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British Light Overtures =1=
Gavin Sutherland, Royal Ballet Sinfonia
Aufnahme: Digital. Vom 21. bis 23. Februar 2001 2000
in der Henry Wood Hall, London, UK
Tonmeister: Antony Askew
ASV/Koch CD WHL 2133
Tradition gehört in England zum Guten Ton. Das kommt
nicht nur beim Geburtstag der Königin oder der Verteidigung des Pfunds
zum Ausdruck, sondern gerade auch in der Musik.
Hier hat sich eine Konzert-Form erhalten, die bei uns gerade noch in wenigen
Kurorten gepflegt wird: das Promenaden-Konzert. Wie in der guten, alten Zeit
wird den Zuhörern ein bunter Strauss "schöner Melodien"
überreicht. Ihr Stil? Romantisch-melodiös.
Diese elf "Leichten Ouvertüren" - und an eine Fortsetzung ist
von ASV offensichtlich gedacht - strafen ihre Entstehungs-Jahre Lügen:
Der "Boy Wizard" von Herbert Chappell etwa, stammt von 2001 und orientiert
sich offenbar an den aktuellsten Flugkünsten von Harry Potter, aber so
eine bunte und nette Musik hätte man auch um 1900 hören können.
Harmonisch vertraut, rhythmisch aufgeweckt, so kommen diese Werke daher. Durchwegs
mit viel Gas auf dem Orchester-Pedal. Gerade die "Sussex Symphonie-Ouvertüre"
von Paul Lewis, die der Komponist selbst als "fröhliches Geräusch
mit ein bisschen Ruhe in der Mitte" bezeichnet, lotet alle dynamischen
Möglichkeiten eines großen Orchesters bis auf den Paukengrund aus.
Beste englische Rundfunk-Tradition
Das ist keine CD für Zimperliche. Wer da konzertreifen Pegel fährt,
weiß sehr bald, was seine Anlage im Trafo und in den Kalotten hat. Denn
die Impulse des geballten tiefen Blechs und der Kontrabässe saugen ganz
schön an den Reserven normaler Verstärker.
Und deswegen ist diese überraschende Disc eine perfekte Demo-CD, weil sie
- wenn die Anlage "richtig" spielt - ein Orchester schön tiefengestaffelt
abbildet und immer wieder durch rhythmische Gags, Glockenspiele, Paukenschläge
und das fette Blech rechts hinten auffällt.
Tonmeister Antony Askew ist ein alter Hase in dieser Branche, der sich bereits
vor 23 Jahren bei der BBC mit dem Calrec-Soundfield-Mikrofon (für 3D-Surround-Aufnahmen)
auseinander setzte, und der also genau weiß, mit welchem Mikrofon-Mix
man einem großen Ensemble an die Instrumente rückt. Englische Rundfunk-Aufnahmen
gelten ja bei Insidern als die besten der Welt, weil sie sich seit jeher mehr
mit audiophilen Gesichtspunkten auseinander setzten.
Volle Dynamik voraus!
Dazu gilt die Henry-Wood-Hall ebenfalls seit Jahrzehnten als d e r State-of-the-Art-Treffpunkt
für Londoner Orchester. Ihr Nachhall legt eine geradezu südländische
Saftigkeit über diese effektvollen Werke, dass die Geigen sehr schön
glänzen und dennoch in der Perkussion und in den Trompeten der Strahlglanz
des Metalls erhalten bleibt.
Besonders hinweisen möchte ich auf "Caramba" (Blezard), wo nach
dem ersten Orchester-Röhren links ein Klavier perlt und mit seidigen Celli
rechts plaudert (Track 1) oder die mit Rossini-Schwänken angereicherte
Ouvertüre zu einer "Kostüm-Komödien" (Black) auf Track
2, oder die mit voller Dynamik voraus fahrende "Overture and Beginners"
(Langley) auf Track 3.
Und so geht es weiter: vollmundige Stücke, die - wie in Track 5, dem erwähnten
Zauberer-Kind - mit der großen Trommel oder - wie in der Konzert-Ouvertüre
von Pitfield mit der tiefen Tuba (Track 10) nicht geizen. Ein Stück fällt
sofort durch seine Duftigkeit und Durchhörbarkeit aller Streichergruppen
auf: Die luftige Ouvertüre "zu einer ungeschriebenen Komödie"
(Hurd) auf Track 7.
Kurzum: Ein Programm von effektvollen Zugaben, die als Starter für eine
vergnügliche Hör-Session sehr geeignet sind. Ludwig Flich
Bei Fragen steht Ihnen gerne Ihr Audio-Doktor Ludwig Flich persönlich zur Verfügung. Email: ludwig.flich@chello.at
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