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Basie's Beatle Bag

Count Basie & His Orchestra: Count Basie (p, org); Bill Henderson (vocals); Eddie "Lockjaw" Davis (t-sax); Al Aarons, Sonny Cohn, Wallace Davenport, Phil Guilbeau (tr); Henderson Chambers, Al Grey, Grover Mitchell (pos), Bill Hughes (b-pos); Bobby Plater (a-sax, fl), Marshall Royal (a-sax, cl), Eric Dixon (t-sax, fl), Charlie Fowlkes (bar-sax, fl); Freddie Green (g), Norman Keenan (b), Sonny Payne (dr).
Aufnahme: Analog. Von 3. bis 5. Mai 1966 im T.T.G. Sunset Recorders Studio, Hollywood, USA.
Tonmeister: Ami Hadim
Remaster: Kevin Reeves (Polygram Studios)

Verve/Universal 557 455-2

In einem Jahr, in dem "King Elvis" wieder die Charts stürmt, darf man auch an die wohl einzige Pop-Formation erinnern, die Geschichte schrieb: die Beatles. Auf diesem Album, das jetzt gerade (obwohl nicht pressfrisch) wieder in den Fokus rückte, taucht Baron Basie aus Kansas City die Musik der Liverpooler Underdogs in sein Big-Band-Licht.
1966 war ein Jahr, wo noch niemand einen Ausdruck wie "Cover-Version" verstanden hätte. Da war das eben ein Arrangement des Cubano-Amerikaners Chico O'Farrill, der den swingenden Sound des Basie-Orchestra blitzend in Szene zu setzen wusste.
Ob uns das heute noch als Weisheit letzter Schluss vorkommt, muss jeder Hörer selbst entscheiden. Es ist aber eine Tatsache, dass sich gerade dieses Album zu einem der best verkauften des Count entwickelte.
Elf mehr oder weniger bekannte Songs der Beatles-Frühzeit - von Help, Can't Bye Me Love und Michelle bis zu Hold Me Tight, Do You Want to Know a Secret und And I Love Her - plus einem beziehungsvollen Kansas City (von Leiber/Stoller) füllen die CD. Ein abwechslungsreiches Fest für Rhythmus-Freunde, da hier alles von Schmuse-Tempi bis zu schnellen Nummern vorhanden ist.
Count Basies Big Band galt in 60er-Jahren als eine der rhythmisch zwingendsten, wenn nicht die "fetzigste" aller Bands, und der Bandleader, der so sparsam seine Töne über Klavier oder Orgel dazwischen streute, ließ die Trompeten blasen, als müssten sie zum Jüngsten Gericht rufen. Dazu gab es einige Musiker, die auch als Solisten in die Charts kamen, wie etwa der Tenor-Saxophonist Eddie "Lockjaw" Davis.

Direkt, plastisch und mit Biss
Die Aufnahme, die im Frühling '66 in Hollywood entstand, verkörpert sehr gut die Philosophie des Count, wie er auf Platte klingen wollte: ein wenig schmeichlerisch, aber nie zuckrig in den Saxophonen und schmetternd in den Trompeten. Natürlich ist das eine stereophon zusammen gemixte Multi-Mikrofonie-Aufnahme, und auch Ton-Ingenieur Ami Hadim taucht sonst in der Literatur nicht auf, aber die Abbildung der Big Band ist sehr ordentlich gelungen.
Rund um den Count, der vorne zentral auf seine Keyboards tupft, und um sein starkes Rhythmus-Herz - Drums und Bass - sind die einzelnen Abteilungen der Band schön aufgefächert zu hören; ja sie sprengen bei gutem Lautsprecher-Setup durchaus die Breite der Soundstage. Die Instrumente - vor allem die sonoren Saxophone - summen realistisch aus den Kalotten, während die Trompeten durch die nahe Mikrofonierung bei lauten Passagen zum "Blitzen" neigen.
Bei idealer Abstimmung Ihrer Anlage sollte ein Eindruck entstehen, als säßen Sie etwa zehn Meter von den Musikern entfernt im Studio und könnten die Musiker beinahe einzeln zählen. Das sorgt doch für einen unerwarteten Kick, da viel Big-Band-Aufnahmen zum Pauschalieren neigen.
Das Bandrauschen wurde bei der sorgsamen Restaurierung entweder extrem geschickt gefiltert, oder die Original-Master haben 40 Jahre in hervorragenden Bedingungen überwintert. Ludwig Flich

Bei Fragen steht Ihnen gerne Ihr Audio-Doktor Ludwig Flich persönlich zur Verfügung. Email: ludwig.flich@chello.at

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