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Georges Bizet - Rodion Schtschedrin
Carmen Ballett
Dmitri Schostakowitsch
Musik zu " Hamlet "
Alexander Glasunow
Karneval-Ouvertüre
Arthur Fiedler, Boston Pops Orchestra
Aufnahme: Analog. Am 16 Mai 1969 (Carmen) und am 28. und
29. Mai 1968 (Hamlet, Karneval) in der Symphony Hall, Boston, USA
Tonmeister: Bernard Keville
ReIssue-Ingenieur: Michael O. Drexler, BMG/RCA Studios New York City
RCA High Performance /BMG 09026 63308 2
Die Qualität betagter Analog-Aufnahmen gibt dem Musikfreund
von Heute immer wieder zu denken. Was haben diese Burschen in den Fünfziger
und Sechziger-Jahren aufgeführt, dass die Mitschnitte so prall und unmittelbar
klingen als wären es modernste Produktionen.
Ein gutes Beispiel stellt auch dieses leuchtende Feuerwerk spektakulärer Musikstücke
dar, die einer der wichtigsten Dirigenten der USA, Arthur Fiedler, betreute.
Fiedler, der 1894 in Boston geboren wurde, war immer für Entdeckungen zu haben.
Ob Klassik oder Pop, ob Beethoven oder Beatles - Fiedler servierte seinem Publikum
eine bunte Mischung aus toller Musik. Und das machte ihn jenseits des Atlantiks
auch nach seinem Tod 1979 unsterblich (von seinen Platten wurde die unglaubliche
Anzahl von 50 Millionen Stück verkauft).
Sanfte Streicher und 47 Perkussionisten
Fiedler hatte auch als einer der ersten im Westen von Schtschedrins Carmen-Ballett
gehört und spontan in diese Aufnahme eingewilligt. Denn der Reiz dieser Bearbeitung
liegt in ihrer Kombination von reinem Streicher-Ensemble und 47 Perkussionisten,
die alles schnalzen, gongen, trommeln, glucksen und rasseln, was sich so in
einem modernen Orchester an Schlagbarem anhäuft.
Gleich zu Beginn schlagen über einem fetten Streicher-Teppich im Hintergrund
sanfte Glocken, bis sich das originale Ouvertüren-Thema mit gewaltiger Power
in Erinnerung ruft.
Flamenco, Filmmusik und Feuerwerk kommen gleicher Maßen in den Sinn, doch mit
purer Lautstärke hat Schtschedrins Werk nichts zu tun: Viel mehr geht es um
ironische Seitenblicke, wie etwa im Intermezzo (Track 3), wo sich immer wieder
Pauken mit einem schrägen Glissando (hier ein geschmierter Ton hinauf) in Szene
setzen, oder in der Wach-Ablöse, die von Kuhglocken und Holzblöcken untermalt
wird.
Ironische Gags in herausragender
Bildhaftigkeit
Einer der Höhepunkte ist zweifellos der Toreromarsch (Track 9), in dem Schtschedrin
bei der Wiederholung einfach die bekannte Melodie weglässt und nur die Begleitung
spielt. Ich wette, dass Sie automatisch "Auf in den Kampf, Toreeero"
ergänzen oder mit summen....
Die Aufnahme gelang sehr bildhaft und plastisch, und natürlich kommt die Percussion
extrem realistisch ins Klangbild, was auch für die schnellen Einschwingvorgänge
aller Metallophone gilt.
Die Musik zu "Hamlet" besitzt in der "Jagd" wohl das bekannteste
Stück, lebt aber in dieser ein Jahr vor "Carmen" entstandenen Aufnahme
von der Wucht der großen Trommel und des schweren Blechs (Posaunen, Tuba). Die
selten gespielte Karneval-Ouvertüre bildet den schwungvollen Ausklang dieser
Ausnahme-CD.
Die Masterung, die feinste Details dank 96/24-Überspielung (96kHz Digitaltakt/24Bit
Dynamik) aus dem analogen Masterband erhielt, passt in die neueste Generation
exemplarischer Wieder-Veröffentlichungen, wie sie nun etwa BMG, Decca, DG und
EMI anbieten. Zudem rauscht sie erstaunlicher Weise so gut wie nicht. Dieser
Tage hörte ich eine brandneue Einspielung des Carmen-Balletts - Dirigent Pletnev
(DG); mit anderen Werken Schtschedrins gekoppelt -, die aus audiophiler Sicht
nicht plastischer oder raffinierter klingt als die immerhin schon 33jährige
Fiedler-Interpretation.
Diese CD ist preis- und daher absolut kaufenswert und wird für viele Hör-Überraschungen
sorgen.
Ludwig Flich