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Lakatos
As Time goes by
Roby Lakatos (v), Laszlo Boni (v), Oszkar Nemeth (kb), Ernest Bango (cimbalom), Kalman Cseki (p), Attila Ronto (g); Till Brönner (tr)
Aufnahme: Digital. Im Februar 2002 im Teldex Studio,
Berlin, Deutschland
Tonmeister und Editing: Rainer Maillard; Wolf-Dieter Karwatky
DG 471 562-2
Roby Lakatos, der Mann in der Mitte mit dem elegant hinauf
gezwirbelten Schnurrbärtchen, ist ein untypischer Primas. Er bewegt sich
nämlich nicht nur in der zigeunerischen Klangwelt, sondern - ähnlich
seinem romantischen Vorfahren Janos Bihari, der angeblich geigte wie der Bruder
von Paganini - schlüpft auch virtuos in andere Stile.
Ich kann mir vorstellen, dass Barockmusik mit Lakatos (36) und seiner mit Klavier
aufgemotzten Minikapelle ein großer Spaß wäre, aber eigentlich
bewundern ihn seine Fans für seine Ausflüge in Jazz- und Salonmusik-Regionen.
Selbst der selige Stargeiger Sir Yehudi Menuhin soll das Lakatos-Fiedeln bewundert
haben, und weltweite Aufträge halten den geschätzten 100-Kilomann
ständig auf Trab, führen ihn und seine Band von Sydney bis Boston
und von Istanbul bis St. Petersburg.
"Der König der Zigeuner-Geiger" wuchs in Brüssel auf, wo
er interessanter Weise für die Crossover-Abteilung der Klassik-DG entdeckt
wurde. Diesmal lässt sich der begehrte Roby, der u.a. heuer in Berlin sogar
mit dem Deutschen Symphonie-Orchester ein Silvesterkonzert bestreitet (im "Tempodrom",
falls Sie hinfahren wollen), Film-Melodien auf seinem Roderich-Paesold-Geigenbogen
zergehen.
Gleich der erste Titel aus "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh",
einst von Pierre Richard verkörpert, zeigt die Leichtigkeit, mit der Lakatos
Themen einkocht und ein bisschen mit Paprika und Latin Touch nachwürzt.
Genau diese Mischung ist das Erfolgsrezept: Lässige Puszta-Anklänge
in aktuellem Crossover-Umfeld.
"Casablanca" darf bei dieser Pop-und-Corn-Sammlung eben so wenig fehlen
wie "Der dritte Mann", wo Roby seiner Spezialität, dem virtuosen
Pizzikato-Zupfen, ausgiebig frönt, oder die großen Dramen "Der
Pate" und "Es war einmal in Amerika".
Wenn Lakatos einmal erklärte, das er die Musik seiner Ahnen "fit fürs
21.Jahrhundert machen" will, dann sind das auch auf dieser CD jene exotisch-zigeunerisch
eingefärbten Tracks (11, 4, 11, 12) in welchen man das innere Feuer und
die grenzenlose Hingabe des Primas am heißesten spürt. Die drei sanften
Trompeten-Soli von Till Brönner bilden zusätzliche gefällige
Atmosphäre-Tupfer.
So edelsüß wie Klassik-Luxus
Prof. Rainer Maillard ist - wie viele andere Klassik-"Tonmeister"
- nicht mehr Teil der umstrukturierten "Deutschen Grammophon". Er
arbeitet jetzt für das auf neueste Aufnahme-Techniken spezialisierte "Emil-Berliner-Haus"
und wird nach wie vor für Spezial-Aufträge von seiner Ex-Firma angemietet.
Ein modernes Arbeits-Schicksal also.
Maillard, der auch mit Maestro Gardiner arbeitete und hier die Beethoven-Symphonien
von Regieplatz aus mitgestaltete, erhielt mehrere Preise für seine Arbeit,
so u.a. für die Sechste Symphonie von Gustav Mahler (Boulez, Wiener Philharmoniker),
klanglich die wahrscheinlich beeindruckendste Aufnahmen des dynamisch fordernden
Riesenwerks.
Für die sechs Musiker wählte Maillard eine "klassisch"-bewährte
Raumaufteilung im Teldex-Studio in Berlin: Dominant und dennoch schön ins
Gesamt-Konzept eingegliedert, ist Roby zu hören, links davon ganz vorne
die Gitarre, dahinter das Klavier, während auf der rechten Seite das Cimbalom
und dahinter der Kontrabass ihre pointierten Einwürfe darbieten.
Natürliche Homogenität vor künstlicher Aufgeteiltheit kennzeichnet
dieses Klangbild, das in etwa auch einem natürlichen Klang in fünf
Metern Entfernung entspricht. Die Aufstellung der Instrumente wurde - ja nach
Arrangement auch geändert.
Das neueste Aufnahme-Equipment Maillards merkt man besonders an zwei Eigenheiten:
Die süße, sinnliche Fülle des Geigenklangs fällt unter
realistischen Luxus, und die Aufnahme ist hoch ausgesteuert (Digital Null),
was der optimalen Ausreizung der D/A-Wandler in jedem CD-Player optimal entgegen
kommt. Und so nebenbei auch die dynamischen Feinheiten von Lakatos' Spiel noch
besser zur Geltung bringt. Genussvolles Schwelgen. Ludwig Flich
Bei Fragen steht Ihnen gerne Ihr Audio-Doktor Ludwig Flich persönlich zur Verfügung. Email: ludwig.flich@chello.at
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