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Miles Davis
Milestones

Miles Davis (tr), Julian "Cannonball" Adderley (a-sax), John Coltrane (t-sax), Red Garland (p), Paul Chambers (b), Philly Joe Jones (dr)

Columbia/Sony CS 64935

Aufnahme: Analog. Am 4. Februar und 4. März 1958 im Columbia 30th Street Studio, New York, USA
Tonmeister: Harold Chapman
Mixed & ReMastered (24 Bit to SBM): Mark Wilder

Columbia/Sony CK 85203

Dieses Album wurde seit vielen Jahren unter die größten Jazzalben gereiht, und so verwundert es nicht, dass es im Miles-Davis-Erinnerungsjahr ("75. Geburtstag") liebevoll restauriert und ergänzt wieder auf den Markt kommt. Wie übrigens auch "Round About Midnight", "At Newport 1958" oder "Jazz at the Plaza".
Gegenüber der bisherigen CD ist nicht nur der Gewinn an Raum und Plastizität ohrenfällig. Es kamen auch drei Tracks aus dem Album "Miles Davis & John Coltrane" hinzu -interessante Alternativen zu "Two Bass Hit", "Milestones" und "Straight, No Chaser".
Es ist ein dynamisches Album, rhythmisch vorwärts treibend, das trotz früher modaler Improvisationen noch seine Atmosphäre aus dem Blues bezieht.
Es wieder dieser hautnahe Studiosound der späten Fünfziger und frühen Sechziger Jahre, der auch das ein Jahr später entstandene "Kind Of Blue" auszeichnet. Und die 24-Bit-Überspielung zeigt hier dieselben Meriten wie etwa bei den ReMaster-CDs von Billy Joel: Die Musik ist einmal viel lauter ausgesteuert, was allein schon mehr Details an den Wandler bringt, und dann bleiben eben die Feinheiten leiser Stellen noch besser durchgezeichnet.
Klar, dass die drei genialen Bläser Miles, John und Cannonball in der Mitte prominent abgebildet sind, aber hier wollte Produzent Avakian offenbar vermitteln, wie eng sich die drei Jazz-Meinungsbildner gekommen waren.

Realistische Vibrationen
Ein Foto im Booklet beweist, was die Aufnahme hören lässt: ganz eng sitzen die drei Musiker neben einander vor den Mikrofonen, Miles links, Cannonball in der Mitte und John rechts. Besonders schön - und auch hier besser als auf bisherigen Discs - ist die Luftigkeit, die Miles Davis' "Horn" umgibt, so als würde die Luftsäule um das Instrument hörbar mitvibrieren.
Während sich Reds Klavier immer mehr oder weniger gepflegt links hören lässt, und der Kontrabass hinten gleich in der ersten Nummer "Dr. Jackle" zu einem gestrichenen Solo auftauchen darf, tönen die Drums von Philly Joe durchwegs mit einer Realistik, um die sie manche heutige Aufnahme beneiden würden.
Wenn "Dr. Jackle" durch seine wilden Bläser-Soli aller drei Bläser und das Drum-Spektakel begeistert, so gibt es bei "Sid's Ahead" eine Kuriosität, die zu wissen (wenn auch nicht wirklich zu hören) ist: Miles spielt selbst am Klavier bei den Saxophon-Soli, weil Red Garland wütend das Studio verlassen hatte - warum, wird leider nicht erklärt.
Die Bonus-Tracks sind wirklich ein Gewinn: Bei der Titelmelodie "Milestones" etwa faszinieren die ganz unterschiedlichen Strategien der drei Bläser-Heroen, und ich kann nur empfehlen, beide Versionen einmal hintereinander zu hören (Tracks [4]und [8]).
Allein die Stakkato-Töne der Bläser am Beginn der originalen LP-Version und die singende Trompete zum Kontrast faszinieren, wobei der Drive der Drums unwiderstehlich wirkt. Der Album-Titel passt: ein Meilenstein.

Ludwig Flich