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Felix Mendelssohn-Bartholdy
Konzert für Violine und Orchester in e-Moll, op. 64
Ludwig van Beethoven
Konzert für Violine und Orchester in D-Dur, op.61
Joshua Bell (Violine); Camerata Salzburg; Sir Roger Norrington
Aufnahme: Digital/DSD & PCM. Von 4. bis 8. November
2000 im Mozarteum, Salzburg
Tonmeister: Arne Akselberg; Andrew Granger, David Clarke
Sony SK 89505
Das Interessante steht (wie so oft) im Kleingedruckten: Als
verwendete Technologie wird sowohl eine 24-Spur-Digitaltonbandmaschine mit 16
Bit-PCM als auch ein 8-Spur-DSD-Equipment und schließlich noch Magneto-optischer
Disc-Recorder mit 6 Spuren angegeben.
Die Rückseite der CD-Box zeigt unverkennbar das DSD-Logo. Ist nun ein Konzert
in PCM, das andere in DSD aufgezeichnet?
Ich glaube eher, dass die Sony-Techniker mit einer Mischtechnik "fuhren":
Der Solist und die wichtigen Rauminformationen des Orchesters kamen wohl in
den DSD-Recorder, die stützenden Mikrofone vor den Orchester-Gruppen mündeten
ins PCM-Tonband.
Dann wurde gut gemischt, und was sich eher nach unverträglicher Soße
anhört, kann auf CD durchaus gefallen.
Joshua Bell, der bisher vor allem durch die Erkundung amerikanischer Moderne
und zuletzt durch eine Arrangement-Sammlung der "West Side Story"
von Bernstein auffiel, bewegt sich auch bei diesem kritischen Klassik-Repertoire
mit der Eleganz und der Ausdauer eines Marathon-Läufers, der nur eines
kennt: den Erfolg,
Das sind ja Stücke, die jeder große und noch viel mehr kleine Solisten
im Konzert und auf Platte in Hundertschaften veröffentlicht haben, dass
selbst dem Kenner vor so vielen Absichten schwindelt. Erstaunlich, dass sich
dennoch immer wieder Künstler in Szene setzen, die einfach mehr zu sagen
haben als ihre Konkurrenten.
Sinn in der Spannung
Der Amerikaner Bell, der mit dem Engländer Norrington und dem Salzburger
Orchester auf Tournee ging, hat ohne Frage von der einfallsreichen Führung
des Originalklang-Sirs profitiert. Schon in den Einleitungen beider Konzerte
vor dem jeweils ersten Solisten-Einsatz zeigt das dynamisch aufgeweckte Salzburger
Ensemble, wie kantig und spannend selbst diese oft so weichlich abgenudelten
Werke sein können, wie kleine Akzente und längere Phrasen den Melodien
Zusammenhang und Sinn geben.
Und doch lassen sich Bell und Norrington nicht nachsagen, sie besäßen
keine romantische Ader. Gerade im Mendelssohn verweilen beide in so mancher
gefühlvollen Harmonien-Oase, und wer gut hinhört, wird auch oft eine
feinst ziselierte Dynamik bei Beethoven heraus hören.
Die Aufnahme liefert ein gutes Beispiel von den Fähigkeiten Arne Akselbergs,
einem mehrfach gelobten norwegischen Tonmeister, der auch viel in England arbeitet.
Akselberg, der selbst Orgel studierte, ist u.a. Erster Tonmeister in den Abbey
Road Studios in London. Er setzt den Solisten gebührend in Szene, aber
die wichtigen Holzbläser im Beethoven dürfen durchaus ebenbürtig
nach vorne zur Geige hin antworten.
Bells Geige, eine Stradivari von 1732 namens "Tom Taylor" (nach einem
frühen Besitzer), besitzt einen für diese klassische Sicht geradezu
ideale Schlichtheit, die sich auch aller übertriebener Vibrati enthält.
Dieser klare Klang, der die Reibung des Bogens auf der Saite gut vermittelt,
darf in keiner Anlage klirren oder schärfeln.
In diesem Fall heißt es, nach den Ursachen zu suchen: etwa korrodierte
Kontakte, schlechter Strom, miese Tonkabel oder letztlich auch ein untertouriger
CD-Player.
Diese "Strad" beeindruckt nicht durch ihre
kernige Fülle, sondern singt eher wie ein schlanker Engel, und so bleiben
auch komplizierte Stellen immer sehr gut durch hörbar, weil sich der gespannte
Geigenton Bells durchsetzt. Besonders schön, dass so etwas wie die Faszination
eines Live-Konzerts auch in manchen Passagen überschwingt - wie etwa im
Finale des Mendelssohn-Konzerts. Was eigentlich nur die Güte des verwendeten
Aufnahme-Equipments widerspiegelt.
Somit eine Aufnahme, die durch ihren erfrischenden Charakter ebenso überzeugt
wie durch ihre Durchsichtigkeit. Ludwig Flich
Bei Fragen steht Ihnen gerne Ihr Audio-Doktor Ludwig Flich persönlich zur Verfügung. Email: ludwig.flich@chello.at
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