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Camille Saint-Saens

Die fünf Klavierkonzerte
Wedding Cake,
Rapsodie d'Auvergne,
Allegro appassionato,
Africa

Stephen Hough; City of Birmingham Symphony Orchestra, Sakari Oramo


Aufnahme: Digital/DSD. Am 22.-24. Jänner und 6.-8. September 2000 in der Symphony Hall, Birmingham und - allein das Konzert Nr. 3
- am 3. Juli 2001 im Warwick Arts Centre, UK

Tonmeister: Tony Faulkner und Mike Clements (Konzert Nr. 3)

Hyperion/Koch CDA 67331/2 (2CDs)

Bestimmt kennen Sie den "Schwan", einen der bekanntesten Hits aus der Romantik. Komponiert hat ihn der klassischste aller französischen Romantiker: Camille Saint-Saens (1835-1921). Sein "Karneval der Tiere", in dem auch besagter Schwan herum paddelt, zählt jedenfalls zur kurzweiligen Humor-Abteilung der E-Musik.
Wem jemals das "Schweinchen namens Babe" begegnet ist, der wurde mit Ausschnitten aus Saint-Saens' "high-fidelster" Komposition zwangsbeglückt: der Orgelsymphonie für große Orgel und sehr großes Orchester.
Der weißbärtige Doyen, der sich im Alter gern mit seinem Schoßhündchen ablichten ließ, und der sowohl Berlioz und Wagner persönlich kannte als auch einen Debussy, Ravel und sogar noch einen Mahler und Strawinsky erlebte, war in seiner Jugend ein Fan aller Progressiven, wie Liszt, Wagner und Schumann, gewesen.
Er selbst sah in der Musik ein anderes Ideal. Er verstand es, Mozartsche Klarheit mit pikanter Instrumentierung interessant zu halten, und wenn es auch kaum ein Werk gibt, das harmonisch wirklich böse Querstände liefert, so gibt es aber auch kaum eines, das langweilt.

Von Bach bis Offenbach
In seinen Klavierkonzerten jedenfalls zeigt sich eine Technik, an der sich bis heute die Pianisten ihre Gelenke messen dürfen: Denn so vermeintlich elegant und pointiert es da zugeht, so viel Anschlagskunst wird gefordert. Das berühmteste aller Klavierkonzerte ist das zweite, das - um ein bereits bewährtes Scherzwort wieder zu zitieren - "bei Bach beginnt und bei Offenbach endet."
Saint-Saens wusste jedenfalls, wie man ein Publikum fesselt. Mit einem langsamen Präludium, das durchaus vom alten Thomaskantor stammen könnte beginnt dieses Konzert, um sich im zweiten Satz zu einem dieser duftig-lockeren, dahin huschenden Stimmungsbilder aufzuschwingen und dann im dritten Satz mit einer donnernden Tarantella das Publikum in Raserei zu versetzen.
Die anderen Konzerte sind konventioneller gestrickt, wenngleich Saint-Saens zunehmend Gefallen an orientalischen Melodien und exotischer Instrumentierung fand. Hier befand er sich in bester Gesellschaft (etwa wie der Russe Rimsky-Korsakow oder viele französische Kollegen inklusive der jungen Impressionisten), nur dass er seine Anregungen aus Nordafrika inklusive Ägypten holte. Seine Oper "Samson und Dalila" ist ebenfalls mit Exotik bis zum Rand gefüllt. Camille war übrigens ein Viel-Reisender, der u.a. auch Vietnam und Ceylon, die Vereinigten Staaten, Russland und Skandinavien besuchte.
Nicht zufällig heißt das Konzert Nr.5 "Ägyptisches", weil im zweiten Satz angeblich eine nubische Melodie enthält, und die kurze Tondichtung "Africa" enthält auch ein tunesisches Volkslied.

Virtuose mit Feintuning
Stephen Hough ist ein virtuoser Anwalt dieser durchwegs originellen Konzerte; er ist durchwegs schneller und dramatischer als die Konkurrenz (Collard/EMI oder Rogé/Decca) und er findet dennoch immer Zeit, um Phrasen dynamisch fein zu tunen.
Dass wir dies gut hören, verdanken wir vor allem dem Ton-Guru Tony Faulkner, der wiederum ein schönes Abbild des Konzertflügels und des Orchesters in dem für seine Akustik berühmten Symphonie-Saal in Birmingham zaubert.
Es sind nicht bloß die sauberen Obertöne des Steinway, die bezaubern, es ist auch das Volumen seines Resonanzkastens, das jedes Zimmer mit Wellen von schönen Harmonien erfüllt. Wie gut DSD funktioniert und wie plastisch der Instrumentenschall durch den Raum schwebt, hört man witziger Weise bereits in den ganz ersten Minuten, wo im Konzert Nr.1 zwei Hörner - eines nah, das andere fern - miteinander plaudern, bis dann inmitten vibrierender Streicher das große Klavier klar macht, wer nun etwas zu sagen habe.
Eine großartige Aufnahme, die in keiner Sammlung romantischer Klavierkonzerte fehlen sollte.

Ludwig Flich