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Johann Nepomuk Hummel

Konzert für Mandoline und Orchester in G-Dur
Konzert für Trompete und Orchester in E-Dur
Freudenfest-Ouvertüre
Das Zauberglöckchen: Ballettmusik

Alison Stephens (Mandoline), Urban Agnas (Trompete); London Mozart Players; Howard Shelley

Aufnahme: Digital (24Bit/96kHz). Am 11. und 12. Dezember 2000 in Kirche St. Silas der Märtyrer, Kentish Town, London, UK
Tonmeister: Jonathan Cooper; Peter Newble, James Atkins

Chandos/Koch CHAN 9925

Dieser dickliche Herr, der einem da auf Seite 2 des Booklets entgegen feixt, besaß das Zeug, der Chef der Wiener Komponisten zu werden. Doch dem Johann Nepomuk (1778-1837), der wegen seiner Begabung sogar gratis bei Mozart studieren und wohnen durfte und der dann als Nachfolger Haydns als Esterhazyscher-Kapellmeister erneut beste Referenzen vorzuweisen hatte, traf auf einen übermächtigen Gegner, dazu noch auf einen Zugereisten: Ludwig van Beethoven.
Die beiden waren befreundet, dann wieder befeindet, und gegen Ende von Beethovens Leben wieder versöhnt. So spielt das Leben.
Hummel pflegte einen Stil, den das Cover gut wiederspiegelt. Es ist romantische Musik im besten Sinn, ein bisschen gefärbt vom italienischen Schöngesang "Belcanto", virtuos und immer gefällig. Er galt als einer der größten Klavier-Virtuosen seiner Zeit, der zum Beispiel sogar den jungen Chopin zum einen Konzert anregte. Ein Ausspruch eines Kollegen ist verbürgt: "Spielt da der Teufel oder ist es der Hummel?"
Howard Shelley gilt als größter Hummel-Prophet unserer Tage. Dieser blendende Pianist hat bereits mehrere Klavierkonzerte Hummels zum Leben auf CD wieder erweckt. Doch diesmal begnügt er sich mit seiner Rolle als sehr vital agierender Dirigent und überlässt das Solisten-Dasein zwei jungen Musikern aus England und Schweden.

Von der Klassik zur Romantik
Die Mandolinen-Virtuosin Alison Stephens weist darauf hin, dass sie bisher unbekanntes Notenmaterial vor der Aufnahme entdecken konnte, und dass daher dieses freundliche, klassisch-orientierte Konzert in einer Form erklingt, wie es Hummel letztlich wünschte.
Neben dieser Premiere erklingt das Trompetenkonzert, das einst der berühmte Franzose Maurice André auf den Konzertpodien dieser Welt heimisch machte, bis es ihm schließlich dutzende herausgeforderter Kollegen nachmachten. Wenn es ein Trompetenkonzert je zu Ruhm brachte, dann wohl dieses (gefolgt von Haydn möglicherweise).
Urban Agnas spielte bei den Stockholmer Kammer-Blechbläsern mit und begann vor immerhin 16 Jahren seine Solisten-Karriere. Heute unterrichtet er sowohl in Stockholm wie in Köln. Er legt das Konzert durchaus klassisch an und lässt seine Trompete meisterlich stimmenähnlich im zweiten Satz (einer unverhüllten Mozart-Hommage) singen. Im bekannten dritten Satz, hier ein bisschen deftig angelegt, setzt er anfangs amüsante Pausen, so als wollte er die nachfolgende Virtuosität noch spannender machen.

Klarheit im Kirchenhall
Chandos verstand immer schon, wie man Musiker in Räumen abbildet. Unterstützt von 24/96-Technik lauschen wir einem Orchester mit etwa 30 Musikern, die gut in die Tiefe der Kirche gestaffelt sind. Die Mikrofone stehen allerdings nicht zu weit entfernt, sodass die Klarheit nicht im Kirchenhall ertrinkt.
Die beiden Solisten sind zentral in der Mitte platziert, und hinter dem duftigen Streicherteppich kommen die Bläser, sowohl das "Holz" (Oboen, Flöten, Fagotte, Klarinetten) wie das Blech (Hörner und Trompeten) gut ins Klangbild. Auffällig ist die Sauberkeit, mit der auch laute Passagen abgebildet werden. Die reinen Orchesterstücke, wie etwa das "Zauberglöckchen", zeichnen sich durch gut dosierte Perkussions-Spektakel aus, die hier mit einer Klarheit umgesetzt werden, dass ich von der Echtheit etwa des ersten Beckenschlags total überrascht wurde.
Eine sehr angenehme und stress-ableitende Musik, die man in Zeiten wie diesen durchaus gebrauchen kann.

Ludwig Flich