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"Habanera"
Paquito D'Rivera (clar, a-sax),
Kenny Drew Jr. (p),
Michael Formanek (b),
Clarence Penn (dr),
Mino Cinelu (perc),
David Taylor (b-trb);
das Absolute Ensemble unter Kristjan Järvi
Aufnahme: Digital. Im September 1999 in den Clinton Studios,
New York, USA.
Tonmeister: Wilhelm Zürrer
Enja/edel ENJ-9395-2
Diese CD bietet Klang-Forschern faszinierende Entdeckungen.
Zunächst handelt es sich um ein Album, auf dem der von seinen Chesky-CDs wohlbekannte
kubanische Saxophonist und Klarinettist Paquito d'Rivera aufspielt. Dieser Mann
ist Garant dafür, dass "Latin" nicht bloß aus der Sicht der BuenaVista-Opas
wahrgenommen wird, sondern Bezüge zur modernen Musik unserer Zeit aufdeckt.
Einige seiner Begleiter sind Meister ihres Fachs, wie etwa der Perkussionist
Mino Cinelu, der auf zwei Tracks (9 und 13) - den beiden "Moon Dances"
- das volle Repertoire seines Könnens ausspielt.
Diese Mond-Tänze zeigen die Qualitäten der Aufnahme auch Ersthörern: Um die
Gong, Tablas und Rasseln, dazu dem exstatischen, sehr realistischen Mitstöhnen
Cinelus, schwingt der leere Studiosaal mit. Die Einschwingvorgänge sind mitunter
blitzschnell, und sie wie die langsameren Nachhall-Eigenschaften definieren
auch die Qualität jeder HiFi-Anlage.
Aber es gibt noch viel mehr: etwa ein Streichquartett auf Track 2, ein schön
tanzendes Klavier - Kenny Drew Jr. macht seinem Namen alle Ehre - auf "Birks
Works" und "Caravan".
Absolut tolle Begleitung
Apropos Standards: Mit von der Partie ist das mehrfach ausgezeichnete Absolute
Ensemble, eine multifunktionale Formation mit 19 InstrumentalistInnen unter
Kristjan Järvi, ihrem aus Estland stammenden Leiter aus dem Dirigenten-Clan
der Järvis.
Die Absoluten, die mit dem fast gleichnamigen Wodka nur die unendliche Verzückung
der Kunst-Genießer gemein haben, spielen Moderne, Crossover, Rock und Jazz,
wobei sich ihre Live-Programme durch Pausen-loses Ineinanderfließen der Musiknummern
auszeichnen.
Diese Band bietet einen virtuosen und geschliffenen Background für viele Nummern,
und D'Rivera konnte daher bei den witzigen Arrangements der Gershwin-Preludes
mit einer absolut tollen Unterstützung rechnen.
Gershwin kommt noch einmal zu Ton, und zwar mit einer geschickten Mischung aus
"I Got Rhythm"-Variationen und der "Cuban Overture", wobei
im ersten Teil (wie im Original) das Klavier von Drew das Sagen hat und ab 6:30
dann D'Riveras sanftes Gebläse.
Die CD, die immer neue Klang-Eindrücke präsentiert, wie etwa die plastischen
Bläser bei "Alborada", klingt stilvoll mit "Lecuonerias"
solistisch aus. Hier zeigt D'Rivera noch einmal sein gesamtes Repertoire an
Klang-Gestaltung.
Musikalisch wie klanglich ein beeindruckendes Erlebnis.
Ludwig Flich