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Disc der Woche

Jazz Live from New York

Jimmy Heath (t-sax), Dizzy Gillespie, Clark Terry (tr), Oscar Peterson, Dave Brubeck, Hank Jones (p), Ray Brown, George Mraz (b), Karriem Riggins (dr),
Jim Hall, John und Bucky Pizzarelli (g), Stéphane Grappelli (v), Lionel Hampton (vib); Jon Hendricks (voc), u.v.v.a.


Aufnahmen: Digital. Von 1990 bis 1998 im Blue Note, Village Vanguard, Michael's Pub und Village Vanguard, New York, USA.
Tonmeister: Jack Renner, Michael Bishop

Telarc/Musica 2CD-83519 (2 CDs zum Sonderpreis)

Unbeschwertheit kommt trotz des Bilderbuch-Covers nicht auf: Noch ragt die Silhouette der beiden Türme des World Trade Centers in den abendlichen Himmel von New York.
Dieser Sampler aus 15 Sessions in berühmten Jazzclubs ist demzufolge auch Geschichte einer vergnügungssüchtigen Stadt, die es in dieser Leichtigkeit des Scheins wohl nicht mehr geben wird.
So mancher der Künstler dieser Live-Mitschnitte ist ebenfalls bereits Erinnerung: Dizzy Gillespie etwa, Grappelli, Lionel Hampton, aber die Aufnahmen, die Telarcs Mitbegründer Jack Renner höchstpersönlich und immer mit dem feinsten Digital-Equipment mitschnitt, stellen sie wieder mitten in den Kreis ihrer Bewunderer.
Selbstverständlich ist das ein Appetizer, ein Album, das Geschmack auf mehr machen soll, aber oft liegt ja in solchen Zusammen-stellungen ja der Vorteil, dass man viele Kontraste hört und sich dann die Rosinen herauspicken kann.

Gut aufgebaute Zusammenstellung
Mir persönlich würde die Beschränkung auf nur eine Session schwer fallen, weil ich schon mehrere der darin enthaltenen CDs komplett gehört habe. Die Tracks sind aber gut ausgewählt und sogar logisch zu kleinen Bögen verbunden, wie etwa die ersten drei Nummern, die den unvergesslichen Dizzy Gillespie in den Mittelpunkt stellen: gleich zu Beginn mit der Bigband-Version von "A Night in Tunisia" (in Star-Besetzung), dann mit dem Posaunisten Al Grey "Diz Related" und schließlich Gillespie, den Meister der unglaublich aufblasbaren Wangen, persönlich mit "Con Alma". Gerade in diesem sanften Stück zeigt sich die Feindynamik Gillespies, die von der Aufnahme auch großartig freigelegt wird.
Und wer einmal eine schmeichelweiche Geige hören will, wird sich in Stéphane Grappellis "Do you know what it means to miss New Orleans" (was für ein Titel!) verlieben. Hier spielen übrigens Vater und Sohn Bucky und John aus dem berühmten Gitarren-Geschlecht der Pizzarellis mit.
Erstaunlich zusammenhängende Stimmung kommt auf, wahr-scheinlich durch den immer wieder aufbrandenden Applaus verbunden, und so kann man mehr als zwei Stunden einer virtuellen Vereinigung vieler Stars lauschen.


Ludwig Flich