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Anton Dvorák
Symphonie Nr. 9 "Aus der Neuen Welt"

Friedrich Smetana
Die Moldau

Franz Liszt
Les Préludes

Ferenc Fricsay, Berliner Philharmoniker und Radio-Symphonie-Orchester Berlin

Aufnahme: Analog. Im Oktober 1959 (Dvorák), September 1959 (Liszt) und Jänner/Februar 1960 (Smetana) in der Jesus-Christus-Kirche, Berlin, Deutschland
Tonmeister: Werner Wolf (Dvorák), Gerhard Henjes
Editing: Peter Schröder (Dvorák), Hans-Peter Schweigmann, Rolf Peter Schröder

DG Originals 463 650-2

Was haben die alten Hexenmeister im Studio bewegt, dass derartige Aufnahmen heute noch spitzenmäßig klingen? Erstens einmal musste ein potenter Künstler vor den Mikrofonen stehen, und Ferenc Fricsay galt um 1960 als einer der ganz großen Europäer. Ihm lag die Vitalität im ungarischen Blut, und auch diese drei Werke sind unter einen Begriff zusammen zu fassen: Spannung.
Man darf nicht vergessen, dass im Jahre 1959 Stereo in Deutschland noch kein alltäglicher Begriff war, und die Techniker feilten um jeden Zentimeter, damit es auf der LP so klang wie im Studio. Und wahrscheinlich noch deutlicher.
Das macht sich letztlich bis heute bezahlt, denn ich würde auch die neuesten Digital-Aufnahmen an den Fingern abzählen, die eine derartig anspringende Plastizität besitzen wie dieser bereits 40jährige Meilenstein. Aber Meilensteine sind eben nur schwer zu übertreffen.
Was Sie hier an Details förmlich "sehen", an wohl timbrierten Klangfarben der Holzbläser fühlen und an blitzender Dynamik beim Blech und der massiven Pauke (rechts übrigens) spüren können, ist schon grenzgenial. Dazu kommt noch die Ortbarkeit der einzelnen Musiker im Kirchenschiff der für ihre Akustik berühmten Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem.

Rhythmischer Drive
Musikalisch zeichnete Fricsay das aus, was viele seiner Kollegen vergessen hatten: Dirigent sein hieß für ihn, den Willen des Komponisten über die eigenen Herrlichkeit zu stellen. Er konnte vermitteln, warum Musik zur international verständlichsten Sprache wurde, und machte mit eingebürgertem Pathos und Schlamperei kurzen Prozess.
Anstatt Sentimentalität zieht daher durch diese "Amerikanische Symphonie" der Drive eines Komponisten, der sich seiner Qualitäten voll bewusst ist und seiner kurzzeitigen, kulturarmen "Neuen Heimat" einen symphonischen Startschuss schenken wollte.
Es gibt mehr als 60 Aufnahmen dieser Evergreen-Symphonie im Katalog, und darunter nimmt die Fricsay-Aufnahme einen Rang unter meine "Top 5" ein (die anderen sind Neumann, Kubelik, Kondraschin und neulich Harnoncourt).
Geradezu filmreif entwickelt sich "Die Moldau" mit ihren so unterschiedlichen Fluss-Schilderungen, und "Les Préludes", deren Signale zur Aufnahmezeit noch politisch überfrachtet waren, klingen heute wieder - wie wohl zu Liszts Zeiten - als Motto einer letztgültigen Abschiedsmusik.
Die "Originals"-Restaurierung der offenbar gut erhaltenen Masterbänder bringt noch mehr Details zu Gehör als die bisher erhältliche CD; das Rauschen fällt nur an wenigen Stellen, und auch da nicht störend, auf - vorausgesetzt, dass die Anlage nicht höhenintensiv getrimmt ist. Eine CD, die zum MidPrice beinahe ein Geschenk ist.

Ludwig Flich