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McCoy Tyner
Plays John Coltrane
McCoy Tyner (p), George Mraz (b), Al Foster (dr)
Aufnahme: Analog. Am 23. September 1997 im Village Vanguard,
New York, USA
Tonmeister: Jim Anderson
Masterung: Allan Tucker bei Foothill Digital, New York
Impulse/Universal 589 183-2
Das ist einer jener Live-Mitschnitte, in denen man sich sofort
mitten ins Geschehen hinein gezogen fühlt. Da klingeln im Hintergrund die
Gläser (gottseidank nicht unentwegt), da hört man auch leises Rascheln
und Raunen und letztlich das Mitgehen und die Schreie des entzückten Publikums
- und doch: Gerade Jazz lebt vom unmittelbaren Austausch des Künstlers
mit dem Publikum.
Doppelt interessant ist diese Scheibe, da ich an dieser Stelle vor einigen Monaten
die spätere Studio-Aufnahme für Telarc besprach, wo der Sound extrem
sanft und dennoch durchsichtig geflossen war. Diesmal klingt alles fetter, erdiger
und zugleich auch anschiebender.
Daran hat bestimmt die analoge Zweispur-Aufnahme ihren Anteil, die den Flügel
so richtig massiv auf die Bühne klotzt und ihm links einen fetten, aber
noch durchaus konturierten Kontrabass an die Seite stellt. Das Klavier besitzt
eine dynamische Fülle, die eine Anlage durchaus auf Impulsfestigkeit prüfen
kann, wie auch auf ihre Fähigkeit, mit Hochtönen umzugehen.
Die Überraschung ist das Schlagzeug von McCoys Leib-Drummer Al Foster,
dessen Metall-Teilchen geradezu atemberaubend echt aus den Hochtönern schwirren.
Ja, so klingt ein Becken, wenn es gut angeschlagen wird. Alle Achtung!
Toller Sound und meisterliche Selbstverständlichkeit
Dazu kommt, dass es wohl kaum einen Berufeneren gibt, Werke des seligen "Trane"
anzuspielen und zu formen als Tyner, der doch immerhin jahrelang in der Band
von Coltrane saß. Siebenmal Coltrane - einmal seine Originale, wie "Naima",
"Crescent", "After the Rain", "Mr. Day" und "Moment's
Notice" und dann jene Themen, die er einst selbst aufnahme, wie Mongo Santamarias
"Afro-Blue" and Billy Eckstines "I Want to Talk About You".
fließen ihm förmlich aus den Fingern und entwickeln sich mit einer
meisterliche Selbstverständlichkeit, die vielen Jungspunden als Vorbild
dienen sollte.
Das Booklet listet übrigens bei jeder Nummer das Coltrane-Original, wann
es gespielt wurde und auf welchem Label es erschien. Dafür fehlen jedwede
Texte über dieses herausragende posthume Geburtstags-Event (1997 wäre
Coltrane 71 Jahre geworden), das McCoy Tyner zum Anlass dieser, seiner eigenen
Produktion nahm.
Ein mehrfach begehrenswertes Album, das jede Jazz-Sammlung bereichert. Einlegen,
entspannen und sich in die pralle Live-Atmosphäre fallen lassen! Ludwig
Flich