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Cristina Branco
corpo iluminado
Cristina Branco (voc), Custodio Castelo (g), Alexandra Silva (va-g), Fernando Maia (b-g), u.a.
Aufnahme: Digital. Im Jänner 2001 im Studio Nunes, Pé de Vento, Portugal
Tonmeister: Fernando Nunes
Emarcy/Universal 014 151-2
Schon die Eingangstakte des "Beleuchteten Körpers" erzeugen erwartungsvolle Spannung: Drei Gitarren zaubern schlagartig mediterrane Atmosphäre. Und dann diese Stimme. Zurecht gilt Cristina Branco seit zwei Jahren als die neue, große Interpretin des "Fado".
Spielen Sie diese CD vor, ohne das Cover zu zeigen, und lassen Sie die Sprache erraten. Ich garantiere: Es ist nicht leicht (Übersetzungen in Englisch und Französisch sind vorhanden).
Fado gehört zu Portugal, besser zu Lissabon, so wie der Rembetiko zu Athen, der Cajun zu New Orleans oder der Tango zu Buenos Aires.
Fado ist es eine Gesangsform, die Liebes- und Weltschmerz in so schwermütigen wie sinnlichen Farben besingt. Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen "Fatum": Schicksal. Schicksale der Liebe, die Leiden schafft. Also Leidenschaft pur.
Mísia und Dulce Pontes heißen die auch bei uns bekanntesten aktuellen Fado-Promotorinnen, und selbst die Gruppe Madredeus nimmt gern Fado-Elemente in ihre Musik auf. Cristina kam vor zehn Jahren durch Lieder von Amalia Rodrigues auf den Geschmack.
Sie ist eine blendende Erscheinung, mit ihren ausdrucksvollen Augen und den hohen Backenknochen, und die männlichen Verehrer der 28jährigen Sängerin sollen bereits Legion sein - auch in Frankreich, Holland und seit heuer auch in den USA.
Cristina Branco besitzt eine schlanke, offene Stimme, die ohne zitterndes Tremolo poetische Geschichten erzählt - meist natürlich von der Liebe, von der erfüllten, gerade entflammten oder enttäuschten. Lässt sie einmal bei manchen langen Tönen die Stimme vibrieren, dann wirkt diese Zugabe umso stärker. Alle Berichte ihrer Konzerte schwärmen von ihrer Bühnen-Präsenz, was natürlich bei einer reinen Studio-Produktion nicht so leicht hörbar wird.
Fusion von Fado und Blues
Stilistisch mischt ihr Mann, der Komponist und Lead-Gitarrist Custódio Castelo kräftig mit, und von Anfang an gelang es beiden, einen modernen Fusion-Stil zwischen Fado, Saudade, Blues und Jazz zu entwickeln. Die Texte - moderne Poesie und "Klassiker" wie Fernando Pessoa - enthalten auch oft herbstliche Stellen, aber mitunter schlägt auch das südländische Temperament durch, wenn die Gitarren fröhlich um die Wette zirpen. Da liegen Brasilien und Griechenland wirklich nur einen Katzensprung von Lisboa entfernt.
Bei der Wiedergabe dieser nur mit leichtem Hall aufgefetteten Aufnahme kommt es auf eine wirklich ausgewogene tonale Balance der Wiedergabekette an. Die zwölfsaitige "portugiesische" Gitarre, die Castelo oft virtuos erklingen lässt, besitzt einen anderen Klang als die uns vertraute "spanische" Gitarre (mit sechs Saiten) von Silva; dazu kommt die große, sonore Bass-Gitarre von Maia, die der Musik erst ihre unverwechselbare harmonische Stütze gibt.
So sämig diese drei Gitarren auch das Zimmer mit Wohlklang erfüllen, in dem aber jede Gitarre als Einzelinstrument hörbar bleiben muss, so entscheidend ist nun die Cristinas Stimme. Hier darf nichts scheppern oder klirren, und zugleich dürfen die portugiesischen "Sch"-Laute (oft am Wortende) nicht nuscheln. Das verlangt sowohl Impulsgenauigkeit wie saubere Kontakte (an den Kabeln und Geräte-Buchsen). Eine kleine Putzsession der Kontakte (Ton- und Lautsprecherkabel) kann gerade bei dieser CD Wunder wirken.
Fazit: Eine extrem wohlklingende Musik mit südlicher Wärme und doch melancholischen Untertönen - daher für graue Herbst- und Winternachmittage bestens geeignet. Ludwig Flich