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Film-Soundtrack
"Der König tanzt"
Reinhard Goebel,
Musica Antiqua Köln;
Céline Scheen (Sopran),
Ex Tempore-Chor
Aufnahme: Digital.
Im Juli 1999 in der Melanchton-Kirche, Köln, Deutschland.
Tonmeister: Hans-Ulrich Bastin; Mark Buecker, Reinhard Lagemann
DG/Universal 471 142-2
Der Film, ein Fest der Sinne. Ludwig, der junge "Sonnenkönig", tanzt. Vor seinem Hofstaat. Und er tanzt zur Musik des zugereisten Italieners Giovanni Battista Lulli, der, 14jährig, als Küchengehilfe am Pariser Hof angefangen hatte, und sich bald elegant Jean-Baptiste Lully nennen wird. Bald steigt er zum absoluten Staats-Komponisten Frankreichs auf, der die musikalischen Strahlen um den "Allerchristlichen König" leuchten lassen darf.
Wenn man Regisseur Gérard Corbiau traut, so erkannte der 30jährige Komponist rasch die geheimsten Wünsche des sensibel-misstrauischen, um sechs Jahre jüngeren Königs, und schrieb ihm die passende Hofmusik, von der auch bald halb Europa träumen sollte.
Dazu drillte der, überlieferter Maßen, jähzornige Lully sein Orchester, die "24 Geiger des Königs", auf einheitlichen Bogenstrich und forderte für seine Hof-Opern und Ballette zusätzliche Kräfte für die Bläser und Trommler an. Die textliche Basis vieler Werke liefert der nicht minder bekannte Schauspieler-Dichter Molière.
Virtuoser Geiger ohne Taktstock-Gepolter
Einer der größten Originalklang-Spezialisten der Welt, Reinhard Goebel, übernahm
mit seinem bekannten Ensemble Musica Antiqua Köln (etwas mehr als 40 MusikerInnen)
die Ausführung dieser prunkvollen Musik, die aus Werken von Lully und seinen
Zeitgenossen Jacques Cordier, Michel Lambert und Robert Cambert ausgewählt wurde.
Teilweise wurde sogar aus Manuskripten gespielt.
Goebel dirigiert nicht wie einst Lully mit polterndem Taktstock, sondern geigt
immer noch höchst virtuos am ersten Pult. Das ist auch gesünder: Lully schlug
sich in seinem Brio einmal auf seine Zehen und starb, kaum 55jährig, am damals
unheilbaren Wundbrand.
Diese CD besitzt nicht nur eine erfreulich lange Spielzeit (mehr als 75 Minuten),
sie zeichnet sich auch durch Abwechslungs-Reichtum aus.
Auf 35(!) Tracks wird die ganze Bandbreite des sonnenköniglichen Zeremoniells
ausgebreitet: Liebes-Arien ebenso wie zärtliche Schlaflieder, auf der anderen
Seite überirdisch pompöse Ballette, in denen extrem tiefe Trommeln "grooven",
und die alten, darmbesaiteten Geigen wild mit Sklaven und Affen tanzen oder
gar die grelle, türkische Janitscharen-Musik - Frankreich und die Osmanen waren
gegen die Habsburger verbündet - nachahmen.
Das sind ungewohnt kraftvolle und mitreißende Töne, die einen - auch ohne den
Film gesehen zu haben - das Besondere dieser einzigartigen Königs-Verherrlichung
spüren lassen. Die Aufnahme fängt das Brillante und Schwirrende der Triller,
die Sinnlichkeit der darmbesaiteten Geigen, die Leichtigkeit der Flöten und
die Dynamik der alten Pauken, Trompeten und Trommeln sehr getreu ein.
Wie ein Abend bei Louis XIV. in Versailles. Laut gespielt, einfach königlich.
Ludwig Flich