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Duke Ellington
& John Coltrane

John Coltrane (t-sax, s-sax), Duke Ellington (p), Aaron Bell oder Jimmy Garrison (b), Elvin Jones oder Sam Woodyard (d)

Aufnahme: Analog. Am 27. September 1962 im Van Gelder Studio, Eaglewood Cliffs, New Jersey, USA
Tonmeister: Rudy Van Gelder
Digital Remastering: Erick Labson, MCA Music

Impulse/Universal IMP 11662

Wo verbirgt sicht die "musikalische Wahrheit"? Auf LP, die CD, eine DVD? Bald hat sich das Gehör auf den jeweiligen Klang eingehört, und dann stimmt es eben. Ohne die originalen Masterbänder zu kennen, tappt man immer ein bisschen im Dunkeln.
Allerdings helfen uns Parameter wie "Mehr Musikalität", "Realistischere Obertöne" oder "Besser Feindynamik", um eine besser überspielte Aufnahme von einer weniger guten zu unterscheiden.
Gerade so ging es mir mit dieser Scheibe, die ich einst in Analog-Zeiten als (ziemlich knisternde) LP besaß und dann her schenkte. Bei Jazz nehmen viele Fans Störgeräusche so ergeben hin, als suggerierten sie - gerade bei Saxophon - rauchige "Round Midnight"-Stimmung und Publikums-Atmosphäre. Das hat schon was für sich, denn bei Studio-Einspielungen vermutet man immer ein bisschen Sterilität im Hintergrund - nicht wahr?

In A Sentimental Mood
Die sieben Nummern dieser legendären Disc entstanden im Studio (wie übrigens auch viele der besten, frühen Miles-Davis-Nummern) des später hoch gerühmten Rudy Van Gelder. Der hatte schon ein gutes Händchen dafür, wie man Drums oder Saxophone gekonnt in Szene setzt, und wenn auch hier die Bassisten und Drummer im Doppelpack auftreten und fast bei jedem Track wechseln, so gelang dennoch ein durchgehender Spannungsbogen.
Am berühmtesten wurde gleich die erste Nummer "In A Sentimental Mood", in dessen vier Minuten beide Protagonisten ganz aus der Tiefe ihrer Emotionen schöpfen. So samtig, so streichelweich, gab sich "Trane" nur selten. Ellington packt seinerseits sein Schatzkästlein intelligenter Begleitung aus, die man hier - einmal ohne das Rumoren seiner Bigband - hautnah miterleben kann.
Wie die Startnummer stammen fast alle Titel vom "Duke" persönlich, so auch das witzige "Take the Coltrane" (anstatt des "A-Trains") oder das nostalgisch getrommelte "Angelica". Coltrane zeichnet nur für "Big Nick" verantwortlich.
Coltrane steht mit seinen Saxes immer dominant im linken Kanal, während der Duke am etwas abgedunkelten Klavier die Mitte besetzt. Der Bass zupft ebenfalls aus der rechten Mitte, während das Schlagzeug im rechten Kanal teilweise verblüffend realistisch aufmacht und das Metallische der Becken sehr gut hörbar macht.
Die 20-Bit-Masterung klingt sehr hoch ausgesteuert; sie deckt damit auch Nuancen auf, die frühere Veröffentlichungen in den kleinsten Bit-Einheiten einfach nicht mehr berücksichtigten.
Durch einen Zufall entdeckte ich dieselbe CD in einer japanischen Pressung, die ebenfalls von Universal Österreich an selektierte Händler ausgegeben wird. Diese wurde mit 24Bit-96kHz überspielt (Bestellnummer: Impulse Stereo AS-30/UCCI-9004), könnte also auch Basis einer DVD sein, wurde aber für CD zurechtmodelliert.

20Bit/44,1kHz oder 24/96
Vergleicht man beide Versionen, so zeichnet sich die "europäische" durch eine insgesamt härtere Konturen aus, was dem Klavier mehr Kanten verleiht und den Bass etwas entfettet. Das hat was für sich. Aber beim Saxophon wie beim Schlagzeug hätte ich umgekehrt entschieden. Da bringt die "japanische" Fassung einfach mehr Wärme und Sonorität ins Tenor-Sax, und auch das Spiel der Metalle (Becken und Besen) wirkt nun stimmungsvoller, weniger geräuschintensiv und feindynamisch reizvoller.
Die Unterschiede mögen klein sein, aber die Frage nach der musikalischen Wahrheit stellt sich hier einmal mehr. Wer Lust zu einem interessanten Vergleich hat, besorge sich in einem der wesentlichen Jazz-Shops noch ein Muster der japanischen 24/96-Überspielung.

Ludwig Flich

PS: Ohne Vergleich macht auch die "normale" (und billigere)
20-Bit-Version froh.