als "Tango" bezeichnet, besteht anfangs aus dem Solo einer Bass-Klarinette, die sich in schwarze Tontiefen hinab tastet und den satten Sound durch den typischen Anblas-"Rauch" untermalt, bis sich Aznars Stimme dazu gesellt.
Im dritten Stück wiederum versetzen uns die sechs Argentinier in den Fernen Osten - mit Gong und großer Trommel, dazu mit heulenden Sheng-Klängen, welche von Bandoneon und Flöten täuschend nachgeahmt werden.
Natürlich gibt es auch traditionelle Stücke (so etwa die Tracks, 4, 5oder 9), wo man schneller ins bekannte Buenos-Aires-Flair hineinkippt, aber auch hier sorgen die Musiker immer wieder für Klangreize, die würzig wie frische Chilischoten den Tangobrei würzen.

Im 96-kHz-Takt ausgesteuert bis ans Limit
An all dem hat die Aufnahme des amerikanischen Tontüftlers Todd Garfinkle hohen Anteil. Er war einer der ersten, der die Vorteile einer höheren Sampling/Abtast-Rate erkannte; mit seinem modifizierten Pioneer DAT und diversen Mikrofonen geht dieser Nonkonformist, der jede Musikmesse (so unlängst die Midem in Cannes) durch seine selbstgewisse Art bereichert, auf Tonjagd.
Alle Signale durchlaufen einen 96kHz-Wandler, wobei mir Todd berichtete, dass er die Dynamik bei 16Bit belässt, da sein DAT keine größere Datenflut verarbeiten kann. Dennoch macht er es so wie jahrelang etwa der deutsche Aufnahme-Feinspitz Werner Dabringhaus (von MDG).
Er setzt auf Risiko bei der Aussteuerung bis zum letzten Millimeter, bevor die digitale Nullgrenze erreicht ist. Und das hört man.
Die Instrumente scheinen in die Akustik dieses Klosters quasi eingebettet und schwingen über die Boxen hinaus ins Zimmer; viel Luft umgibt jeden einzelnen Klang, und man hört genau, wie sich die Schallwellen ausbreiten und in der Ferne verlieren. Die Dynamik ist aufgrund der grenzwertigen Aussteuerung dementsprechend beeindruckend, was für einige Überraschungs-Effekte (etwa mit der großen Trommel) sorgt.
Wer ungewöhnliche Tango-Musik ungewöhnlich eindrucksvoll hören will, kommt um diese CD nicht herum. Ja, ich würde ihr sogar hohe Demo-Qualitäten zubilligen, mit denen Vergleiche von Anlagen leicht zustande kommen.
Ludwig Flich