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Enrique Granados
12 Danzas Espanolas
(orchestriert von Rafael Ferrer)
Salvador Brotons, Orquestra Simfonica de Barcelona i Nacional de Catalunya
Aufnahme: Digital. Von 5. bis 9. September 2000 im
Kulturzentrum Sant Cougat de Valles, Barcelona, Spanien
Tonmeister: Andrew Lang
Editor und Produzent: Peter Newble
Naxos/Gramola 8.555956
Granados (1867-1916) erreichte nie die Polularität von
Rodrigo oder De Falla, aber seine Tonsprache lässt jeden Hörer rasch
in romantische Spanien-Bilder kippen. Wobei ja witziger Weise viele Ausländer
- vor allem Russen und Franzosen - die bekanntesten spanischen Orchesterwerke
schrieben.
Auch der ausgebildete Pianist Granados begann zunächst ganz klein: als
Kaffeehaus-Unterhalter. In Paris, wo er weiter studierte, sollen diese zwölf
"Spanischen Tänze" entstanden sein. Natürlich für Klavier.
Ihre bildhafte Art inspirierte aber bald Arrangeure, welche manche Tänze
für größere Ensembles bearbeiteten.
Die von Rafael Ferrer umfasst alle 12 Stück und malt in den Farben, die
zur Kompositionszeit weithin üblich waren: Ein großes Symphonie-Orchester
ohne moderne Percussion schwelgt in einer herbstlich satten Palette, die einerseits
viel Raum lässt für effektvolle Paukenschläge und Trompeten-Geschmetter,
und andererseits mit kammermusikalischen Solisten-Dialogen das Hörvergnügen
immer wach hält.
Filmfreunde werden sich vielleicht an Michel Devilles Thriller "Gefahr
im Verzug" (mit Michel Piccoli, Richard Bohringer, Nicole Garcia) erinnern,
wo zwei dieser Tänze, Nummer 2 "Oriental" und 4 "Villanesca",
die schillernde Handlung um einen jungen Gitarrelehrer begleiteten. Nummer 5
"Andaluza" wurde vielleicht am bekanntesten und schwebt hier mit besonderem
Gefühl.
Granados eigenes Schicksal erinnert an einen Roman. Wegen eines Klavierabends,
den er für den amerikanischen Präsidenten gab, versäumten er
uns seine Frau das Schiff nach Europa. Sie nahmen daher das englische Kriegsschiff
Sussex, das im Kanal von einem deutschen U-Boot torpediert wurde. Angeblich
ertrank der 49jährige Komponist, weil er von seinem umgeschnallten Geldbeutel
in die Tiefe gezogen wurde....
Hervorragend zu ortende Solisten
Seine Musik scheint für gekonnte Orchester-Aufnahmen wie geschaffen. Den
Symphonikern aus Barcelona liegt sie offenbar ebenso im Blut wie dem Dirigenten
Salvador Brotons (*1959), der als gelernter Flötist und Komponist den Zwischentönen
und der Feindynamik Granados' viel abgewinnen kann. Abgesehen von den freudigen
Sonnenstrahlen des blitzenden Blechs erinnern viele Passagen an die zart besaitete,
mitunter melancholische Klavier-Fassung. Hier können sich die Solisten
des Orquestras in jedem Fall stolz hören lassen.
Andrew Lang ist ein echt englischer "Tonmeister", der sein Diplom
an der Surrey Universität erwarb. Er war zuerst Editor beim bekannten UK-Schallplattenlabel
Chandos und schrieb eine Theorie über die bestmögliche Wiederherstellung
historischer Aufnahmen. Bei seiner Firma K&A gilt er als Spezialist für
Surround-Aufnahmen und konnte mit seinen DVD-Audios für Naxos (u.a. Vier
Jahrezeiten) bereits viel Lob für den Klangeindruck einheimsen.
Lang kennt auch die Highbit-Szene, und seit kurzem nimmt K&A auch in DSD-Technik
(für SACDs) auf. In Barcelona stand noch kein DSD-Equipment im Studio,
aber auch so schaffte es Lang, das Orchester-Podium in eine Art kompakten Guckkasten
zu verwandeln, der von den Lautsprechern in die imaginäre Saaltiefe reicht.
Was sofort auffällt, sind die seidigen Streiche mit Schmelz, die kernigen
Kontrabässe und das Fell der Pauke. Qualitäten, die einiges an Erfahrung
und Können voraussetzen. Exzellent ist auch die "Sicht" ins Orchester,
wo die Solisten genau an ihren Plätzen zu orten sind, und jede Kombination
aus unterschiedlichen Instrumentengruppen so klar wie nur auf dem optimalen
Konzertplatz wahrgenommen werden kann.
Eine reiz- und stimmungsvolle CD, die mehr kann als sie verspricht und zudem
dank ihres Mini-Preises zum unschlagbaren Kauftipp wird.
Ludwig Flich
Bei Fragen steht Ihnen gerne Ihr Audio-Doktor Ludwig Flich persönlich zur Verfügung. Email: ludwig.flich@chello.at
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