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Louis Spohr
Ouvertüre in C-Dur
Quartett-Konzert in a-moll
Nonett in F-Dur
Leipziger Kammerorchester, Leipziger Streichquartett;
Sebastian Weigle. Ensemble Villa Musica
Aufnahme: Digital. Am 10. und 11. Jänner 1998 (Nonett) im Alten Kaufhaus, Landau
in der Pfalz, und am 2. März 1998 (Konzert und Ouvertüre) in der Ev.-luth. Bethaniengemeinde
Leipzig-Schleußig
Tonmeister: Friedrich Wilhelm Rödding
Dabringhaus & Grimm/Gramola MDG 307 0849-2
Er war der Grandseigneur der Geige in der noch jungen Romantik
und das deutsche Gegenstück zum italienischen Teufelsgeiger. Ludwig Spohr (1786-1859),
dessen Selbstportrait oben auch das CD-Cover ziert, machte als Geiger, Komponist
und Dirigent Furore und lebte auch in Wien, wo er sich mit Ludwig van Beethoven
anfreundete. Seine Gigs führten ihn durch den ganzen europäischen Kontinent,
und seine Geigenschüler erreichten die 200er-Marke.
Viele Kollegen, wie etwa Schumann, Mendelssohn, Chopin und vor allem Brahms
schätzten ihn, und sein Ruhm überlebte ihn bis zur Jahrhundertwende. Spätes
Lob erntete Spohr von Tschaikowsky, Dvorak und Mahler.
Er liebte Gesanglichkeit in der Musik über alles und reicherte sie mit chromatischen
Harmonien an, die bereits die Nähe des viel jüngeren Brahms ankündigen. Kurzum,
eine Ur-romantische Musik, die empfindsam schwingt.
Werner Dabringhaus & Reimund Grimm, die beiden Klangtüftler aus Detmold,
fallen seit Jahren durch ausgezeichnete Aufnahmen auf, wobei die Philosophie
des Hauses von ausgewählten Mikrofonen und ihren Standorten ausgeht und nicht
von HighBit-Technologie (in der D+G aber durch neueste DVD-As vertreten sind).
D+G-Discs vermitteln eher Konzert-Ähnlichkeit als Effekthascherei.
Der Sitzplatz in der fünften Reihe
Alle drei Aufnahmen zeichnet eine Fülle satter Harmonien aus. Im Fall der Ouvertüre
kann man sich sehr rasch vorstellen, vor einem mittelgroßen Orchester zu sitzen.
Der Klang wallt so kompakt und so dicht wie in einem Konzert, wie man es etwa
in der fünften Reihe zu hören bekommt, und bleibt dennoch so klar, dass man
genau erkennt, in welchem Bereich gerade Solisten ins Klangbild spielen.
Eindrucksvoll zeigt sich diese realistische Balance-Verteilung auch beim Konzert
für Streichquartett und Orchester - eine absolute Seltenheit in der Musikgeschichte
-, in der Spohr das Beste aus Kammermusik und Symphonik verbinden wollte. Die
vier Quartett-Musiker sitzen quasi vorne an der Rampe, und das Orchester dahinter
wird immer wieder gut eingebunden.
Wenn Ihnen vor fader Kammermusik graut - keine Angst, hier befinden sich die
vier Streicher meist im Dialog oder in Harmonie mit ihren Orchester-Kollegen.
Das Leipziger Streichquartett lässt diese schöne Musik durchatmen, und wer allein
in den so gefühlvollen langsamen Satz hineinhört, wird von der Feinheit ihrer
leisen Töne berührt sein. Das Konzert mündet schließlich in eine muntere Tarantella,
bei der wohl Mendelssohns "Italienische" die Patenrolle übernahm.
Sonor und luftig zugleich
Was Akustik ausmacht, erlebt man dann bei den ersten Takten des Nonetts. Hier
schwingt der Raum ganz anders aus als in Leipzig: Die einzelnen Instrumente
umgibt mehr Luft. Auch hier suggeriert die Aufnahmetechnik nicht hautnahes Analysieren
jedes Solisten, sondern die neun Musiker sitzen in etwa sieben Metern Entfernung
in einer Reihe (oder je nach Anlage: auch in einem Halbkreis) hinter den Lautsprechern.
Im Zusammenklang sonor vibrierend, kommt jeder Musiker bei seinem Solo sehr
realistisch ins Bild. Sehr gelungen der Ausklang des Nonetts mit einem Schlückchen
Rossini-Brio.
Das Ensemble Villa Musica ist übrigens in folgender Besetzung hören: Geige,
Bratsche, Cello und Kontrabass (links bis zur Mitte) und Horn, Fagott, Klarinette,
Flöte und Oboe (von der Mitte nach rechts).
Ludwig Flich