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Disc der Woche

Mauve

Arkady Shilkloper (horn; alphorn), Alegre Correa (g; cajon), Georg Breinschmid (b), Endrigo Bettega (dr) ; Klaus Dickbauer (cl)

Aufnahme: Digital. Von 15. bis 21. Jänner 2001 in den Hey-U-Studios, Wien.
Tonmeister: Andreas Rathammer
Mastering: Heinrich Schläfer

Quinton/edel 0106-2

Das Gute liegt mitunter nah, und manche Propheten gelten auch im eigenen Land etwas. Das gilt seit kurzem für das aufgeweckte Jazz-Label „Quinton", das seinen Sitz im Milleniums-Tower in Wien aufgeschlagen hat. Andreas Rathammer und Heinrich Schläfer sind nicht nur zwei junge, ausgebildete Tonmeister, sondern sie nutzen ihre „goldenen Ohren" auch für ihre
eigenen Produktionen.
Und sie wissen, wie man heute ein neues Label bis zur Verpackung und Website hin anspruchsvoll präsentiert. Kaum überraschend, dass sich auch die Creme heimischer Jazz-Musiker von den Newcomern akustisch ablichten ließ, wie zum Beispiel Wolfgang Puschnig, Wolfgang Muthspiel, das Vienna Art Orchestra, oder - wie auf dieser CD - Georg Breinschmid und der brasilianische Wahl-Wiener Alegre Correa, beide bewährte Kämpen der Rhythmusgruppe des VAO.
Ich befragte die Quintons nach den Geheimnissen ihres guten Klangs, und Rathammer wie Schläfer tüfteln wirklich am Digital-Equipment herum, um den Sound der CD (die theoretisch schwächer sein muss als die HighBit-Aufnahme) dem Original-Master akustisch anzupassen.
Beide lassen demzufolge auch bei Koch-Digitaldisc in Tirol pressen, weil das Ergebnis mehr ihrer Vorstellung des Originals entgegen kommt.
Diese CD ist ein gutes Beispiel für hohen Aufwand, der sich lohnt. Mit nur geringer Illusion kann man sich in das Studio versetzen und an einem Act teil haben, dem man durchaus Live-Charakter zubilligen würde. So vital und dennoch entspannt geht es hier zu.
Gleich zu Beginn von „Kobra" die wuchtig knarzenden Griffe des Basses oder das leise Meckern wie saftige Schmelzen des Horns oder auf Track 2 („Presents to Moscow") die metallischen Qualitäten des Schlagzeugs.

Sheffields Moskauer Summertime
Arkady Shilkloper (46) ist einer der bunten Vögel der russischen Musik-Szene, der den Umschwung vom Sowjetstaat zum Kapitalismus mit Bravour bewältigte. Der klassisch ausgebildete Hornist spielte im Orchester des Bolschoi-Theaters und bei den Moskauer Philharmonikern und begann schon in den 80er-Jahren eine alternative Karriere als Jazzer.
Er war übrigens auf einer der frühen audiophilen Sheffield-Discs gemeinsam mit dem Pianisten Lincoln Mayorga zu hören: Nach einer Moskauer-Live-Session im Zeitalter West-Östlicher-Entspannung kam Shilkloper zum Klavier Mayorgas und swingte mit dem Amerikaner „Summertime". Die Aufnahme-Regler waren offen geblieben, und Sheffield veröffentlichte die Zugaben-Kuriosität auf ihrer ersten Test-CD auch als Beispiel für die Nachhall-Eigenschaften des Saals der Moskauer Philharmonie.
Die Kuriosität, mit diesem ungewöhnlichen Hornisten zu jammen, nutzen später auch andere Jazz-Stars aus dem Westen, wie etwa Lionel Hampton, Lew Soloff, Herb Ellis und Louis Sclavis. Shilkloper machte sich auch hierzulande einen Namen - in Christian Muthspiels Octet Ost und als Gast im Vienna Art Orchestra.

Tradition mit Brasil-Flair
„Mauve" bedeutet Malven-farbig, also tiefes Dunkelrot, und in „The Mauve Decade" zwischen 1890 und 1910 etwa, wurde der Jazz gesellschaftsfähig. Shilkloper, Correa und Breinschmid verbinden auf den neun Kompositionen - fünf von Correa, drei von Shikloper, eine von Torff („Manhatten") - Tradition mit angewandter Weltmusik.
Sie swingen in klassischen Harmonien, entführen weltmusikalisch gern nach Brasilien, ohne aber bloß in Samba-Rhythmen dahin zu tanzen. Shilkloper entlockt seinem Horn immer wieder erstaunliche Töne, und Correa, den man auch singen hört wie auch Breinschmid machen so viel Dampf, als wären sie gerade dem Trubel in Rio entkommen.
Ein musikalisch angenehmes und klanglich ansprechendes Album, das man unbedingt realistisch laut hören sollte, um alle Details zu genießen. Ludwig Flich

Bei Fragen steht Ihnen gerne Ihr Audio-Doktor Ludwig Flich persönlich zur Verfügung. Email: ludwig.flich@chello.at

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